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Das Urheberrrecht oder „Wie spielt die Musik?“

4 Kommentare

Matthias Spielkamp hat auf dem Blog Arbeit2.0 eine Präsentation zum Thema Urheberrecht online gestellt, die sehr präzise herausarbeitet, dass die Bemühungen der Musikindustrie, die Situation wieder in den Griff zu bekommen, gescheitert sind.

Besonders wichtig ist für mich Folie 24, auf der Spielkamp feststellt:

„das Einkommen von Kreativen hängt nicht in erster Linie vom Schutz ab, den das Urheberrecht gewährt, sondern von den Verträgen mit Verwertern.“

Da macht es wenig Sinn, das Urheberrecht zu verteidigen, wie es im Heidelberger Appell gefordert wird (siehe dazu auf KoopTech den Beitrag von Armin Medosch: „“Die Zeit” und die “intellektuelle Finsternis”„). Als ich vor einigen Jahren von einem Verlag um einen Artikel gebeten wurde, bekam ich einen Vertragsentwurf zugeschickt, in dem ich unterschrieben hätte, dem Verlag alle Rechte für die Online-Nutzung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und heute sind das diejenigen, die um die Rechte der Kreativen kämpfen?

Nein, in diesem wie in vielen anderen Fällen geht es darum, dass die Verwerter, wie Spielkamp ja auch feststellt, sich auf Kosten der Kreativen bereichern. Nicht um das Urheberrecht. Womit ich jetzt nicht behaupten möchte, das Urheberrecht solle so bleiben, ganz im Gegenteil.

Mein Blog ist mit einer Creative Commons Lizenz versehen, denn ich glaube, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen muss. Wenn Roland Reuß als Initiator des Heidelberger Appells in der FAZ vom „Respekt vor der unverwechselbaren Arbeit des Einzelnen (spricht), die durch geltendes Recht geschützt (werden müsse)„, dann stimme ich ihm da durchaus zu. Nur: sein Weg ist für mich der falsche. Respekt ist nicht das Ergebnis von Gesetzen, Respekt hat was mit Wertschätzung zu tun und die fließt nicht aus Paragraphen.

4 Comments Join the Conversation

  1. Da möchte ich jetzt heftig widersprechen (ich bin allerdings auch Unterzeichnerin beim Heidelberger Appell und habe in meinem Blog oft gezeigt, wo Spielkamps Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind.)

    Die Brüche des europäischen Urheberrechts, mit denen wir derzeit zu kämpfen haben, bedrohen in der Tat uns *hauptberuflichen* Autoren in der Existenz – vor allem aber nehmen sie uns ein lang erkämpftes Recht: *Selbst* über sein Werk und dessen Verwendungsformen bestimmen zu können. Und das betrifft vor allem BUCHautoren und ihre Verlage. Und die sind keine Gegner, sondern Partner.

    Ich suche mir einen Verlag, weil ich glaube, dort richtig aufgehoben zu sein. Und ich handle mühsam jeden einzelnen Paragraphen aus, damit der Vertrag für mich stimmig wird (die Buy-out-Konditionen, die Sie in ihrem Beitrag nennen, kann man auch ablehnen, wobei Zeitungen natürlich mehr Autorenauswahl haben und sich darum solche Frechheiten leisten). Ein Verlag ist dann in Europa daran gebunden, in Absprache mit dem Autor immer die für den Autor beste Lösung zu finden. Außerdem – das kommt in manchen Diskussionen gar nicht vor, entscheidet ein Autor allein, welche Nutzungsrechte er abgibt. Er kann durchaus die Onlinerechte behalten.

    Im Heidelberger Appell geht es darum, dass uns diese Rechte vor allem von amerikanischer Seite her massiv genommen werden. Sprich, in Zukunft entscheiden nicht mehr wir Autoren mit unseren Verlagen, sondern irgendwelche fremden Konzerne – die uns dann vor vollendete Tatsachen stellen. Und diese Konzerne sind nicht selbstgewählt, sind nicht unsere Verlage, sondern fremde (Stichwort Google-Book-Settlement). Ich bin übrigens, wie viele andere Kollegen bereits ein Opfer dieses Usus, obwohl ich noch nicht 70 Jahre tot bin und obwohl mein Buch nicht vergriffen ist und obwohl ich es nicht im Netz haben möchte.

    Deshalb finden sie beim Heidelberger Appell sowohl hochkarätige Autoren wie Verlage. Wir überleben nur dank des Verkaufs von Lizenzen – gewährleistet durch unsere Verlage. Wir überleben, weil wir die Honorare und Bedingungen selbst aushandeln (oder der Agent).

    Es geht nicht um Blogbeiträge und Zeitungsartikel – es geht um Größeres – und leider um einen amerikanischen Gerichtsvergleich, der Präzedenzwirkung haben könnte. Und da hat es auch wenig Sinn, wie Spielkamp & Co das praktizieren, die Autoren in Presse und Internet ständig als dümmlich und reaktionär abzuwerten, nur weil sie sich in der heutigen Zeit noch Rechtsbewusstsein leisten, das offensichtlich nicht mehr hip ist.

    Es war kommunikationspolitisch sicher nicht geschickt, im Heidelberger Appell die Themen Googlebooks und Open Access zu vermischen, die doch offensichtlich zwei sehr unterschiedliche Autorengruppen betreffen. Das hat zu unnötigem Streit und Missverständnissen unter Hardlinern geführt.

    Aber immerhin wird der Protest in den USA gehört (und die dortigen KollegInnen erhoffen sich sogar noch mehr Protest aus Europa) – und inzwischen hat der Richter den Termin zum Vergleich des Google-Book-Settlements verschoben.
    Eine Artikelsammlung zu dieser Seite gibt es hier:
    http://cronenburg.blogspot.com/2009/05/lesestoff-zu-google.html
    Ansonsten einfach in meinem Blog nach Google suchen.

    Es ist ganz einfach: Wenn das Urheberrecht gebrochen wird, indem meine Texte ungefragt von Fremdkonzernen verwertet werden oder im Internet verschenkt, dann HABE ich Einkommenseinbußen. Warum soll mir mein Verlag mehr dafür bezahlen, dass sich andere an fremdem Gut bereichern? Mein Verlag hat investiert, dass es dieses Gut in dieser Form überhaupt gibt.

    Wenn Spielkamps Utopie auf die Buchbranche übergreifen sollte, wird es bald ein Autorensterben geben – viele arbeiten jetzt schon am Limit. Aber wozu Bücher schreiben, wenn man online alles wohlfeil haben kann…

    (sorry, länglich, aber das Thema betrifft wirklich existentiell)

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  2. Mir ist klar, dass es hier sehr viele unterschiedliche Standpunkte und Ansichten gibt. Ich würde auch nicht ein System verdammen und das andere in den Himmel loben. Dazu bin ich auch zu wenig Experte…

    Ich bin aber davon überzeugt, dass wir einen grundsätzlichen Bewusstseinswandel benötigen. Statt immer höherer Mauern und strengerer gesetzlicher Vorgaben sollten wir darauf hinarbeiten, einen Konsens zu finden, mit dem alle leben können. Und mit „leben“ meine ich auch das finanzielle Überleben.

    Mag sein, dass in manchen Fällen Verlage und Autoren partnerschaftlich zusammenarbeiten, aber die Regel ist das leider nicht. Wobei das jetzt nichts mit dem Urheberrecht zu tun hat.

    Übrigens erlaubt auch Creative Commons den Verkauf von Lizenzen. Die Musikplattform Jamendo arbeitet mit so einem Modell und wenn die Informationen von dort stimmen, dann wird dieser Ansatz sehr wohl angenommen.

    „Wenn das Urheberrecht gebrochen wird, indem meine Texte ungefragt von Fremdkonzernen verwertet werden oder im Internet verschenkt, dann HABE ich Einkommenseinbußen.“

    Stimmt, aber das hat nichts damit zu tun, was für ein Urheberrechtsgesetz wir haben. Wenn sich jemand nicht an Regeln halten will, dann tut er das nicht. Die Frage ist, wie reagiere ich darauf? Versuche ich zu überzeugen oder drohe ich? Das ist es, worum es meiner Meinung nach geht. Und da geht, behaupte ich, das Urheberrecht in die falsche Richtung.

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  3. Richtig richtig! Vor einiger Zeit hatte ich auch schon über den Heidelberger Appell geschrieben (Urheberrecht vs. Open Access) und in den Kommentaren ähnliches zu lesen bekommen. Herr Wittmann schrieb mir damals, dass es im Heidelberger Appell doch lediglich um das verfassungsmäßige Recht der Publikationsfreiheit gehe, nicht um eine Kritik des Open Access. Vor allem in Bezug auf Wissenschaft, sehe ich etwas anders.

    Autor(innen), die ihre Werke via Open Access am (a) kostspieligen und (b) langwierigen Peer Reviewing Verfahren großer und sehr teurer Wissenschaftsverlage vorbeimanövrieren, werden dank Google immer häufiger gelesen und Zitiert. Das macht freilich Druck auf alle anderen Wissenschaftler(innen), die schließlich mithalten müssen. Wie so häufig wird hier eine Gegenbewegung zum neuen Mainstream.

    Gruß Hannes

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