Wikis: die Arbeit beginnt erst danach
Vielleicht gehören Sie ja auch zu denen, die sich schon mal an einem Forum oder einem Weblog versucht haben. Sie haben darüber gelesen, wie toll das alles ist und nachdem sich die Kosten in Grenzen halten, haben Sie es halt mal ausprobiert. Installiert ist so was sehr schnell, aber dann…
Da ist also Ihr Forum online und kein Mensch diskutiert. Dabei haben Sie doch extra darauf hingewiesen, dass hier diskutiert werden soll. Und ein paar provokante Inputs haben Sie auch gegeben.
Bei Weblogs verhält es sich ähnlich. So ein paar Zeilen sind schnell geschrieben. Aber nach der ersten Euphorie hat man dann auch andere Dinge zu tun und außerdem funktioniert das mit der Verlinkung überhaupt nicht, von den Kommentaren, die da auftauchen sollten, ganz zu schweigen.
So ähnlich verhält es sich auch mit Wikis. Was das ist und wozu sie verwendet werden können, gerade im Kunst- und Kulturbereich, darüber hat Karin Janner im Kulturmarketing Blog einen höchst informativen und umfassenden Beitrag geschrieben. Auch hier gilt: so ein Ding ist schnell ins Leben gerufen (kostenlos und webbasiert zum Beispiel hier und hier).
Aber auch hier taucht das Problem auf: wie bringe ich so ein Wiki zum Laufen. Ich habe selbst vor mehr als einem Jahr hier im Blog das Förderwiki angekündigt, in dem Links zu verschiedenen Förderstellen zu finden sind. Die Idee dahinter war, und das ist die Idee aller Wikis, dass möglichst viele Menschen ihr Wissen zusammen tragen und es anderen zur Verfügung stellen. Nachdem die öffentlichen Fördertöpfe ja im Kunst- und Kulturbereich nicht so ganz unwichtig sind, bietet sich da ein kollaboratives Instrument wie ein Wiki eigentlich an. Funktioniert hat es aber nicht wirklich. Warum?
Weil ich genau das gemacht habe, was die meisten machen: ich habe das Wiki eingerichtet, mit Inhalten versehen und dann darauf gewartet, dass was passiert. Viel ist aber nicht passiert, denn ich habe all das vernachlässigt, was danach passieren muss. Und ich habe nicht bedacht, dass Wikis für die allermeisten etwas ganz neues sind, womit sie sich erst vertraut machen müssen.
Maish Nichani hat auf PebbleRoad einen ganz gutes Blogpost dazu verfasst, indem er darauf hinweist, dass ein Wiki nicht nur geplant und eingerichtet, sondern eben auch betreut werden muss. Denn:
“There are many who jump start wiki-based collaboration projects by directly setting up the wiki and inviting others to contribute. While this might work for groups where the wiki concept is already well-grounded, our experience tells us that this approach does not work for groups that are new to the concept of collaboration, let alone wiki-based collaboration. Hence the need for some guidance and structure.”
Daher geht es in einem ersten Schritt darum, den Umgang mit einem Wiki zu lernen. Wie schreibt man darin, was schreibt man darin und welche Möglichkeiten der Darstellung gibt es? Brigitte Reiser, die das Blog Nonprofits-vernetzt.de betreibt, hat in einem Kommentar zu Karins Wiki-Beitrag einen sehr guten Vorschlag gemacht. Sie meint:
“Um Erfahrungen mit Wikis zu sammeln, macht es Sinn, sich ein persönliches Wiki aufzusetzen, um mit diesem Format zu üben. Über diesen persönlichen Weg kann man auch Mitarbeiter, die von Wikis noch nie gehört haben, eher für diese Anwendung gewinnen.”
Ich finde diese Idee ziemlich gut, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich genau auf diese Weise gelernt, mit Wikis umzugehen und sie entsprechend meinen Bedürfnissen zu nutzen. Ich habe zwei längere Artikel nicht mit Hilfe von Word oder einer anderen Textverarbeitung geschrieben, sondern ein Wiki genutzt. Ich verwende außerdem ein Wiki, um Links zu sammeln und mir gleich ein paar Notizen dazu zu machen. Da stoße ich mit del.icio.us, Diigo oder Mister Wong doch an Grenzen. Ein weiterer Vorteil: diese Wikis bekommt kein Mensch zu sehen und darin kann ich ausprobieren und schreiben was ich will.
Versuchen Sie es doch einfach mal aus. Eingerichtet ist so ein Wiki, wie gesagt, sehr schnell. Sie müssen sich allerdings überlegen, wofür Sie es dann verwenden. Linksammlung, Zettelkasten, Recherchetool, alles ist möglich.
Karin Janner hat vorgeschlagen, ein Wiki zum Thema Kulturmanagement einzurichten. Eine gute Idee, es wäre der nächste Schritt, heraus aus der Privatheit in die Öffentlichkeit, denn das würde bedeuten, jede/r kann mitschreiben. Das gilt übrigens auch für das Förderwiki. Es ist natürlich immer noch online und enthält viele Links zu Förderstellen. Ich werde es in der nächsten Zeit wieder verstärkt nutzen und daran arbeiten, daraus ein kollaboratives Tool oder Angebot zu machen. Sie sind herzlich eingeladen.
Und falls Sie selbst in Ihrer Organisation ein Wiki einrichten möchten, hilft Ihnen unter Umständen diese Checkliste weiter.
Einfach nur ein tolles Tanzvideo
Wie überzeugt man jemanden, dass das Internet mit seinen Weblogs, Social Networks und all den anderen Tools etwas ist, was nicht nur toll, sondern auch nützlich ist? Ich kann Sie unzählige Male beschwören, sich in Netzwerken anzumelden oder Ihnen vorschwärmen, wie sinnvoll Wikis für die Zusammenarbeit sind. Aber kann ich Sie damit überzeugen? Wahrscheinlich nicht. Am besten, ich versuche es gar nicht und erzähle Ihnen stattdessen ein Erlebnis.
Wenn man ein Weblog betreibt, dann sieht man ja immer, von welchen Seiten Links hierher gesetzt werden und woher die BesucherInnen kommen. Vor einigen Tagen tauchte als Referrer das Webmedia Lernblog auf, in dem ein Beitrag auf mein Blog hier verwies. Über einen Link hierher freue ich mich natürlich immer, daher hinterließ ich dort auch einen Kommentar.
Heute nun habe ich mit Jürgen Christ, der dieses Lernblog betreibt, ein paar Nachrichten auf Xing ausgetauscht. Anlass war mein gestriger Beitrag über die Xing Statusmeldung. Ein netter Zufall.
Und wir haben nicht nur ein paar Nachrichten ausgetauscht, sondern uns, wie es sich bei Xing gehört, als Kontakte verbunden. Aber damit nicht genug, wir twittern nämlich auch beide und so können wir uns auch auf diesem Kanal austauschen. Und das war die aktuellste Kurznachricht:
Klingt doch spannend, oder? Daher habe ich den Link gleich mal angeklickt und kann die kurze Nachricht bestätigen:
“One of the best global arts projects i’ve ever seen: simple, emotional, focussing: Where the Hell is Matt?”
Aber urteilen Sie selbst (Vorsicht, der Song hat Ohrwurmqualität!):
Würden Jürgen Christ und ich nicht bloggen, “xingen” und twittern, Sie und ich wären nie in den Genuss dieses Videos gekommen. Ach ja, wenn Sie mehr zu “Matt” wissen wollen. Natürlich gibt es auch eine Website dazu. Und die Moral von der Geschichte… nein, das wollte ich ja bleiben lassen. Viel Spaß ![]()
Xing: nutzen Sie doch mal die Statusmeldung
Als vor einiger Zeit Xing auf die Idee kam, mich auf der Startseite über Neuigkeiten aus meinem Netzwerk zu informieren, wusste ich im ersten Moment nicht viel damit anzufangen. Da tauchten in erster Linie Meldungen darüber auf, wer gerade welcher Gruppe beigetreten war oder wer wen als neuen Kontakt hinzugefügt hat.
Als ich aber kurz darauf in mein Profil eine neue Information eingab, merkte ich, dass sich die Zugriffe auf mein Profil schlagartig erhöhten. Nachdem man als Premiummitglied auch sieht, was der Anlass dafür ist, konnte ich erkennen, dass die Änderung im Profil der Anlass dafür war.
Das heißt, die Neuigkeiten aus dem Netzwerk werden wahrgenommen und lösen häufig eine Reaktion, nämlich den Klick auf das Profil aus. Nun macht es wenig Sinn, permanent in den Kategorien “ich suche” oder “ich biete” Änderungen vorzunehmen.
Interessant ist aber die Statusmeldung. Sie bietet Ihnen die Möglichkeit, alle paar Tage oder auch jeden Tag Ihre Kontakte anzusprechen und mit einer Kurzinformation zu versorgen. Und Ihre Kontakte werden automatisch im Bereich Neues aus meinem Netzwerk informiert.
Jetzt müssen Sie sich nur noch überlegen, was Sie Ihren Kontakten mitzuteilen haben. Das kann beispielsweise der Hinweis auf die nächste Premiere oder den Beginn des Kartenvorverkaufs sein. Oder Sie informieren über Neuigkeiten aus der Branche bzw. Ihren neuesten Blogeintrag.
Wenn Sie sich den Screenshot anschauen, sehen Sie, dass ich gerade auf ein Online-Seminar hingewiesen habe. Ihrer Phantasie sind also eigentlich keine Grenzen gesetzt.
Probieren Sie es aus, ich bin gespannt, welche Ideen Ihnen dazu einfallen. Übrigens freue ich mich, wenn Sie mich in Ihre Xing-Kontaktliste aufnehmen. Und wenn Sie wissen wollen, was gerade in meiner Statusmeldung steht, klicken Sie mein Xing-Profil an.
Update: vielen Dank für die netten Reaktionen auf meine heutige Statusmeldung ![]()
Ein erstes Artcamp in Hamburg?
Auf dem Kulturmarketing Blog hat Karin Janner auf das erste Artcamp hingewiesen, das voraussichtlich im September in Hamburg stattfinden wird. Den Link mit weiteren Informationen hat sie auch gleich mitgeliefert, vielen Dank.
Mich würde das unheimlich freuen, wenn in rund drei Monaten das erste Artcamp über die Bühne gehen kann. “Kunst und web2.0 - Berührungspunkte und Unpunkte der Berührung”, ist das Motto der Veranstaltung, das jede Menge inhaltlicher Freiräume bietet. Auf diese Weise erlaubt das Artcamp ein Zusammenkommen all derer, die sich im Kunst- und Kulturbereich mit dem Thema Web2.0 beschäftigen bzw. sich dafür interessieren.
Was ist ein Artcamp? Abgeleitet ist dieser Begriff vom Barcamp. Darunter versteht man laut Wikipedia offene, partizipative Veranstaltungen, “deren Ablauf und Inhalte von den Teilnehmern bestimmt werden”. Wer was vorträgt wird also von den TeilnehmerInnen erst vor Ort bestimmt, was ursprünglich bedeutete, dass jede/r in der Lage sein musste, etwas zu einem Thema zu erzählen. Dieses Prinzip ist mittlerweile aufgeweicht worden, man kann auch ohne eine fertige Präsentation an einem Barcamp teilnehmen.
Aber es ist schon noch immer so, dass ein Barcamp von der aktiven Teilnahme aller lebt.
Jetzt hoffe ich, dass der Termin möglichst bald bekannt gegeben wird. Falls Sie nichts verpassen wollen, gehen Sie doch einfach auf die Startseite des Artcamps und melden sich dort an. Ich bin schon dabei.
Der Kampf gegen die Informationsflut
Wie war das noch in den Anfangszeiten des Internets. Die meiste Zeit war man offline und arbeitete am PC und nach einer gewissen Zeit warf man dann das Modem an, wählte sich ins Internet und schaute, ob neue Mails eingelangt waren. Heute sieht das etwas anders aus: Menschen, die am PC arbeiten, checken mehr als 50 Mal ihre Mailbox, nutzen 77 Mal den Instant Messenger und besuchen mehr als 40 Websites. Diese Zahlen hat Sarah Perez für ihren Beitrag Info Overload auf ReadWriteWeb einer Studie des Forschungsunternehmens Basex entnommen.
Der Umgang mit all diesen Tools führt zu einem Produktivitätsverlust, durch den ein Schaden von rund 650 Mrd. Dollar entsteht. Entstanden ist er durch die Nutzung der Tools, die eigentlich unsere Produktivität verbessern sollten. Nur die wenigsten widerstehen der Versuchung, die eingegangene Email sofort zu lesen. Schließlich könnte sie ja wichtig sein.
Mit jedem Kommunikationstool wächst die Herausforderung, nicht völlig von ihnen vereinnahmt werden. Da haben wir die Social Networks wie Xing oder Facebook, Blogs, die wir entweder selbst betreiben oder lesen oder Skype. Neu hinzugekommen sind in letzter Zeit noch Twitter und Friendfeed, zwei Angebote, die auf der einen Seite sehr nützlich sein können, auf der anderen aber wahre Zeitfresser sein können.
Jetzt habe ich aber nur Beispiele aus der Welt des WWW gebracht. Außerdem lesen wir Tageszeitungen, Fachzeitschriften, gehen zu Veranstaltungen und treffen andere Menschen. Überall saugen wir Informationen auf, mit denen wir in irgendeiner Form umgehen müssen.
Bezogen auf das Internet beschreibt Sarah Perez unsere gegenwärtige Situation recht treffend:
“It seems we’re at a crossroads - there’s so much information, but not enough filters. We can either drown in the lost productivity time sink that is the internet or we can swim…swim for our lives. The question is: how?”
Ein häufig anzutreffender Ansatz ist es, Routinen, also feste Regeln zu entwickeln, die es uns ermöglichen, mit der Informationsmenge klar zu kommen. Manchen fällt es leichter, diese festen Abläufe zu entwickeln und dann auch einzuhalten, anderen fällt es schwerer. Manche behelfen sich damit, dass sie die Verbindung zum Internet kappen, andere sind so diszipliniert, dass das kein Thema für sie ist. Ob angeboren oder erlernt, wir alle benötigen Strukturen, um uns in der Welt der Informationen zurecht zu finden.
Nicht alle von uns sind Multitasker wie Louis Gray, der kein Problem damit hat, neben seiner Arbeit auch noch den Fernseher laufen zu lassen. Ich zum Beispiel schaffe das nicht. Wenn ich mich konzentrieren muss, dann läuft bei mir kein Twitter oder Friendfeed. Und die Email werden eh nur noch alle paar Stunden abgerufen. Manche nutzen dann noch Programm wie Darkroom, um beim Schreiben nicht abgelenkt zu werden, aber das ist dann doch zumindest für mich zu viel des Guten.
Aber ich kann mich natürlich nicht ständig “einsperren” und bin auch nicht davon überzeugt, dass das sinnvoll ist. Perez hat Recht, wenn sie fordert, dass wir lernen müssen, mit der Ablenkung umzugehen. Wir alle fanden es toll, als mit dem Internet das starre Prinzip der Linearität aufgehoben wurde. Aber nun gilt es auch für uns, einen Modus dafür zu finden. Ein schönes Beispiel ist der Umgang mit Friendfeed. Dort erfahre ich nicht nur, was meine “Freunde” von sich geben, sondern gleichzeitig auch deren Freunde.
Wer hier versucht, Informationen chronologisch und systematisch abzuarbeiten, der wird scheitern. Nicht ohne Grund bezeichnen viele das, was über Twitter, Friendfeed oder ähnliche Kanäle kommuniziert wird, als ein “Grundrauschen”. Manches davon nehme ich wahr, anderes rauscht an mir vorüber. Dieses Rauschen ist aber in meinen Augen wichtig, denn wenn ich an einer bestimmten Stelle genauer hinhöre, kann ich wertvolle Informationen und Anregungen erhalten.
Das heißt, wir müssen Systeme entwickeln, um den größtmöglichen Nutzen aus diesem ständigen Informationsfluss ziehen zu können. Das Managen von Informationen wird mehr und mehr zu einer Schlüsselkompetenz. Nur wie kann das funktionieren?
“Create your own filters”,
schlägt Perez vor. Diese Filter können technischer Art sein, indem ich eben nur zu bestimmten Zeiten meine Emails oder die RSS-Feeds lese. Eine andere Möglichkeit ist es, sich auf andere Menschen zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass sie die wichtigsten und interessantesten Informationen zu bestimmten Themen finden. Der Begriff des “digital curator” gefällt mir in dieser Hinsicht sehr gut.
Das bedeutet, hier werden neue Dienstleistungen entstehen, die mir zu den Informationen verhelfen, die ich auch wirklich benötige. Derzeit befinden wir uns in einer Experimentierphase und niemand weiß, wozu diese ganzen Kanäle wirklich gut sind. Vielleicht lachen wir in ein paar Jahren über unsere Versuche, uns über die diversen Kanäle auszutauschen?
Aber ganz ehrlich: es macht schon Spaß, diese Tools einzusetzen und sich mit Menschen auszutauschen, die man sonst nie kennenlernen würde.
Schreiben will gelernt sein
So ein Blatt Papier kann ja schon verdammt weiß sein, wenn man es so anstarrt und eigentlich mit Sätzen füllen sollte. Schreibhemmung, Schreibblockade, wie auch immer man das nennen mag. Es ist auf alle Fälle kein gutes Gefühl, wenn man vor dem Papier sitzt und einem zu dem, worüber man etwas schreiben sollte, nichts einfällt.
In so einer Situation zu behaupten, man sei halt nicht begabt, gelte nicht, denn Schreiben sei keine Kunst, sondern ein Handwerk, meint Peter Giesecke. Und nachdem man ein Handwerk erlernen kann, hat er auf dem Imgriff-Blog einen zweiteiligen Beitrag verfasst, indem er erklärt, wie man an das Schreiben von texten heran geht.
Die ganzen guten Ratschläge, wie man anfängt, kennen wir ja alle. Leerer Schreibtisch, gefüllter Kühlschrank und was es da nicht alles gibt. Ich weiß nur: nie war meine Wohnung sauberer als in meiner Zeit als Student, wenn ich ein Referat zu schreiben hatte. Andere machen ich weiß nicht was, bei mir waren es Staubsauger & Co.
Giesecke stellt im ersten Teil seines Beitrags “Schreiben ist Handwerk” fest, dass das zwar alles ganz nützliche Vorschläge seien, um die entsprechenden Rahmenbedingungen für das Schreiben zu schaffen. Aber:
“Wie man das Schreiben tatsächlich beginnt, das sagt kaum ein Ratschlag”,
stellt er fest. Deshalb lohnt es sich auch, seinen Beitrag zu lesen. Nicht nur Teil 1, sondern natürlich auch Teil 2, in dem er richtigerweise anmerkt, dass schöne Formulierungen die Kür, aber nicht Pflicht seien.
Eine Anmerkung dazu. Giesecke empfiehlt, für die Textarbeit einen einfachen Texteditor zu verwenden. Das mache ich auch, wenn ich nicht an Texten arbeite, die mit dem Internet zu tun haben und wo es immer wieder notwendig ist, Links zu notieren. In so einem Fall verwende ich ein Wiki, allerdings ist das dann nur für mich offen. Zumindest bis der Text fertig ist.
Ansonsten kann ich nur sagen: danke, Peter Giesecke für diese beiden äußerst hilfreichen Blogposts und allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Schreiben des nächsten Textes. ![]()
Social Networking im Kunst- und Kulturbereich: worauf warten wir eigentlich?
Ich habe an dieser Stelle ja schon des öfteren festgestellt, dass der Kunst- und Kulturbereich den ganzen Web2.0-Kram noch nicht wirklich nutzt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Karin Janner in ihrem Beitrag “Social Network als Freundeskreis eines Kulturangebotes?” auch. Ob Förderverein oder Freundeskreis, sie alle hätten das Web2.0 noch nicht entdeckt, schreibt sie.
Und Jennifer Hoffmann bringt auf ihrem Blog gleich ein sehr schönes Beispiel, wie man so ein Social Network für ein Volunteer Programm nutzen könnte. Aber auch sie stellt fest, dass Communities im Kultursektor noch eine rare Spezies sind. Wenn man sich die diversen Foren und Gruppen anschaut, wenn man nachforscht, wer aus dem Bereich Kulturmanagement das Internet oder vielleicht sogar das Web2.0 für seine Zwecke nutzt, dann wird man feststellen können, dass KulturmanagerInnen in dieser Hinsicht eher zurückhaltend sind.
Was bedeutet das nun? Sind KulturmanagerInnen besonders technologiefeindlich oder konservativ? Gibt es Gründe, warum sie sich dem “Fortschritt” verweigern oder sind sie einfach nur starrköpfig und lassen sich nicht sagen, was gut für sie ist? Ich glaube, keiner dieser Punkte trifft zu. Vielleicht kann man das ganze sogar umdrehen und behaupten, dass es diejenigen, die sich im Bereich der Social Media bewegen, noch nicht geschafft haben, die richtigen Angebote für den Kunst- und Kulturbereich zu entwickeln. Das ist jetzt natürlich etwas übertrieben, denn es ist ja nicht so, dass wir alle einen großen Bogen um das WWW machen.
Gehen wir noch mal einen Schritt zurück. Das Web2.0 ist ja deshalb so toll, heißt es, weil hier die UserInnen die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen. Im Hinblick auf neue Produkte und Dienstleistungen bedeutet das, dass Unternehmen die Möglichkeit haben, diese im direkten Dialog mit ihren (potenziellen) KundInnen zu entwickeln. Vereinfacht gesagt: du sagst mir, was Du brauchst und ich biete Dir das dann an. Und wenn Du bei der Entwicklung bzw. der Produktion noch mitmachst, dann sprechen wir schon von Crowdsourcing.
Jetzt spiele ich also auf der Klaviatur des Web2.0, mache mich mit Blogs, Wikis, Social Networks und Twitter vertraut und stelle fest, dass sich da ganz nette Sachen mit machen lassen. Super, nur die bösen Anderen wollen nicht erkennen, wie toll das Web2.0 ist. Stimmt, aber ist es nicht meine Aufgabe, den Kunst- und Kulturbereich davon zu überzeugen, welchen Nutzen RSS, ein Blog oder die Teilnahme an einer Community bringen?
Bleiben wir bei den Communities: ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es in den letzten Jahren üblich war, zu jedem Projekt die dazugehörige Internetplattform anzubieten. Ich kann mich erinnern, in einem - zugegeben europäischen - Projekt sogar zwei gehabt zu haben. Wozu ist eine solche Plattform da? Klar, für das Networking oder Communitybuilding. Damit wissen wir, wozu die Plattform oder das Forum da ist. Was wir aber noch nicht beantwortet haben ist die Frage, warum es das Netzwerk oder die Community gibt?
Nun kann ich natürlich als Gründer einer solchen Community hergehen und sagen: ok, in meinem Netzwerk soll es um das Networking und den Austausch von Informationen gehen. Das sagen eigentlich alle, nur was sagen die potenziellen NutzerInnen dieser Community? Was haben die davon? Brauchen die diese neue Plattform, um sich zu vernetzen und gegenseitig mit Informationen zu versorgen?
Wenn es dort nicht etwas gibt, was es woanders nicht gibt, dann ist eine solche Plattform überflüssig. Networking ist etwas, was es schon seit ewigen Zeiten gibt. Genau aus diesem Grund sind ja eigentlich die von Karin angesprochenen Freundeskreise und Fördervereine entstanden. Und die haben bis jetzt Mittel und Wege gefunden, um sich “zu vernetzen” und auszutauschen. Nur haben sie dafür das Internet nicht gebraucht. Wenn ich die Mitglieder eines solchen Vereins davon überzeugen will, dass das Web2.0 gut für sie ist, dann muss ich mir jedes einzelne Mitglied schnappen und ihm zeigen, welche Tätigkeit ihm durch den Einsatz eines bestimmten Tools leichter von der Hand geht. Zum Beispiel Termine koordinieren mit Doodle. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begeistert von diesem kleinen Werkzeug war. Das ist schon Online-Zusammenarbeit.
Und auch die Netzwerke gibt es schon. Ich habe über dieses Blog viele KulturmanagerInnen kennen gelernt und wenn ich eine Frage habe, dann weiß ich, wen ich fragen kann. Um sie zu fragen, kann ich das Internet weiter nutzen, ich kann eine Email schicken, mit ihnen chatten oder sie mit Hilfe von Skype anrufen. Ich kann aber auch, und das ist sehr häufig der Fall, das Internet verlassen und mich mit diesen Menschen, von denen ich etwas wissen möchte, treffen. Im Cafehaus, auf der monatlichen Sitzung, wo auch immer.
Denn wir dürfen nicht vergessen, dass das Networking sich nicht auf das Internet beschränkt. Plattformen und Foren sind nur eine Möglichkeit, sich zu vernetzen. Und niemand ist verpflichtet, dafür nur das Internet zu nutzen. Dass die Bereitschaft, das Internet zu nutzen, sehr groß ist, zeigt mir das Forum von Kulturmanagement Network. Dort sind mittlerweile mehr als 22.000 UserInnen registriert. 22.000 UserInnen, die sich für Kulturmanagement interessieren und bereit waren, sich dort anzumelden. Man muss sich mal vorstellen, was das für ein Potenzial ist.
Von daher gibt es eigentlich keinen Grund, sich darüber zu beklagen, dass Communities im Kunst- und Kulturbereich nicht funktionieren. Ich denke, Offenheit und Interesse sind da, nun geht es darum, die entsprechenden Angebote zu entwickeln. Es liegt also an den Anbietern, nicht an den UserInnen, wenn in diesem Bereich (noch) tote Hose herrscht.
Sie müssen mein Weblog gar nicht besuchen
Letzte Woche bekam ich zu hören, dass es ganz schön aufwendig sei, mein Weblog zu lesen. Bei so vielen Beiträgen müsse man ja ständig auf meine Seite gehen und schauen, ob ich wieder einen neuen Beitrag geschrieben habe.
Ich muss gestehen, es ehrt mich ja schon, wenn sich jemand so viel Mühe macht, um hier die Blogposts zu lesen und ich möchte mich an dieser Stelle auch mal wieder bei allen bedanken, die das tun. Aber es liegt mir natürlich fern, meinen LeserInnen die Zeit zu stehlen, indem sie bei der Suche nach einem neuen Beitrag des öfteren auf diese Seite hier klicken. Und dann vielleicht auch noch enttäuscht sind, weil ich nichts geschrieben habe.
Daher möchte ich ganz gerne einen Hinweis wiederholen, den ich hier vor längerer Zeit schon mal deponiert habe: Sie müssen mein Weblog gar nicht unbedingt besuchen, ich komme auch gerne damit zu Ihnen.
Zum Beispiel per Email, wenn Sie das wollen. Jede Nacht gegen 3:00 Uhr erhalten Sie dann eine Mail, in der die Beiträge der letzten 24 Stunden zu lesen sind. Sie können sie also wie jede normale Email in Ihrer Mailbox lesen und sehen am Textende, ob es schon Kommentare dazu gibt. Falls welche vorhanden sind und Sie sie lesen wollen, müssen Sie dann die Seite anklicken. Aber erst dann und keine Sekunde früher. Und wenn Sie das Abo auflösen wollen, finden Sie am Ende jeder Mail den Link, um aus der Mailingliste zu verschwinden. In die Liste eintragen können Sie sich hier.
Variante 2 ist der RSS-Reader. Ob Sie Sage, eine kleine Erweiterung für den Firefox-Browser, den Feedreader oder zum Beispiel Netvibes nutzen wollen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Alle diese Angebote erleichtern Ihnen das Lesen von Websites, die über ein RSS-Format verfügen. Und das tut zumindest jedes Weblog, aber mittlerweile auch fast jede Online-Zeitung.
Sie sammeln die Feeds in Ihrem Feedreader und auf Knopfdruck werden alle von Ihnen abonnierten Feeds aktualisiert und Sie sehen sofort, auf welchen Seiten es neue Inhalte gibt. Vorbei sind also die Zeiten, wo Sie sich mühsam durch alle Seiten durchklicken müssen. Viele Feedreader finden die entsprechende URL mittlerweile selbst, ansonsten finden Sie hier Unterstützung.
Nun kann ich Ihnen ein ganz entspanntes Lesen der Blogbeiträge wünschen und wenn Sie Lust haben, kommentieren oder diskutieren Sie einfach mit. Darüber freue ich mich nämlich genauso wie über das Lesen. ![]()
Rotes Kreuz: ein schönes Beispiel für den Einsatz von Social Media
Bei Rex Hammock habe ich ein schönes Beispiel gefunden, wie sich all die Tools, die das Internet uns unter dem Stichwort Web2.0 anbietet, nutzen lassen. Leider ist es kein Kulturbetrieb, aber ich will nicht wählerisch sein.
Das Rote Kreuz in den USA engagiert sich derzeit in einigen amerikanischen Bundesstaaten, die von Hochwasser betroffen sind. Um die Öffentlichkeit und die Betroffenen (so das möglich ist) über die Maßnahmen des Roten Kreuz zu informieren, kommen derzeit verschiedene Social Media Tools zum Einsatz. Der Anlass könnte ein angenehmerer sein, aber anhand dieses Beispiels wird deren Zusammenspiel sehr deutlich. Schauen wir uns die einzelnen Tools einmal an:
- Weblog: Zentrale Anlaufstelle ist ein Weblog, das auf WordPress.com aufgesetzt worden ist, also der webbasierten Blogplattform. Der Vorteil: ein Weblog ist sehr schnell inkl. Domain eingerichtet, man muss sich nicht um die Software kümmern und kann innerhalb kürzester Zeit loslegen. Konzipiert ist das Weblog in diesem Fall als Online-Newsroom, das heißt, hier laufen alle Informationen zusammen.
- Fotoplattform: Das amerikanische Rote Kreuz nutzt die Fotoplattform Flickr, um dort Fotos und Videos von der Katastrophe zur Verfügung zu stellen. Fotos und Videos dokumentieren das ganze Geschehen, sprechen die Menschen an und lassen sich leicht in das Weblog einbinden. Wertvoll erscheint mir Rex Hammocks Hinweis, von der Fotoplattform auf das Weblog zu verweisen bzw. zu verlinken. Statt Flickr kann man bei uns unter anderem auch Sevenload nutzen.
- Google Maps: Mit Hilfe von Google Maps wird gezeigt, wo überall das Rote Kreuz aktuell im Einsatz ist. Die Karten lassen sich natürlich auch wieder in verschiedene Websites einbinden.
- RSS: Für jeden Bundesstaat wurde ein eigener RSS-Feed eingerichtet, so dass ich nur die Informationen erhalte, die für meinen Bundesstaat relevant sind. Abonnieren lassen sie sich über das Weblog.
- Slideshows: In Ergänzung zu den Fotos auf Flickr stellt das Rote Kreuz auch Slideshows zusammen, in diesem Fall wird die Plattform slide.com genutzt. Die aus Fotos bestehende Präsentation liefert eindrückliche Bilder und kann in Websites eingebunden werden.
- Videoplattform: Zum Einsatz kommt YouTube, die wohl bekannteste Videoplattform. Der Vorteil: einerseits lassen sich die Videos leicht in das WordPress-Blog einbinden. Zweitens stellt YouTube auch eine Möglichkeit dar, Menschen über den Einsatz des Roten Keuz zu informieren und auf das Weblog hinzuweisen.
- Podcast: Mit Hilfe von Utterz lassen sich Podcasts direkt in das Weblog, aber natürlich auch in andere Websites einbinden. Eingabegerät ist das Handy, womit die Möglichkeit gegeben ist, dass die Einsatzkräfte direkt vor Ort kurze Statements abgeben können. Authentischer geht es nicht mehr.
- Twitter: Die Kurzinformationen werden über einen eigenen Twitterkanal verteilt, den die InteressentInnen abonnieren können. Maximal 140 Zeichen sind möglich.
Zwei Punkte kritisiert Rex Hammock: der Spendenbutton ist nicht an prominenter Stelle angebracht und auch die Banner, die man in die eigene Website einbinden kann, um auf die Arbeit des Roten Kreuz zu verweisen und zu verlinken, sind nicht so leicht auffindbar.
Ansonsten ist das ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel der verschiedenen Tools. Gerade für Kampagnen eröffnen sich da viele Möglichkeiten und die gibt es ja im Kunst- und Kulturbereich auch. Denken Sie nur an den Beginn der neuen Saison oder die nächste Premiere, das nächste Konzert oder die nächste Ausstellung. Probieren Sie es doch mal aus!
Reale vs. virtuelle Welt
Eigentlich wünschen wir uns das ja alle: wir schreiben einen Artikel oder Text und erhalten darauf Reaktionen oder lösen eine Diskussion über das Thema bzw. einzelne Aspekte aus. Weblogs bieten sich da - neben anderen Kommunikationskanälen - an, denn sie machen es uns leicht, ein Thema aufzugreifen und auf den Beitrag oder darauf folgende Diskussionsbeiträge einzugehen.
Sich zusammen mit anderen über ein Thema auszutauschen, andere Standpunkte kennen zu lernen und neue Einsichten zu gewinnen, sind ad hoc die Pluspunkte, die mir dazu einfallen. Karin Janner hat nun auf ihrem Blog die Frage gestellt, warum so wenige Theater diese Möglichkeit nutzen, mit anderen ins Gespräch zu kommen?
Wer sich ihren Beitrag und die zahlreichen Kommentare durchliest, erfährt eine Menge über den Theaterbereich. Im Kommentar Nr. 15 trifft Rochus Schneider vom Volxtheater eine ganz interessante Feststellung, wenn er schreibt:
“Erlebnisse im Internet (Du nennst Online-Spiele, Second Life) sind Erlebnisse aus Zweiter Hand. Sie können nie die Tiefe haben, wie eine direkte Kommunikation incl. Körpersprache etc. und vor allem ist es eine Scheinwelt, die uns Erlebnisse vorgaukeln, die künstlich erzeugt, aber nicht real sind. Fatal wird es, wenn Menschen (vor allem Kinder oder Jugendliche, die das Kommunizieren noch lernen) sich einbilden, daß die Erlebnisse ihrer Figuren real sind und sie sich darauf beschränken. So kann es dazu kommen, daß sie eine Kommunikation von Mensch zu Mensch mit all ihren Schwierigkeiten und Fallen nicht mehr führen können.”
Worin ich übereinstimme: Erlebnisse im Internet unterscheiden sich von direkter Kommunikation, in die noch Körpersprache, Mimik und Gestik einfließen. Fatal ist es, und auch da bin ich der gleichen Meinung, wenn Kinder nur noch die Kommunikation im Internet beherrschen. Ich würde diese Form der Kommunikation aber nicht als ein Erlebnis aus zweiter Hand bezeichnen. Es ist ein Erlebnis und ich nehme es auf eine bestimmte Art und Weise wahr, so wie ich einen bestimmten Inhalt als Buch oder als Film “erleben” kann.
Burkhard Rosskothen, der mit einfallsreich.tv ein sehr spannendes Projekt betreibt, hat daraufhin (in Kommentar Nr.17 und in einem eigenen Blogeintrag) die Unterschiede zwischen der realen und der virtuellen Welt herausgearbeitet und bringt die Sache auf den Punkt, wenn er fordert, dass wir die unterschwellige Angst überwinden müssen, dass das Eine das Andere substituieren könnte.
“Das Internet will nicht erobern, es soll uns dienen, besser in Kontakt zu kommen - weltweit.”
Genau aus diesem Grund möchte ich mich eigentlich gerne von der Vorstellung verabschieden, dass wir es hier mit zwei Welten zu tun haben. Das Internet bietet uns verschiedene Möglichkeiten an, miteinander in Kontakt zu treten, uns auszutauschen und, so wir das wollen, dann irgendwann auch zu treffen.
Sollten wir uns nicht vom Gedanken verabschieden, dass das Internet eine eigene (virtuelle) Welt ist? Es ist doch eigentlich eher ein Kanal, über den wir miteinander kommunizieren können. Wäre das WWW eine eigene Welt, dann müssten wir konsequenterweise auch das Telefon als eine eigene virtuelle Welt betrachten, schließlich gilt auch hier, dass der direkte Kontakt fehlt und der Austausch auf meist digitalem Weg erfolgt. Angenommen, Sie telefonieren mit irgendjemandem. Wenn ich Sie nun fragen würde, ob Sie in einer anderen Welt gewesen sind und ob das nicht eine Kommunikation “aus zweiter Hand” sei, um die Worte von Rochus Schneider zu verwenden, wie würden Sie reagieren? Wahrscheinlich würde ich ein Kopfschütteln ernten.
Das Telefon ist heute so in unsere tägliche (reale) Welt integriert, dass wir kein Wort darüber verlieren. Wir nützen es in bestimmten Situationen, wissen aber, dass es nur ein möglicher Kanal ist, um andere Menschen zu kontaktieren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich in meiner Schulzeit stundenlang mit einem Freund Schach per Telefon gespielt habe (damals wurde noch pro Gespräch und nicht pro Zeiteinheit abgerechnet). Das geschah aber nur, wenn wir uns nicht an einem Schachbrett gegenüber sitzen konnten.
Kein Mensch hat mir damals gesagt, dass das “schlechter” sei, abgesehen von der Tatsache, dass ich stundenlang die einzige Leitung blockiert habe. Ich musste lernen, wann ich das Telefon nutze und wann nicht. Das ist, denke ich, mit dem Internet ähnlich. Mit anderen ein Online-Spiel zu spielen und diese Form der Kommunikation als die einzige anzusehen und andere Kanäle nicht nutzen zu können, führt in eine Sackgasse. Vielleicht schaffen wir aber die entsprechenden Voraussetzungen für den “sinnvollen” Umgang mit dem Internet dadurch, dass wir nicht mehr vom Gegensatz der realen und der virtuellen Welt sprechen. Es ist genau eine Welt und in ihr stehen uns verschiedene Wege offen, mit anderen in Kontakt zu treten. Das Internet ist nur einer davon.


