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Bildende KünstlerInnen in Deutschland: eine Studie

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Groschen
© Klaus-Uwe Gerhardt; Pixelio

Die soziale Lage der KünstlerInnen in Österreich kennen wir ja dank einer Studie sehr genau (siehe dazu:“Eine Studie beschreibt die soziale Lage der österreichischen KünstlerInnen„). Nun gibt es auch aktuelle Zahlen aus Deutschland, denn der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Bildenden KünstlerInnen beschäftigt. Darin hat die Kulturökonomin Marlies Hummel die Antworten einer Umfrage ausgewertet, die bereits zum vierten Mal vom BBK durchgeführt worden ist.

Es fällt auf, dass sich vor allem ältere KünstlerInnen an dieser Befragung beteiligt haben, 70% von ihnen sind älter als 50 Jahre. Der Anteil der Zwanzig- bis Dreißigjährigen liegt bei nur 0,4% (Anhangtabelle 1, S.47). Nicht überraschend ist das hohe Ausbildungsniveau, als Autodidakten bezeichnen sich lediglich 20% der Künstler und 15,7% der Künstlerinnen.

Zum Thema Einkommen:

„Die Einkommenssituation der Künstlerinnen und Künstler ist diffizil“,

schreibt Hummel und stellt fest, dass nur die wenigsten vom Verkauf ihrer Kunstwerke leben können. Rund 8.450 Euro konnten die Künstler im Jahr 2007 im Mittelwert erlösen, bei den Künstlerinnen lagen die Einnahmen mit 5.820 Euro noch wesentlich niedriger. Viele Bildende KünstlerInnen üben daher auch eine Lehrtätigkeit aus. Reich wird man damit aber auch nicht, etwas mehr als 6.000 Euro verdienten die Künstler 2007 damit, mit knapp 5.500 Euro lagen die Künstlerinnen auch hier zurück (siehe Anhangtabelle 24, S.70).

Die niedrigen Einkünfte haben zur Folge, dass auch die Altersversorgung der meisten KünstlerInnen dadurch nicht gewährleistet werden kann. 56% der Künstler und 71% der Künstlerinnen erhalten eine monatliche Rente/Pension von unter 1.000 Euro (Anhangtabelle 34, S.80).

Und wie sieht es bei den Rahmenbedingungen aus?

„Von überragend positiver Bedeutung für die wirtschaftliche Bedeutung der Künstlerinnen und Künstler ist die Künstlersozialversicherung“,

fasst Marlies Hummel die Befragungsergebnisse zusammen. Aber auch ein Umfeld, das die Nähe zu Berufskollegen aufweist und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit eröffne, sei für die Umfrageteilnehmer, insbesondere die -teilnehmerinnen von hohem Wert. Als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg werden außerdem der Urheberrechtsschutz, die Verfügbarkeit von Ateliers und die Nähe zu Ausbildungseinrichtungen und Kunsthochschulen (eröffnet Chancen auf eine Lehrtätigkeit) gesehen.

Besonders negativ auf die Einkommenssituation wirkt sich nach Meinung der Befragten die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die damit einhergehende sinkende Nachfrage nach künstlerischen Werken aus.

Was müsste sich ändern? Die Befragten gehen davon aus, dass sich mit der Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation sowohl die Geschäftsentwicklung bei Vermarktern und Sponsoren als auch die Nachfrage von Privatpersonen wieder erholt.  Ganz oben auf der Prioritätenliste steht aber der Wunsch nach verbesserten Ausstellungsmöglichkeiten. Vor allem die Bildenden Künstlerinnen sehen hier den größten Handlungsbedarf (Anhangtabelle 63, S. 109f).

Für Marlies Hummel ergeben sich daraus eine Reihe von Schlussfolgerungen. Künstlerspezifische Maßnahmen seien vor allem in einer Verbesserung der Infrastruktur (Ausstellungsmöglichkeiten, erschwingliche Ateliermieten für ausreichend große Ateliers) zu suchen.

„Programme, die den Künstlern gestatten, ihre Werke besser zu vermarkten (Ausstellungsförderung, Förderung an der Teilnahme von Kunstmessen) könnten ebenfalls besonders hilfreich sein. Sie würden die bildenden Künste nicht nur allgemein fördern, sondern hätten -wegen der speziell von Frauen registrierten Defizite – zusätzlich einen besonders frauenfördernden Charakter.“

Es geht also vor allem um den Aufbau einer geeigneten Infrastruktur, die den KünstlerInnen das Überleben erleichtert bzw. erst möglich macht. Einen wichtigen Aspekt möchte ich aber noch ergänzen. Vor einiger Zeit hatte ich in meinem Blogpost „Cultivating Demand for the Arts“ über eine Studie der RAND Corporation berichtet. Dort hatte ich Laura Zakaras mit folgenden Worten zitiert:

„For decades, public funding of the arts has focused on building supply and expanding access to the arts, but it has neglected the cultivation of audiences capable of appreciating the arts.“

Wenn hier nicht auch angesetzt wird, nützt die beste Infrastruktur nichts.

PS: die lesenswerte Studie kann kostenlos über die Bundesgeschäftsstelle des BBK bezogen werden.

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