Beitragsformat

Das 4-Mat-System: Erfolgreich präsentieren

19 Kommentare

Wir alle sind schon oft vor der Herausforderung gestanden, etwas präsentieren zu müssen, oder besser gesagt, zu dürfen. Ob das nun das Projekt ist, das wir einem möglichen Sponsor oder Fördergeber vorstellen. Einer Jury oder möglichen Kooperationspartnern. Vielleicht geht es auch um etwas ganz anderes. Wir haben eine Prüfung vor uns oder halten ein Seminar.

In jedem Fall werden wir uns überlegen, wie wir das, was wir da loswerden wollen, am besten rüberbringen. Gehen wir mal davon aus, dass wir mit Hilfe der W-Fragen (wer, was, wie, etc.) alle notwendigen Informationen beisammen haben. Nun brauchen wir so etwas wie einen roten Faden, den wir nach Möglichkeit nicht verlieren sollten, wenn wir zu erzählen beginnen.

Sehr hilfreich ist in diesem Fall das 4-Mat-System, das eine Synthese der Erkenntnisse von David Kolb und Bernice McCarthy darstellt. Beide hatten nämlich festgestellt, dass wir Menschen unterschiedlich Lernen und daher Informationen unterschiedlich aufnehmen. Für uns ist es daher wichtig, auf die verschiedenen Lernstile unserer ZuhörerInnen einzugehen. Ist es nur eine Person, der wir etwas erzählen, dann wissen wir in der Regel nicht, welcher Lernstil der richtige ist. Daher setzen wir alle vier ein, so viele sind es nämlich.

Was ist das 4-Mat-System nun? Kurz gesagt handelt es sich dabei um ein System, das die Menschen in Bezug auf das Lernen in vier Grundtypen einteilt:

  • Warum-Typ
  • Was-Typ
  • Wie-Typ
  • Was wäre wenn-Typ

Der Warum-Typ will wissen, warum das, was wir erzählen, gerade für ihn von Interesse sein soll. Warum unser Projektvorhaben förderungswürdig ist oder warum die Themen für die SeminarteilnehmerInnen so wichtig sind. Etwa 35 Prozent unserer ZuhörerInnen wollen vor allem die Frage nach dem „Warum“ beantwortet haben. Haben wir hier keine Angebote zu machen, sind sie für uns verloren und wenn unser Projekt noch so toll ist.

Der Was-Typ möchte die Sache erklärt bekommen. WissenschaftlerInnen sind in der Regel Was-Typen, sie möchten Zahlen und Fakten geliefert bekommen und können auf diese Weise überzeugt werden. Gut 20 Prozent lassen sich dieser Gruppe zuordnen.

Der Wie-Typ möchte wissen, wie etwas geht. Am liebsten möchten sie sofort ausprobieren. In Seminaren sind zum Beispiel aus diesem Grund Übungen wichtig, quasi zum Überzeugen. Der Anteil dieses Typs in einer Gruppe liegt bei durchschnittlich knapp 20 Prozent.

Bleibt noch der Was wäre wenn-Typ, für den die Zukunftsszenarien wichtig sind, um auf eine Sache anzuspringen oder sich von etwas überzeugen zu lassen. Hier geht es darum, das Erzählte in die Zukunft zu transportieren und zu beschreiben, welche Konsequenzen sich aus dem Projekt ergeben oder was passieren würde, wenn das Projekt nicht stattfinden würde. Durchschnittlich ein Viertel unserer ZuhörerInnen gehören dieser Gruppe an.

Wenn wir nun beispielsweise ein Projekt präsentieren wollen, gehen wir daher am besten anhand der folgenden Fragen vor:

  • Warum wollen wir das Projekt machen? Warum ist unser Vorhaben so wichtig?
  • Was wollen wir machen? Was passiert alles im Rahmen des Projekts?
  • Wie setzen wir die Projektidee um?
  • Welche Konsequenten ergeben sich daraus, wenn das Projekt stattfindet bzw. nicht stattfindet?

Mal angenommen, wir sind Konzertveranstalter und planen, eine bekannte Rockgruppe auftreten zu lassen. Potenziellen Sponsoren würden wir beispielsweise erzählen, dass

  • diese Gruppe hier noch nie aufgetreten ist und wegen ihrer neuen CD gerade total angesagt ist,
  • die Gruppe Anfang September in der Stadthalle auftreten wird und die Gespräche mit zwei Vorgruppen äußerst erfolgreich verlaufen,
  • wir uns vorstellen, den Sponsoren neben diversen Werbemöglichkeiten ein Kartenkontingent überlassen sowie einige Backstage-Karten,
  • die Sponsoren damit nicht nur einen Imagegewinn erzielen, sondern auch einigen ihrer Kunden zu einem einmaligen Erlebnis verhelfen.

Einfach mal ausprobieren!

19 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: Halbvoll oder halbleer? « Kulturmanagement

  2. Pingback: Texte schreiben: Aller Anfang ist schwer « Kulturmanagement

  3. Pingback: Die Frage nach dem Warum mit Hilfe des 4-Mat-Systems beantworten « Das Kulturmanagement Blog

  4. Hallo Herr Henner-Fehr,

    vielen Dank für den tollen Artikel über 4-Mat. Auch meiner Einschätzung nach gehört dieses methodisch/didaktische Know-how zu jenen Möglichkeiten, wo mit ziemlich geringem Aufwand ein riseiger Nutzen entsteht.

    Wussten Sie übrigens schon, dass es mittlerweile bereits eine Software gibt, die Trainer dazu anleitet, komplette Seminare nach 4-Mat zu konzipieren?
    siehe http://www.seminardesigner.at

    Ich freue mich schon auf Ihr Feedback …
    mit freundlichen Grüßen
    Michael Smetana

    Gefällt mir

    Antwort

    • CPT gliederd eine „Theorie“ oder etwas was man unterrichten möchte. Z.B. möchtest Du im Was-Quadranten etwas erklären. Nehmen wir an Du möchtest „4MAT“ erklären. Dann würde man das mittels CPT so gliedern:
      Concept (von 4MAT): Es gibt 4 Menschen/LernTypen (Warum, Was,…), welche unterschiedlich angesprochen werden müssen, damit sie abgeholt werden.
      Principle (von 4MAT): Prinzip der Gleichheit wird genutzt (Menschen die sich ähnlich sind fühlen sich sympathischer), d.h. wenn ich den den Warum-Menschen anspreche (indem ich die Warumfrage beantworte) fühlt er sich wahrscheinlich verstanden bzw. ist interessiert.
      Technik (von 4MAT): Gliedere deine nächste Präsentation in diese vier Schritte 1. Warum 2. Was 3. Wie 4. Wozu/Was wäre wenn.
      Was bringt das jetzt? Wenn ich CPT im Hinterkopf habe, kann ich meinen Vortrag so strukturieren, dass Menschen schnell etwas lernen (nämlich indem ich auf der Technik-Ebene bleibe, ich erklär nur wie die Technik funktioniert, damit können sie das anwenden). Oder ob ich auf die Ebene der Prinzipen bzw. Konzepte gebe (damit z.B. Prinzipien klar werden, muss ich erst mal verstehen wie und warum das funktioniert, dass dauert meistens länger als wenn ich nur eine Technik anbiete.)
      Bzw. kann ich CPT auch so verwenden, indem ich alles rein packe. D.h. nach meinem Vortrag haben die ZuhörerInnen eine Technik die sie anwenden können, sie verstehen die Prinzipien dahinter (und können dadurch die Technik auch variiren, da sie es verstanden haben) und sie haben den Theorie-Background. So hätte ich sein Kommentar jetzt verstanden 🙂 Gepaart mit 4MAT würde das bedeuten, dass ich den Warum-Bereich aufmache, dann zum Was übergehe wo ich das Konzept dahinter verdeutliche und z.B. durch Metaphern die Prinzipen klar mache – dann weiß ich auch, dass man 4MAT z.B. auch beim schreiben von Texten verwenden könnte. – dann im Wie auch eine Technik mit an die Hand gebe. Und dann in den Wozu-Bereich überschwanke.
      Btw. sehr gelungener Text, kurz

      Gefällt mir

      Antwort

      • … Btw. sehr gelungener Text, kurz und knackig! Finde es sehr schade, dass 4MAT v.a. im Bildungssystem nicht mehr verwendet wird, obwohl es so gut wissenschaftlich evaluiert ist.
        lg Marian
        (sry für den doppelbeitrag, er hat mir den Text während dem schreiben abgeschickt:()

        Gefällt mir

  5. Hallo,

    danke für den hilfreichen Artikel, kurz und knapp, aber gut dargestellt.
    Kurze Frage, gibt es eine Quelle für die genannten Gewichtungen? Wo kann ich weitere Daten finden?
    Vielen Dank

    Gefällt mir

    Antwort

  6. Hallo, sehr guter Beitrag!
    Ich nutze das 4MAT System sehr oft im Rahmen meiner Kommunikationstrainings. Nutze also die Beschreibug der Lerntypen für ihr abgeleitetes Kommuniaktionsverhalten.
    Wissen Sie, ob es dazu weiterführende Literatur gibt?
    Beste Grüße
    Anja

    Gefällt mir

    Antwort

  7. @Anja Mahlstedt: danke! 😉 Literatur gibt es kaum, ich bin lediglich auf diese Seite und auf das folgende Buch gestoßen. Mehr scheint es dazu nicht zu geben. Eigentlich schade, denn der Ansatz ist brilliant und lässt sich in vielen Situationen nutzen. Auf der anderen Seite ist das dann ein Wettbewerbsvorteil 🙂

    Gefällt mir

    Antwort

  8. Danke für die sehr kurz und klar erläuterte Anwendung, die auch für Internetseiten, und Arbeiten als Coach sehr hilfreich sein können
    Gruß Birgit Wolters, Bremen

    Gefällt mir

    Antwort

  9. Pingback: Két érdekes modell arról, hogyan tanulunk | Holden

Leave a Reply

Required fields are marked *.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s