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Online-Marketing im Kunst- und Kulturbereich: social und so

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© Gerd Altmann; Pixelio

Ich kann Simon A. Frank verstehen. Seit einigen Jahren fordert und fördert er den Einsatz von Social Media und nie ist wirklich was passiert. Und nun? Plötzlich entdeckt der Kunst- und Kulturbereich das Social Web. An jeder Ecke taucht jemand auf, aber, so Frank in seinem Unsinn 2.0 betitelten Blogpost,

„wenn ich heute Mitarbeiter aus Theaterbetrieben, Museen oder Hochschulen voller Begeisterung über das „neue Web 2.0″ reden höre, kommen mir die Tränen.“

Wie das halt so ist. Noch vor zwei, drei Jahren wurde man nicht ernst genommen,

„(a)ber heute steht Ihr ganz stolz da: Unser Theater ist in YouTube! Unser Museum hat ein Blog!“

heißt es bei ihm weiter. Frank bemängelt, dass es an den entsprechenden Voraussetzungen fehle, denn dem klassischen Online-Marketing würden die Kulturbetriebe ziemlich skeptisch gegenüberstehen. Und wer das nicht behersche, der brauche sich nicht wundern, wenn die Geschichte mit dem Social Web dann ordentlich in die Hose gehe.

Gut, aber was heißt das nun? Alle zurück an den Start und erst einmal die Hausaufgaben machen? Lernen, was  wir beispielswesie unter Suchmaschinenmarketing verstehen? Das wird nicht funktionieren, denn die Frage, ob man was gegen diese Entwicklung machen könne, beantwortet er gleich selbst mit einem „Nein“.

Was mir auffällt: immer mehr Kultureinrichtungen sind auf Facebook anzutreffen und immer häufiger findet man sie auch auf Twitter. Da werden Fanseiten eingerichtet und im Tweet Veranstaltungen beworben.  Das gehört sicher dazu, keine Frage, aber ist das schon alles? Ein Veranstaltungshinweis wird nicht dadurch interessanter, dass er via Twitter oder Facebook kommuniziert wird.

Interessanterweise vermisse ich bis heute bei den Kunst- und Kultureinrichtungen das in meinen Augen wichtigste Tool, nämlich das Weblog. Natürlich gibt es mittlerweile schon ein paar Versuche, aber seien wir ehrlich, bis jetzt sind die Resultate eher bescheiden. Mir fällt da adhoc nur das dacapo Blog der Duisburger Philharmoniker ein.

Vor etwa zwei Wochen fragte mich jemand aus dem Theaterbereich, ob ich glauben würde, dass ein Blog für sein Haus gut wäre. Meine Gegenfrage, was sich denn dadurch ändern sollte, löste Erstaunen aus und mündete dann in der Standardantwort: mehr Öffentlichkeit und mehr Zuschauer. Die Antwort ist auch noch nicht falsch, denn das sind zwei nicht wegzudenkende Erfolgsfaktoren für die meisten Kulturbetriebe. Entscheidend ist dann aber die Frage, in welcher Form da das Social Web dazu beitragen kann? Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, dürfen Sie sich hinterher nicht beschweren, wenn es irgendwie nicht so ganz rund läuft.

Wenn Sie Ihr Ziel noch nicht so klar vor Augen haben, versuchen Sie es doch mal mit der von Steve de Shazer im Rahmen der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie entwickelten Wunderfrage, bei der durch das Erleben des Zielzustands mögliche Lösungen gefunden werden. Die Wunderfrage lautet:

„Ich möchte Ihnen jetzt eine ungewöhnliche Frage stellen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen nach Hause und legen sich wie immer zu Bett. Und während Sie heute Nacht schlafen und es ganz ruhig ist, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass das Problem, das Sie hierher geführt hat, gelöst ist. Allerdings wissen Sie nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil Sie ja schlafen. Wenn Sie also morgen früh aufwachen, was wird dann anders sein, das Ihnen sagt, dass ein Wunder geschehen ist und das Problem, das Sie hierher geführt hat, gelöst ist?“

Sie werden sehen, da spielt das Thema Web2.0 erst einmal gar keine große Rolle. Und Simon A. Frank muss sich keine Sorgen machen, dass „wir (..), die Webzweinuller“, dafür verantwortlich gemacht werden, wenn sich mit Blog & Co nicht automatisch der Erfolg einstellt.

8 Comments Join the Conversation

  1. Wie gesagt, die eine Frage ist, WAS man mit einem Medium (Twitter & Co) machen kann, rein objektiv technisch betrachtet. Die für mich wesentlich wichtigere Frage ist jedoch, WARUM ich es verwenden sollte, zu welchem Zweck und Ziel. Ein NEIN zur rechten Zeit ist ein probates Mittel zur Verringerung von Komplexität (siehe unten) und häufig sehr befreiend!🙂

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    • Ich persönlich bin der Meinung, dass bei einer derart visuellen Branche außer Frage steht ob es sich lohnt bzw. warum derart viel Zeit in dieses Werkzeug investiert werden soll. Galerien kämpfen wegen dem Internet und den vielen Möglichkeiten freier Künstler, um’s Überleben und verstehen den digitalen Kunstmarkt nur bedingt. Die Branche entwickelt sich rasend schnell in Richtung digital showcase und mit ihr Schritt zu halten bedeutet einen Haufen Arbeit und Stunden voller Zweifel und Ärger. Stunden, die dem traditionellem Galeristen-Herzen Missstände in der eigenen Unternehmensdarstellung aufzeigt und das konservative Künstler-Ego in die Schranken weißt. Online Marketing ist nicht einfach, das wissen wir alle gut genug. Der Return of Invest ist ebenso schwierig zu fassen, das ist keine Frage. Aber letztendlich ist dieser social media Dialog vergleichbar mit einer „Real life“ Präsentation des eigenen Brandings, eigener Arbeiten und Persönlichkeit. Ein Vertrauensverhältnis, das mit herkömmlichen Flyern und Plakaten und anderen Outbound Marketing Werkzeugen hergestellt werden soll, kann heutzutage fast gar nicht mehr erreicht werden.

      Wer nicht mit geht, bleibt stehen. So einfach ist das.

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      • Es ist manchmal hilfreich, stehenzubleiben und innezuhalten, um zu schauen, wohin die Anderen gehen🙂
        „Halte einen Augenblick inne, du elender Schwächling, und lege Rechenschaft vor dir selbst ab“ (Don de Lillo)

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