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Die Finanzkrise: Auswirkungen auf Kunst und Kultur?

12 Kommentare

© Harry Hautumm; Pixelio

Eigentlich müsste ja an diesem Wochenende die Welt bzw. das Finanzsystem gerettet werden. Das war, hieß es in den Medien die Hausaufgabe, die sich die Politik fürs Wochenende aufgegeben hat. Nun ja, warten wir mal ab, was passiert, wenn die Börsen morgen wieder aufmachen.

Ich möchte jetzt nicht über die Finanzkrise spekulieren. Spätestens seit die Süddeutsche Zeitung daraus eine „Krise im Internet“  gemacht hat und feststellt, dass nur wenige Blogger etwas Erhellendes zu diesem Thema zu sagen hätten, bin ich gewarnt und bleibe bei meinem Thema: Kulturmanagement.

Natürlich hat die Finanzkrise auch Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich. Ganz unmittelbar, beispielsweise wenn der Sponsor Pleite geht. Und wie sieht es mittel- und langfristig aus?

Ich verstehe eine Krise immer auch als eine Chance, die es einem erlaubt, Veränderungen vorzunehmen und Dinge besser zu machen. Unser Zorn hat sich in den letzten Tagen und Wochen auf „die da oben“ gerichtet, die in ihrer Gier ein Gebilde errichtet haben, das nun eingestürzt ist. Der Zorn mag berechtigt sein, nur stehen den Bankmanagern als Synonym für die Krise all diejenigen gegenüber, die mit ihrer „Geiz ist geil“-Mentalität auch dazu beigetragen haben, dass die Rendite in unserer Gesellschaft einen Wert darstellt, der die anderen Werte mittlerweile abgehängt hat.

Wenn durch die gegenwärtige Finanzkrise diese Wertepyramide ins Wanken gerät und wir darauf kommen, dass es eigentlich ganz andere Werte sind, die unsere Gesellschaft zusammenhalten, dann hätte der Börsencrash ja einen durchaus positiven Effekt.

Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Nachdenken über unsere Werte auch eine Chance für den Kunst- und Kulturbereich bedeutet, denn es sind unter anderem die KünstlerInnen, die sich Gedanken über unsere Zukunft machen und eine Vielzahl von Menschen mit ihren künstlerisch umgesetzten Ideen erreichen. Kunst und Kultur können an Relevanz gewinnen, wenn es darum geht, unserem Tun und Handeln einen Sinn zu geben, der sich nicht in Gewinn und Verlust ausdrücken lässt.

Vielleicht ist es dann auch gar nicht so schlimm, wenn die Sponsoren ausfallen? Vor einigen Tagen habe ich irgendwo gelesen, dass mittlerweile private Kleinkredite boomen. Nachdem die Banken derzeit ausfallen, könnte sich hier ein System entwickeln, im dem (privates) Geld verliehen wird. Nicht so sehr, um schnellen finanziellen Gewinn zu machen, sondern um in sinnvolle Projekte zu investieren.

Für mich stellt sich die Frage, ob es dem Kunst- und Kulturbereich gelingen kann, von einer solchen Entwicklung zu profitieren? Ich glaube ja, wenn es uns gelingt, auf die Bedeutung von Kunst und Kultur hinzuweisen. Es liegt an uns, sowohl die öffentliche Hand, denn die trägt nach wie vor Verantwortung für diesen Bereich, als auch jedes einzelne Mitglied unserer Gesellschaft davon zu überzeugen, dass die Investitionen in Kunst und Kultur wichtig sind und das Geld hier besser angelegt ist als in einem Fonds.

12 Comments Join the Conversation

  1. Irgendwie liest man aus deinem blog doch immer wieder deinen grenzenlosen optimisten heraus (bins auch)…für den ich vollstes verständnis habe. Wenn die SZ so was schreibt, lass dich doch nicht davon abhalten… du bist frei in deinem blog die SZ-beiträge nicht, mit ihren schreiberlingen und erhellendes gibt es alle mal in den blogs (z.B. dass die Chinesen jetzt bei den Amerikanern kräftig einsteigen werden … (was natürlich eine auswirkung auf das politische geschehen haben wird … und siehe da, nordkorea ist nicht mehr auf der terroristenliste…d.S.) anyway… Auswirkungen auf den kulturbereich hat die finanzkrise insofern, dass die kmku (kleineundmittelständischekulturunternehmen) weiter und tiefer in die private kreditvergabe gehen müssen, um einfach noch den erhalt zu sichern und nichts anderes. Ist ja seit Basel II für die meisten kmku eh schon so geworden…oder bekommt ein verein noch größere kohle vom system ohne grundsicherung? In der momentanen (system-)lage auf die bedeutung der kultur und daraus ein umdenken dahingehend zu aktivieren ist einfach zu optimistisch und auch etwas realitätsfremd gedacht. Realität ist, dass die kultur es nie verstanden hat, sich eine lobby aufzubauen mit entsprechenden mechanismen, das eigene system in die wertigkeit zu bringen, wie wir es alle gerne hätten, da allen nach wie vor das unterhemd näher ist wie das oberhemd. Es gab in den 80er jahren (ja ja … schon wieder olle kamellen) ansätze wie:
    raus aus der kirchensteuer, geld rein in die kultur (D)
    oder je einwohner einen bildungswertschein von x,- jedes jahr, verankert in den jeweiligen haushaltplänen
    und
    kreditvergabe unter den kulturmachern (der eine hatte gerade zuviel … der andere hatte gerade ne projektidee und … es funktionierte) und was ist geblieben … Einzelkämpferdasein vieler ortens. Meine thesen zu deinem artikel: das unterhemd wird noch dringender. kultur ist der erste part an dem gespart wird. eine wertigkeit der kultur(akteure) kann nur dargestellt werden, wenn sie mal alle über einen gewissen zeitraum keine kultur mehr machen… ergo: gerneralstreik…aber das würde in der jetzigen wertezeit einen schuss nach hinten bedeuten und für viele kulturakteure nur den stand der wertigkeit der kultur anzeigen … fonds sind einfach wichtiger. aber ich bin guter dinge…

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  2. Pingback: Nonprofits-vernetzt.de » Folgen der Finanzkrise für Nonprofit-Organisationen

  3. Ich bin auch nicht ganz so optimistisch. Ich habe mal versucht, in einem Blogbeitrag die Folgen der Finanzkrise für Nonprofits zu analysieren. Und es zeigt sich, dass das Problem nicht nur die Sponsoren sind, die wegfallen, sondern auch der sich verschärfende Wettbewerb unter Nonprofits, ein möglicher Rückgang von Spendengeldern, Stiftungsmitteln usw. Siehe http://tinyurl.com/4z28v6
    Nonprofits werden ein großes Maßnahmenpaket schnüren müssen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

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  4. @ Ernst: Klar, wenn wir nur die Vergangenheit heranziehen, dann wäre das jetzt eine gute Gelegenheit, um sich die Kugel zu geben.

    Nehmen wir mal an, Du hast Recht und es wird alles noch schwieriger. Kein Geld, Konkurrenzkampf und noch mehr Einzelkämpfertum. Und was bedeutet das für uns? So weiterwurschteln? Sich Gott ergeben auf das Ende vorbereiten?

    Ich will jetzt hier nicht als Don Quijote den Kampf gegen Windmühlen aufnehmen, sondern darauf hinweisen, dass man solche Krisen auch als Chance sehen kann. Mit dem Vorwurf, realitätsfremd zu sein, kann ich gut leben, denn hätte jemand vor vier Wochen das Szenario der letzten zehn Tage vorhergesagt, man hätte ihm auch Realitätsfremdheit vorgeworfen. 🙂

    Die Herausforderung besteht darin, sich Schritte zu überlegen, wie man die eigene Kultureinrichtung durch die eher unerfreulichen Zeiten bekommt. Was ich gar nicht mag sind so Sätze, wie „da kann man gar nichts machen“. Wenn man keine Perspektiven mehr sieht, dann ist das ok, kein Problem. Dann sollte man doch aber so vernünftig sein und sich andere Herausforderungen, Ziele, etc. suchen.

    @ Brigitte Reiser: Ja stimmt, es wird nicht einfach in der nächsten Zeit. Aber warum nicht darauf setzen, dass sich mittel- und langfristig etwas ändert? Die Gesellschaft, das sind wir, nicht die anderen. An uns liegt es, dass sich etwas ändert.

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  12. Ich sehe es genauso! Man muss die Krise eben auch als Chance begreifen. Es hat in der Geschichte immer wieder schwere Zeiten Krisen und sogar Kriege gegeben und dadurch wurde aber gerade für die Kunst und die Kultur ein Törrchen geöffnet und es kam zum Fortschritt. Ok zugegebenermaßen ist das nun ein wenig Utopie, aber wer weiß was uns in ein bis zwei Jahren rückblickend zu diesen Zeiten einfallen wird. Und ob nicht gerade irgendjemand WEGEN der Krise aus der NOt heraus eine kreative Ader entwickelt hat und zu bisher noch unbekannten Konzepten gekommen ist!

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