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Exit
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Raus aus Facebook?

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Bild: Exit“; von Lukas Kästner (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vielleicht ist es auch von Vorteil, wenn man nur wenig finanzielle Mittel für die eigenen Social Media-Aktivitäten hat. Ich hatte vor allem in den ersten Jahren den Anspruch, kein Geld in die Hand zu nehmen, um im Social Web sichtbar zu sein. Und da ich von den Kulturbetrieben immer zu hören bekam, dass für Social Media kein Geld da sei, habe ich mir für Kultureinrichtungen, die ich beraten habe, immer Wege überlegt, um ohne teure Kampagnen auszukommen.

Reich sind die Kulturbetriebe zwar immer noch nicht, aber es gibt doch etliche, die mittlerweile ein Budget haben, um zum Beispiel ihre Facebookpostings zu pushen und so deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Ich finde das durchaus in Ordnung und betrachte es auch als sinnvoll, auf diese Weise zum Beispiel eine Ausstellungseröffnung oder die Veröffentlichung eines neuen Albums zu promoten. Aber grundsätzlich habe ich immer stark auf die Inhalte gesetzt und da gab es – zumindest in meinen Anfangsjahren – keine Alternative zum Blog. Als Facebook und Twitter aufkamen, haben viele das Bloggen aufgegeben, um sich voll und ganz auf die neuen Plattformen zu konzentrieren. Zugegeben, da tobte das Leben und auch heute findet die Diskussion über ein Blogpost oft noch eher auf den sozialen Netzwerken und nicht im Blog selbst statt.

Das Blog als zentrales Element von Social Media

Aber für mich war immer klar, dass ein Blog für jedes Social Media-Programm die zentrale Anlaufstelle sein muss und Facebook, Twitter & Co. lediglich dazu da sind, auf die Seite aufmerksam zu machen, auf der meine Inhalte zu finden sind. Wenn Judith Denkmayr jetzt darüber schreibt, dass “der Facebook Exit 2014 für Unternehmen ein Thema werden könnte“, weil es die hohen Erwartungen nicht (mehr) erfüllt, dann bin ich froh, dass ich diese hohen Erwartungen nie hatte. Schon vor drei Jahren habe ich darüber geschrieben, dass die Postings auf Twitter und Facebook zu schnell von der Bildfläche verschwinden, um nachhaltig zu sein und begründet, warum ein Blog für mich so wertvoll ist.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, ganz im Gegenteil. Nachdem Facebook noch immer keine vernünftige Suchfunktion hat, suche ich nach wie vor in den Suchmaschinen nach einem Theaterstück, das ich mir heute Abend anschauen kann. Oder in einem der zahlreichen Veranstaltungskalender. Und die verlinken dann auf die Website.

Aber genug kritisiert. Trotzdem bin ich nicht der Ansicht, dass sich Unternehmen und auch Kulturbetriebe Gedanken über eine Exitstrategie machen sollten. Ich glaube, wir sollten Facebook so nutzen, dass wir von seinen Stärken profitieren können. Und die liegen eindeutig in der Vernetzung der Profile und der Tatsache, dass es sich dabei immer noch um ein Netzwerk handelt, das vom größten Teil seiner Mitglieder privat genutzt wird.

Facebook ist und bleibt ein privates Netzwerk

Dass dem so ist, beweist auch die ARD/ZDF-Onlinestudie. Werfen Sie mal einen Blick auf die Tabelle, die auflistet, was die UserInnen in privaten Community eigentlich machen. Erst an zwölfter Stelle taucht dort die Suche nach Informationen auf. Darauf zu spekulieren, dass man auf diese Weise entdeckt wird, halte ich für gewagt.

Nicht dass ich auf eine Facebookseite ganz verzichten würde, es gibt genügend Gründe, die dafür sprechen. Sind Sie auf Facebook nicht vertreten, findet man Sie zum Beispiel nicht über die Suchfunktion. Aber das Ziel sollte es eher sein, dort vertreten zu sein, wo sich die UserInnen größtenteils aufhalten: Auf den persönlichen Profilen, die die Timeline und die Fotoalben umfassen und im Chat. Wenn ich dort sichtbar sein möchte, dann schaffe ich das nur, wenn andere über mich und meine Angebote auf ihren Profilseiten berichten, Fotos heraufladen und im Chat über das gestrige Konzert, die Ausstellung, etc. erzählen. Wenn meine Angebote ihren Erwartungen entsprechen und wenn ich es zulasse, dass sie auch Fotos machen dürfen. Klar, das ist in einem Theater nicht ganz einfach, aber dann gilt es eben, spezielle Anlässe zu schaffen (siehe z.B. das Kultup im Theater Heilbronn).

Ich glaube, Facebook bietet uns noch viele wunderbare Möglichkeiten, um auf uns und unsere Angebote aufmerksam zu machen. Allerdings sind das Ansätze, die mit den Möglichkeiten, die uns das Marketing bis jetzt angeboten hat, wenig zu tun haben. Es geht um persönliche Gespräche in den Netzwerken der UserInnen. Dort hinein kann ich mich nicht einkaufen, niemals. Also überlegen Sie sich, wie Sie es schaffen, dorthin zu gelangen und nicht, ob Sie Facebook verlassen sollen. Dafür ist es eindeutig noch zu früh.

Zeitplan Twitter
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Social Media: Wann ist der beste Zeitpunkt für mein Posting?

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Immer wieder taucht die Frage auf, welches die beste Zeit ist, um seine Blogbeiträge oder die Postings auf Twitter, Facebook & Co zu veröffentlichen. Zu diesem Thema gibt es mittlerweile unzählige Studien, anhand derer man wunderbar irgendwelche statistischen Durchschnittswerte erfährt. Aber es ist ein großer Unterschied, ob ich Privat- oder Geschäftskunden mit meinen Aktivitäten erreichen möchte. Und ebenso entscheidend ist es, in welcher Branche ich mich eigentlich bewege. Matthias Szilagyi zeigt das sehr anschaulich am Beispiel Facebook auf. Er hat insgesamt 1.800 Facebookseiten analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass der beste Zeitpunkt für ein Facebookpost davon abhängt, ob ich etwa in der Unterhaltungsbranche, der Bekleidungsindustrie oder irgendeinem anderen Bereich arbeite.

Natürlich kann ich mich an solchen Analysen orientieren, aber am sinnvollsten ist es wohl, das einfach selbst herauszufinden. Die Statistiktools einer Facebookseite geben mir mittlerweile genaue Hinweise, wann ich besonders gut wahrgenommen werde und wann nicht. Hier das Beispiel einer meiner Facebookseiten:

Zeitplan Facebook

Das Beispiel zeigt, dass auf diese Seite hauptsächlich zu normalen Arbeitszeiten zugegriffen wird, wobei interessanterweise kein großer Unterschied zwischen den Arbeitstagen und dem Wochenende zu erkennen ist. Ich will das jetzt gar nicht groß interpretieren, sondern habe den Vorteil, relativ große Zeitfenster identifizieren zu können, an denen diese Seite wahrgenommen wird.

Schaue ich mir meinen Twitteraccount an, dann sieht die Sache etwas anders aus. Die folgende Grafik bietet mir Crowdbooster an, ein Analysetool, das mich 72USD pro Jahr kostet:

Zeitplan Twitter

Hier zeigt sich deutlich, dass Twitter wohl nicht im gleichen Ausmaß wie Facebook am Wochenende genutzt wird, die Unterschiede zwischen den Arbeitstagen und dem Wochenende sind offensichtlich. Zu erkennen ist auch, dass meine Follower vor allem am Vor- und am Nachmittag aktiv sind, die Mittagspause aber durchaus zu schätzen wissen. Und das durchaus auch mal ohne Twitter. ;-)

Bleibt noch mein Blog. Hier habe ich den Nachteil, dass WordPress mir es auf der webgehosteten Seite nicht erlaubt, Google Analytics einzusetzen, so behelfe ich mir mit 4stats, einem deutschsprachigen Tool, das mich 25 Euro pro Jahr kostet und mir dafür alle Informationen liefert, die ich brauche. Die Zugriffszahlen sehen hier so aus, wobei es sich nur um die direkten Zugriffe handelt, Email- und RSS-Feedabonnenten sind darin nicht enthalten:

Zeitplan Blog

Auch hier lässt sich gut erkennen, dass es vor allem die Werktage und die normalen Arbeitszeiten sind, an denen auf mein Blog zugegriffen wird, während ich mir den samstäglichen Blogbeitrag wohl eher sparen kann. Zeitlich gesehen ist der etwas spätere Vormittag ideal, auch der Nachmittag ist noch passabel, während die Zahlen abends deutlich niedriger sind.

Für mich reichen diese drei Grafiken, um klare Rückschlüsse ziehen zu können. Meine Inhalte werden hauptsächlich während der normalen Arbeitszeiten gelesen, d.h. wenn es mir um die Reichweite geht, veröffentliche ich beispielsweise meinen Blogbeitrag am Montag um 9 Uhr. Oder schon am Sonntagabend, dann haben ihn meine Emailabonnenten am Montagmorgen in ihrer Mailbox. Nachdem deren Zahl gar nicht so klein ist, habe ich mir das immer wieder mal genauer angeschaut, der Unterschied ist marginal. So hängt der Zeitpunkt des Versendens meist auch davon ab, ob ich den Beitrag schon am Sonntagabend oder erst am Montagmorgen fertig habe. So schön das Wissen um den besten Zeitpunkt auch ist, man muss halt auch immer zur besten Zeit genügend Inhalte parat haben. Und das ist, denke ich, eine viel größere Herausforderung als den besten Zeitpunkt zu finden. ;-)

Plakat Salon der Angst
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Die Kunsthalle Wien und das stARTcamp: keine Angst vor Social Media

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Wenn morgen hier in Wien das erste stARTcamp über die Bühne geht, dann ist das zu einem ganz großen Teil der Verdienst von Michael Wuerges, der in der Kunsthalle Wien für Marketing und Strategie verantwortlich ist. Als er mich im März fragte, ob ich nicht Lust auf ein stARTcamp in Wien hätte, war ich natürlich sofort dabei. Gewollt hatte ich ja schon länger, aber wie das so ist. Die Zeit ist knapp und so verschiebt man die Sache Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Deshalb bin ich ihm sehr dankbar, dass er mich im Frühjahr angesprochen hat. Erstens glaube ich, gibt es für solche Veranstaltungen keinen besseren Orte als die, an denen Kunst stattfindet. Und in diesem speziellen Fall haben wir zweitens das Glück, inmitten einer noch nicht fertig aufgebauten Ausstellung sein zu dürfen. Der Werkstattcharakter, den so ein stARTcamp hat, setzt sich also räumlich fort.

Was aber veranlasst einen Kulturbetrieb, ein stARTcamp zu organisieren? Diese und ein paar andere habe ich Michael Wuerges gestellt.

Christian Henner-Fehr: Morgen geht es los, wir sprechen einen ganzen Tag lang über Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nutzt Du selbst eigentlich auch Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke und Plattformen? Oder reicht es Dir, Dich beruflich damit zu beschäftigen?

Michael Wuerges: Natürlich bin ich selbst auf Facebook. Twitter nutze ich aber nur für die Kunsthalle Wien.  Wenn ich aber so nachdenke hast du recht: Seit dem ich viel für die Kunsthalle mache, das machen wir im Team, bin ich sehr viel weniger privat in den sozialen Netzwerken unterwegs. Als Deutscher in Wien hatte ich früher einen Blog mit typisch österreichischen k. u k. Rezepten. Dazu komme ich leider nun zeitlich nicht mehr.

Christian Henner-Fehr: Sehr häufig wird im Zusammenhang mit Social Media vom Wunsch nach Vernetzung gesprochen. Ist das einer der Gründe, warum morgen bei Euch das stARTcamp stattfindet und wenn ja, mit wem wäre es für die Kunsthalle Wien interessant, sich zu vernetzen?

Michael Wuerges: Ja, du hast Recht, Vernetzung ist nicht unwichtig. In der Kunsthalle Wien geht es uns nicht nur um Vernetzung, sondern um Service für unsere Besucher. Deshalb fragen wir sie auch ganz aktiv nach Ihren Erwartungen. So schreiben wir zum Beispiel auf jedes Plakat gleich den jeweiligen Hashtag der Ausstellung oder Veranstaltung. Das war ein Wunsch unserer Besucher dem wir nachgekommen sind. Das macht keine Kultureinrichtung im deutschsprachigen Raum.  Wir versuchen uns also, mit unseren Besuchern enger zu vernetzen.

Plakat Salon der Angst

Christian Henner-Fehr: Ab 6. September wird bei Euch die Ausstellung „Salon der Angst“ zu sehen sein, in der es um die „künstlerische Auseinandersetzung mit den Ängsten unserer Zeit“ geht, wie es auf Eurer Webseite heißt. Künstlerisch werden wir uns zwar morgen nicht damit auseinandersetzen, aber Angst und Unsicherheit begegnen einem oft, wenn von Social Media die Rede ist. Ist es in Deinen Augen sinnvoll, wenn Kultureinrichtungen sich aktiv darum bemühen, zum Beispiel durch solche Veranstaltungen, diesen Ängsten zu begegnen. Und zwar nach Innen und nach Außen?

Michael Wuerges: Absolut. Das ist mit einer der Gründe denke ich, warum wir zusammen dieses stARTcamp machen. Meiner Meinung nach muss man vor Social Media überhaupt keine Angst haben. Im Zusammenhang mit Social Media höre ich ganz oft Schlagworte wie Datensicherheit, Kontrollverlust, Shitstorm usw. Natürlich kann gerade durch eine Öffnung einer Institution nach außen etwas Unvorhergesehenes passieren, dennoch plädiere ich immer wieder zu mehr Mut im Umgang mit unseren Zielgruppen, die die Sozialen Kanäle benutzen. Wir alle machen unsere Jobs gut und haben nichts zu verbergen. Wieso sollen wir unsere Besucher nicht schon ganz früh in unsere Projekte involvieren? Wieso sollen sie nicht Teil unserer Projekte sein? Zu „Salon der Angst“ werden wir versuchen einen sehr ungewöhnlichen Weg in Sachen Social Media zu gehen. Verraten kann ich leider noch nichts, es wird dir aber sicher auffallen.

Christian Henner-Fehr: Ein stARTcamp lebt von den Ideen und dem Input der TeilnehmerInnen. Welche Session wünschst Du Dir morgen?

Michael Wuerges: Vielleicht ist es tatsächlich die: „Wie verliert man die Angst vor Social Media!“

Christian Henner-Fehr: Morgen geht es um das Thema Social Media. Angesprochen haben wir vor allem die Menschen, die sich damit im Bereich von Kunst und Kultur beschäftigen. Kannst Du Dir vorstellen, dieses Format auch auf Eure inhaltliche Arbeit zu übertragen und auf diese Weise Euer Publikum anzusprechen? Also zum Beispiel im Zusammenhang mit Eurer kommenden Ausstellung ein Barcamp, bei dem es um die „kulturelle Prägung individueller wie kollektiver Angsterlebnisse und –ereignisse“ geht, ein Zitat, das ich Eurem Ankündigungstext entnommen habe.

Michael Wuerges: Gute Frage. Natürlich kann ich mir das vorstellen. Die Kunsthalle Wien ist ja das Haus der Stadt Wien für internationale zeitgenössische Kunst und Diskurs. Da würde ein Barcamp zu Thema Angst tatsächlich sehr gut passen. Ich werde mit unserem Direktor und der Dramaturgin des Hauses darüber sprechen. Beiden ist Social Media nämlich sehr wichtig.

Christian Henner-Fehr: Danke für Deine Antworten und viel Spaß morgen beim stARTcamp!

Michael Wuerges: Danke dir, dass wir zusammen das erste stARTcamp Österreichs bei uns in der Kunsthalle Wien machen. Ich freu mich riesig auf das stARTcamp morgen und auf alle Kollegen/innen die mit dabei sein werden. Ich bin echt gespannt auf die Themen die wir zusammen besprechen werden.

Unternehmenskommunikation
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Social Collaboration: Auch in Kultureinrichtungen ein Thema?

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Unternehmenskommunikation
© Gerd Altmann ; Pixabay

Wir alle spüren, dass sich das Verhältnis zu den BürgerInnen, KundInnen oder auch dem Publikum im Kunst- und Kulturbereich verändert hat. Peter Kruse, Unternehmensberater und Honorarprofessor an der Uni Bremen spricht gar von einer digitalen Revolution. Und so sind wir alle darum bemüht, den Anschluss nicht zu verlieren und uns den neuen Herausforderungen zu stellen. Meist geschieht das auf Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube, im Hinterkopf das Wissen, aus dem Monolog sollte jetzt ein Dialog werden.

Nehmen wir mal an, dass das ganz leidlich klappt und es den Kultureinrichtungen und KünstlerInnen immer besser gelingt, in der externen Kommunikation auf Social Media zu setzen. Auf diese Weise wähnt man sich ganz nah an den eigenen Zielgruppen und erfährt aus erster Hand, was gut ankommt und was schlecht. Das englische Verb “engage” beschreibt wohl am besten, was der Kunst- und Kulturbereich von seinen KundInnen und BesucherInnen erwartet. Sie sollen Informationen teilen, Veranstaltungen und Produkte empfehlen und nach Möglichkeit auch selbst wieder die Geldbörse zücken.

Aber wie sieht es eigentlich intern aus? Hat sich da irgendetwas verändert, was die Form der Zusammenarbeit oder der Kommunikation angeht? Oder werden dazu weiterhin die Email und das interne Laufwerk genutzt? In den meisten Fällen funktioniert die interne Kommunikation wohl noch so, aber ich stelle fest, dass der Wunsch nach Veränderung immer größer wird. Es stellt sich die Frage: Ist der Kunst- und Kulturbereich für Social Collaboration bereit? Und ist es wirklich damit getan, ein Social Intranet einzurichten, um quasi auf Knopfdruck zum Enterprise 2.0 zu werden?

Ross Mayfield hat schon 2006 ein Blogpost veröffentlicht, das den Titel “Power Law of Participation” trägt (siehe dazu mein Blogpost “Social Media und Organisationskultur“), in dem er die Entwicklung von der kollektiven zur kollaborativen Intelligenz beschreibt. Letztere bedarf nicht nur eines besonders hohen Engagements, sondern auch bestimmter Werte. Sichtbar machen lässt sich dieser Entwicklungsprozess an Hand unterschiedlicher Formen von Partizipation.

Power Law of Participation

Quelle: Ross Mayfield (Flickr): cc by-nc 2.0

Wer kollaborativ arbeiten möchte, muss also über entsprechend entwickelte Strukturen verfügen. Um einschätzen zu können, wo die Kultureinrichtungen stehen, lohnt es sich vielleicht, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Die BITKOM-Studie “Einsatz und Potenziale von Social Business für ITK-Unternehmen” versucht herauszufinden, wie sich der aktuelle Status Quo in dieser – logischerweise – stark technologiegetriebenen Branche darstellt.

Unter Social Business werden in dieser Studie alle Aktivitäten in einem Unternehmen verstanden,

“die auf Social Media, Social Software und Social Networks setzen, um effizientere, effektivere und nützlichere Verbindungen zwischen Menschen, Informationen und Ressourcen herzustellen – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens” (S.6).

Beim Einsatz von Social Media in der externen Kommunikation zielen die ITK-Unternehmen darauf ab,

  • die Bekanntheit der Marke zu steigern,
  • nahe an die Zielgruppen heranzukommen,
  • mit diesen Zielgruppen zu interagieren und
  • neue MitarbeiterInnen zu gewinnen.

Vor allem der letzte Punkt ist interessant, da wohl nur die wenigsten Kultureinrichtungen Social Media dafür verwenden, neue MitarbeiterInnen anzuwerben. Dementsprechend sind die externen Social Web-Aktivitäten vermutlich kaum mit Prozessen in der HR-Abteilung verbunden, im Unterschied zu Marketing und PR. Bei den ITK-Unternehmen sind das die drei Bereiche, die am engsten mit den Social Media-Aktivitäten verbunden sind.

Und wie sieht es mit dem Einsatz interner Social Software aus? Die Studie zeigt, dass bereits 71% der befragten ITK-Unternehmen auf Social Software-Lösungen setzen. Dreiviertel von ihnen verwenden dabei ein Wiki, 69% nutzen ein Intranet und 53% nutzen die Gruppenfunktion von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing. Immerhin schon ein Drittel der Unternehmen verwendet so etwas wie Enterprise Social Networks.

Worin besteht der Nutzen von Social Software? In erster Linie können dadurch das Wissensmanagement und die interne Kommunikation verbessert werden.Bei letzterer geht es einerseits um die Verbesserung der Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmensstandorten, aber auch zwischen den verschiedenen Abteilungen. Die Hälfte der Unternehmen konnte auf diese Weise das Projektmanagement verbessern und 39% gelang es, das interne Emailaufkommen zu reduzieren.

Im Kunst- und Kulturbereich wird Social Software intern vermutlich sehr viel seltener eingesetzt. Die von den ITK-Unternehmen angestrebten Ziele sind aber für Kultureinrichtungen durchaus interessant. Das heißt, das Thema wird früher oder später auf sie zukommen. Wer sich darüber informieren möchte, was ihn da erwartet, findet in der Studie vermutlich einige Anregungen. Aber Achtung: Es ist nicht nur die Software, die die Kulturbetriebe fit für die Zukunft macht. Das zeigt sich unter anderem daran, dass in der Hälfte der befragten ITK-Unternehmen das Thema Social Business Chefsache ist und sie davon überzeugt sind, dass es eines Kulturwandels bedarf, um das Unternehmen auf die Veränderungen vorzubereiten.

Bahnhofshalle
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Denkfest 2013 und stARTcamp RuhrYork im Rückblick

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Bahnhofshalle
Bahnhofshalle“; By Thomas Kohler (CC BY-SA 2.0)

“Sie sind sicher viel unterwegs”, sprach mich letzte Woche jemand beim Denkfest in Worms an und es klang so ein wenig nach Bedauern. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich mag solche Veranstaltungen und finde es auch nicht schlimm, wenn sie direkt hintereinander stattfinden und ein paar Stunden Zugfahrt dazwischen liegen. Vor allem, wenn die Züge pünktlich fahren und die Klimaanlage nicht defekt ist. :-)

Vorweg, es waren zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen, die aber beide sehr interessant waren und auf denen ich die Möglichkeit hatte, viele bekannte Gesichter wieder zu treffen und viele neue Gesichter kennen zu lernen. Während das Denkfest dem klassischen Konferenzmuster folgte, funktionieren die stARTcamps nach dem Barcamp-Prinzip. Und faszinierenderweise hat das auch Einfluss auf das Publikum. Während in Worms zum Beispiel kaum getwittert wurde, kamen in Oberhausen beim stARTcamp RuhrYork ganz beachtliche Zahlen zustande. Das heißt, wer mit dem Social Web noch nicht vertraut ist, wagt sich nicht so leicht auf ein Barcamp. Vermutlich schwingt da ein klein wenig die Angst mit, sich als AnfängerIn aktiv einbringen zu müssen. Das stimmt so natürlich nicht, ganz im Gegenteil, wo hat man sonst schon die Gelegenheit, eine Session vorzuschlagen, wo man (alle) seine Fragen beantwortet bekommt?

Nachdem ich am ersten Tag in Worms vor allem das Thema Social Marketing vorstellen durfte, ging es am zweiten Tag in meinem Workshop um die Frage, auf welcher Basis man eigentlich seine digitalen Aktivitäten entwickelt? Ich habe dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Grundlage verwendet, weil ich diesen Ansatz erstens für sehr gelungen halte, setzt er doch auf der oft vernachlässigten strategischen Ebene an. Zweitens gibt einem das auf der Website angebotene eBook mit seinen Arbeitsunterlagen die Möglichkeit, sich auch nach dem Workshop noch eingehend mit diesem Ansatz zu beschäftigen und auf diese Weise über einen längeren Zeitraum hinweg ein eigenes Konzept zu entwickeln. Ein dreistündiger Workshop liefert da höchstens erste Anregungen, die wirklich wichtigen strategischen Fragen müssen dann oft erst diskutiert werden, bevor sie als Grundlage für Social Media-Aktivitäten dienen können.

Natürlich ist es dann auch wichtig, zumindest die Basics der verschiedenen Social Media-Kanäle zu kennen. Viele der TeilnehmerInnen hätten vermutlich ihre helle Freude an dem vom Marc Geggart Nikolait entwickelten “Zirkeltraining” gehabt, das am ersten Tag des stARTcamp RuhrYork angeboten wurde. An fünf Stationen gab es kurze Inputs der ExpertInnen und dann konnte man seine Fragen loswerden. In dieser Atmosphäre und in kleiner Runde gab es keinen Grund, sich zurückzuhalten und so kamen wohl alle auf ihre Kosten. Dass es nicht nur mir so ging, beweist dieser Blogbeitrag. Ich finde diese Art von Training sehr sinnvoll und bin Marc Geggart Nikolait sehr dankbar für seine Idee, denn natürlich bietet dieser Ansatz jede Menge Möglichkeiten, die Inhalte zu strukturieren. So könnte man zum Beispiel auch für die verschiedenen Funktionsbereiche (Marketing, PR, Management, etc.) eigene Stationen anbieten und würde so wunderbar zu dem Ergebnis kommen, dass es sich hier um eine Querschnittsmaterie handelt und sich eigentlich alle MitarbeiterInnen mit dem Thema Social Media befassen sollten.

Am zweiten Tag hatte ich dann die Qual der Wahl und musste mich zwischen den verschiedenen Sessions entscheiden. Wibke Ladwig und Harald Link schlugen vor, gemeinsam eine Bloggingplattform einzurichten, um die Blogs im Kunst- und Kulturbereich unter ein Dach zu bringen und sie so zu stärken. Diese Idee wurde schon vor zwei Jahren diskutiert, aber dann nicht weiter verfolgt. In meinen Augen würde das vor allem den Blogs zugute kommen, die auf Grund fehlender Ressourcen nicht ausreichend Sichtbarkeit erhalten und so nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie eigentlich verdienen.

Mit Markus Kucborski erarbeiteten wir dann die Vor- und Nachteile eines digitalen Ortes. Konkret ging es um die Frage, ob es Sinn macht, zum Beispiel ein Museum mit WLAN auszustatten und dann daraus entstehenden Formen der Vernetzung zu nutzen. Hintergund dieser Idee ist ein Angebot von Facebook, ein WLAN einzurichten, für das sich die BesucherInnen dann über ihren Account anmelden. Das heißt, es handelt sich nicht einfach um ein Stück Infrastruktur, sondern geht weit darüber hinaus in Richtung Community-Building. Ich selbst habe mich noch mit dem Thema Hashtags beschäftigt, bevor der Tag dann leider viel zu früh schon wieder zu Ende ging.

Die beiden Veranstaltungen haben gezeigt, dass diese persönlichen Begegnungen wichtig sind, denn es sind die Gespräche, in denen sich Ideen entwickeln, Fragen klären und vor allem Kontakte knüpfen lassen. Deshalb freue ich mich auch, dass es bereits Ende August ein stARTcamp in Wien gibt, bevor dann Köln an der Reihe ist. So haben sich aus der stARTconference heraus mittlerweile lauter kleine Inseln entwickelt, deren Zahl hoffentlich immer weiter zunimmt. Mit etwas Glück wird es 2014 auch ein erstes stARTcamp in der Schweiz geben und auch sonst freuen wir uns über weitere Vorschläge.

Microblogging
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Leadership durch Microblogging: Hier twittert der Chef

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Microblogging
© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wenn wir von Social Media in Kultureinrichtungen sprechen, geht es uns meist um die externe Kommunikation. Die Aussicht, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und neue KundInnen bzw. im Kulturbereich BesucherInnen zu gewinnen, ist verlockend. So toll die Konzepte und Strategien dann aussehen, meist gelingt es nicht, sie auch umzusetzen. Einer der Gründe: Die interne Kommunikation funktioniert immer noch nach den alten Regeln. Synergieeffekte bleiben so aus und die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Elan schnell nachlässt, ist groß.

Warum also nicht auch intern auf Social Media setzen und zum Beispiel in der internen Kommunikation auf ein Microblogging-Tool setzen? Zu den Vorreitern gehört Yammer, das 2008 als Microblogging-Dienst startete und heute firmeninterne soziale Netzwerke anbietet. Im letzten Jahr wurde das Unternehmen von Microsoft übernommen, das gerade dabei ist, das Angebot in seine Cloud-Dienste zu integrieren. Interne Microblogging-Dienste lassen sich auf die verschiedenste Weise nutzen, das Team des in Berlin ansässigen Enterprise-Microblogging-Dienst swabr hat in einem Blogpost 20 Anwendungsfälle zusammengefasst.

Meist geht es dabei – die Beispiele in dem Beitrag zeigen es – um die interne Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen. Einen Schritt weiter geht Mike Strand in seinem bereits 2010 verfassten Blogpost “Micro-Leadership Through Enterprise Microblogging: A Modern View On Managing Bureaucracy“, in dem er von den Führungskräften fordert, Microblogging auch als ein Instrument im Bereich Leadership einzusetzen.

Bei der Nutzung von Microsofts internem Microblogging-Dienst fiel ihm auf, dass die Führungskräfte dort zwar angemeldet waren, aber nie etwas veröffentlichten. Einige von ihnen, so berichtet er, hatten mehrere 1.000 Follower und ohne ihr Zutun stieg die Zahl ihrer Follower immer weiter an. Strand führt dies darauf zurück, dass die MitarbeiterInnen an der Kommunikation mit ihren Führungskräften interessiert sind und gerne deren Meinungen und Ansichten erfahren würden. Für Strand ist das eine verpasste Chance, denn die direkte Kommunikation kann auch dazu führen, über die Information hinaus die Motivation der MitarbeiterInnen zu erhöhen.

Strand möchte den Führungskräften gar nicht vorwerfen, sie würden nicht mit ihren MitarbeiterInnen kommunizieren. Natürlich teilen sie ihre Ansichten und Visionen mit ihren Angestellten. Allerdings nutzen sie dafür meist die Email. Und oft werden die EmpfängerInnen darin aufgefordert, ihre Meinungen kund zu tun und Vorschläge zu machen, was man besser machen könnte. Den Erfolg solcher Aufrufe kennen wir alle, nur die wenigsten werden dieser “Einladung” folgen, was für Strand bedeutet:

“An over-reliance on email may be a missed leadership opportunity within enterprises because email does not naturally lend itself to interaction, conversation, and action.”

Da die Anzahl der Zeichen beim Microblogging begrenzt ist, lassen sich natürlich nur kurze Statements veröffentlichen. Strand glaubt aber dennoch, dass sich auf diese Weise Visionen vermitteln und MitarbeiterInnen motivieren lassen. Micro-Leadership nennt er seinen Ansatz und bringt dafür Beispiele, wie das seiner Ansicht nach aussehen könnte. So lassen sich etwa auf diese Weise Teams, die nicht vor Ort arbeiten, sehr viel leichter erreichen als etwa über Videokonferenzen. Viel wichtiger ist aber, so denke ich, das, was Strand als “share the leadership mindset” beschreibt. Führungskräfte beschäftigen sich ausführlich damit, ihr Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten und die geeigneten Maßnahmen und Strategien zu entwickeln. Leider fehlt ihnen meist die Zeit, um ihr erworbenes Wissen weiterzugeben, schreibt Strand, zumindest in Form von Links, wenn die Zeit nicht reicht.

Aber auch die anderen Vorschläge, die Strand macht, passen gut in jedes Unternehmen bzw. in jeden Kulturbetrieb. “Leading begins with listening” schreibt Strand beispielsweise und fordert Führungskräfte auf, sich mit den veröffentlichten Inhalten zu beschäftigen. Statt eine unternehmensweite Befragung der MitarbeiterInnen zu starten, sollten sie sie einfach um Feedback über den Microblogging-Kanal bitten.

So ganz neu ist dieses Thema nicht, große Unternehmen wie Siemens nutzen solche Kanäle schon seit Jahren und auch Mike Strand weist in seinem Beitrag auf Beispiele hin. Für den Kunst- und Kulturbereich ist dieses Thema aber noch sehr neu. So neu, dass die meisten Twitter noch nicht mal für die externe Kommunikation einsetzen.

Es wird Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn der interne Einsatz sozialer Technologien garantiert zwar nicht den Erfolg in der externen Kommunikation. Aber er erhöht die Erfolgsaussichten und verspricht Synergieeffekte. Wenn die MitarbeiterInnen intern mit Hilfe eines Microblogging-Dienstes kommunizieren, muss man ihnen zumindest nicht den Sinn und Zweck von Twitter erklären. Schon das wäre ein erster wichtiger Schritt.

Stopp-Uhr
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Über Social Media, fehlende Zeit und ein Geheimnis

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Stopp-Uhr
© Gerd Altmann/clock:nemo ; Pixelio

“Ich würde ja gerne sehr viel mehr auf all den Plattformen machen, aber mir fehlt dafür leider die Zeit.” Diesen Satz habe ich letzte Woche in leicht abgewandelter Form einige Male gehört und ich kann ihn gut verstehen. Mein letzter Blogbeitrag ist vor zwei Wochen erschienen, nicht ganz ideal, um erfolgreich Social Media zu betreiben. Aber ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis: Mir ist bis jetzt noch niemand begegnet, der sie hat, diese Zeit. Sie brauchen also nicht beunruhigt zu sein, es ist kein Problem, das nur Sie alleine haben. ;-)

Und wie gehen wir nun damit um, mit dieser fehlenden Zeit? Am besten, wir halten uns mit dieser Frage gar nicht lange auf, sondern schauen uns ein paar erfolgreiche Beispiele an, entwickeln anschließend eine Social Media-Strategie und setzen die dann um. 30 Minuten pro Tag müssen dafür reichen, mehr haben wir einfach nicht. So kann man das natürlich machen, vor allem wenn Sie etwas anzubieten haben, was alle brauchen und suchen. Das ist der Ansatz des Inbound-Marketing, demzufolge wir wertvolle Inhalte generieren, die unsere potenziellen Zielgruppen suchen und dann im Idealfall bei uns finden.

Wie gesagt: Wenn Sie etwas anzubieten haben, was heiß begehrt ist, dann geht ihr Konzept unter Umständen auf. Der Kunst- und Kulturbereich hat da ein Problem, denn wir können noch so tolle Inhalte produzieren, aber wer garantiert mir, dass sie auch gesucht werden? Vermutlich niemand, aber sucht sie keiner, klappt das mit dem Inbound- oder auch dem Content-Marketing nicht.

Das ist schlecht, denn wenn unsere Inhalte für niemanden relevant sind, dann werden unsere Konzepte, pardon, Strategien nie aufgehen. Viele Menschen interessieren sich grundsätzlich für Kunst und Kultur, aber es sind andere Inhalte, die für sie relevant sind. Die Frage lautet also: Wie schaffe ich es, dass meine Inhalte für die vielen UserInnen, die ein grundsätzliches Interesse an Kunst und Kultur haben, relevanter werden?

Mahendra Palsule hat vor gut zwei Jahren in seinem Artikel “The Age of Relevance” beschrieben, wie sich unser Umgang mit Informationen verändert (siehe dazu mein Blogpost “Relevanz als Schlüsselbegriff in der digitalen Welt“) und es nicht mehr nur um das einfache Teilen von Inhalten geht, sondern um die Entwicklung von Angeboten, die personalisierte und relevante Informationen zur Verfügung stellen. Auf der vierten und letzten Entwicklungsstufe auf diesem Weg dorthin spielt “personalized serendipity” eine wichtige Rolle. “Serendipity”, dahinter verbirgt sich kein Zufallstreffer, sondern etwas, was Jeff Jarvis als “unerwartete Relevanz” bezeichnet.

Ein Grundinteresse muss vorhanden sein, sonst verpufft die Informationen. Ich glaube, dieser Aspekt der unerwarteten Relevanz spielt für den Kunst- und Kulturbereich eine ganz große, bis jetzt unterschätzte Rolle. Millionen von UserInnen warten nicht verzweifelt auf hochwertigen Content aus diesem Bereich, sondern haben lediglich Interesse daran, das es zu wecken gilt. Und weil die Relevanz für die meisten gering ist, suchen sie es nicht aktiv. Palsule verweist in seinem Artikel auf verschiedene Tools, die mich als UserIn dabei unterstützen, Inhalte zu entdecken, die dann plötzlich relevant werden. Aber auch hier müssen die UserInnen von sich aus aktiv werden und unerwartete Relevanz zulassen.

Was aber kann eine Kultureinrichtung tun, um für unerwartete Relevanz zu sorgen? Genau das, was wir auch schon vor den Zeiten des Internets getan haben, nämlich Menschen für unsere Angebote zu begeistern, damit sie für sie relevant werden. Erst wenn sie dann im nächsten Schritt mehr darüber wissen wollen, werden unsere Inhalte für sie relevant beziehungsweise wertvoll. “Märkte sind Gespräche” lautet gleich die erste der insgesamt 95 Thesen des Cluetrain-Manifests.

Gespräche sind die Vorbedingung für alle Konzepte, Programme und Strategien. Kerstin Hoffmann hat vor einigen Tagen einen Beitrag über die fehlende Zeit für das Networking in Social Media veröffentlicht. Die Vorteile, die sie darin beschreibt, sind nicht zu leugnen. Aber mir fehlt der Aspekt der Relevanz. Dass ich mit geteilten Inhalten mehr Menschen erreiche und damit eine größere Reichweite erziele, ist klar. Aber wie viele Informationen ziehen an uns jeden Tag vorüber, die verpuffen, weil sie für uns nicht relevant sind?

Relevanz zu erzeugen, damit unsere Social Media-Aktivitäten etwas bringen, dafür braucht es im ersten Schritt nicht viel: Die Freude am Gespräch und die Begeisterung für die eigene Sache. Wenn Sie sich zurückerinnern, wird Ihnen vielleicht auffallen, dass es sehr häufig andere Menschen sind, die uns mit ihrer Begeisterung angesteckt und neugierig gemacht haben. Und erst dann haben wir die Suchmaschine angeworfen und mit der Suche nach mehr Inhalten begonnen. Aber wenn niemand nach Ihnen sucht, können Sie nie an erster Stelle im Suchmaschinenranking stehen und all Ihre Aktivitäten, für die Sie Ihre Zeit verwenden, – die Sie dann für Social Media nicht mehr haben – sind mehr oder weniger nutzlos.

Überflüssige Zeit haben wir, wie gesagt, alle nicht. Daher müssen wir Prioritäten setzen, eine Entscheidung, die uns (leider) niemand abnehmen kann. Aber sich Zeit für Gespräche zu nehmen, ist in meinen Augen eine kluge Investition. Probieren Sie es aus. ;-)