Das Kulturmanagement Blog

Kriterien staatlicher Kulturförderung: ein Gutachten

Veröffentlicht in Förderungen, Kulturpolitik by Christian Henner-Fehr am März 7th, 2008

Im Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft (Deutschland) habe ich den Hinweis auf ein Gutachten gefunden, in dem Norbert Sievers, Bernd Wagner (Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft) und Andreas Wiesand (Europäisches Institut für vergleichende Kulturforschung) sich im Auftrag der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags mit dem Thema staatliche Kulturfinanzierung beschäftigen.

Die Studie wurde zwar schon 2004 veröffentlicht, liefert aber trotzdem eine Vielzahl an Informationen und beschränkt sich nicht nur auf das deutsche Fördersystem, sondern vergleicht es mit anderen europäischen Ländern.

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Fördersystemen wird unter anderem in der Grafik auf Seite 31 deutlich, in der die Trägerschaftsformen in den verschiedenen Ländern gegenübergestellt werden. Die Grafik zeigt, dass vor allem Deutschland, Österreich und teilweise auch die Schweiz auf öffentlich-rechtliche bzw. “de facto öffentliche Organisationstypen” setzen.

Die Studie “Objektive und transparente Förderkriterien staatlicher Kulturfinanzierung - Vergleiche mit dem Ausland” umfasst insgesamt 161 Seiten und steht als PDF zur Verfügung.

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Stipendien für KulturmanagerInnen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Veröffentlicht in Förderungen by Christian Henner-Fehr am Februar 23rd, 2008

Vielleicht sind Sie KulturmanagerIn und kommen aus Mittel- oder Osteuropa? Möglicherweise haben Sie Interesse an einer Weiterbildung? Wenn Sie dieses Blog hier lesen, dann erfüllen Sie noch eine weitere wichtige Voraussetzung, um eines der insgesamt zwölf Stipendien zu bekommen, die die Robert Bosch Stiftung ab Oktober 2008 vergibt: Sie beherrschen die deutsche Sprache.

Vergeben werden die Stipendien für eine dreizehnmonatige Qualifizierung im Kulturmanagement in Deutschland.

“Die Stipendiaten präsentieren in innovativen Projekten die kulturelle Vielfalt der Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas und insbesondere die junge Kunst- und Kulturszene ihres Landes in Deutschland. Sie sind deutschlandweit in Gastinstitutionen (mit Ausnahme von Berlin) tätig, die Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Kunst und Kultur haben und ihre Kontakte nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa vertiefen wollen”,

heißt es in der aktuellen Ausschreibung. Angeboten werden Fortbildungen in den Bereichen

“Projektplanung, Mitteleinwerbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Verhandlungsführung”.

Bewerben können Sie sich, wenn Sie

  • über Projekt- oder Berufserfahrungen im Kulturmanagement verfügen,
  • Ihren Lebensmittelpunkt in Mittel-, Ost- oder Südosteuropa haben,
  • Kontakte zur jungen Kunst- und Kulturszene des Heimatlandes besitzen,
  • gut Deutsch sprechen,
  • einen Hochschulabschluss in der Tasche haben und
  • überdurchschnittlich einsatzbereit und selbständig sind.

Wie sich die überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft und Selbständigkeit bewerten lässt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber wahrscheinlich ist das so ähnlich wie die Teamfähigkeit, die in Stellenausschreibungen immer verlangt wird. Das aber nur am Rande, denn wer sich für das Stipendium bewirbt, zeigt eh schon Einsatzbereitschaft. Aber ich will nicht lästern…

Was können Sie nun erwarten? Das Stipendium umfasst die folgenden Leistungen:

  • ein monatliches Stipendium in der Höhe von 1.000 Euro,
  • die Reisekosten nach Deutschland und zu den Fortbildungen,
  • Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung,
  • Weitere Zuschüsse während des Stipendiums und für einen beruflichen Wiedereinstieg im Heimatland,
  • ein Einführungsseminar im Oktober 2008 und regelmäßige Fortbildungen,
  • Vernetzung mit den anderen Programmen der Robert Bosch Stiftung und Akteuren der “Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik”.

Bewerben können Sie sich ausschließlich online, aber nur noch bis zum 31. März 2008. Dann endet nämlich die Bewerbungsfrist. Klingt doch gut, oder? Schade, dass Österreich da nicht dazu zählt. Obwohl viele ja behaupten, in Wien beginne bereits der Balkan. Aber gut… Viel Erfolg all denen, die sich bewerben!

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Förderungen: endlich ohne Formulare

Veröffentlicht in Förderungen by Christian Henner-Fehr am Februar 2nd, 2008

David Röthler hat schon vor einigen Tagen auf seinem Blog darauf hingewiesen, dass die European Cultural Foundation Fördergelder zukünftig ohne Formulare vergibt. Nun finden sich die entsprechenden Infos auf der Website der Stiftung.

Zukünftig wird es nur noch zwei verschiedene Aktionslinien geben:

Making collaboration work grants for cultural organisations

Worum geht es?

“This funding line is about stimulating collaboration between cultural organisations. Projects will be assessed specifically on their collaborative nature and the added value they bring to the practice of cultural cooperation in Europe”,

heißt es auf der Website der European Cultural Foundation. Bis zum 1. April 2008 können Kultureinrichtungen um eine Förderung ansuchen, die maximale Fördersumme beträgt 30.000 Euro.

Artistic project

Diese Aktionslinie richtet sich an Kultureinrichtungen und einzelne KünstlerInnen.

“This funding line supports artistic projects that show vision in illuminating the issues of diversity in Europe. Projects will be assessed specifically on their artistic quality. Artistic uniqueness and European relevance are the main selection criteria.”

Bis zum 1. September 2008 können sich Kultureinrichtungen und KünstlerInnen um durchschnittlich 15.000 bis 25.000 Euro bewerben.

Und die gute Nachricht zum Schluss: Für die Einreichung sind keinerlei Formulare notwendig. Verlangt wird lediglich eine zweiseitige Projektbeschreibung. Wem es gelingt, das Interesse der Jury zu wecken, wird nach etwa zehn Wochen dazu eingeladen, sein Vorhaben im Detail zu beschreiben, wofür dann noch einmal vier Wochen Zeit zur Verfügung stehen.

Alle weiteren Informationen können im Application Guide nachgelesen werden.

Ich finde es toll, dass hier ein Umdenken einsetzt und das Ansuchen um Fördergelder nicht mehr an das Ausfüllen seitenlanger Antragsformulare gebunden ist. Wenn dieser Ansatz Schule macht, wird es nicht mehr darum gehen, die Hürden der Antragsbürokratie zu bewältigen, sondern wirklich gute und überzeugende Ideen zu entwickeln. Ich hoffe, andere folgen diesem Beispiel.

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Eine Studie bewertet den ökonomischen Nutzen der österreichischen Bundestheater

Veröffentlicht in Förderungen, Kulturpolitik by Christian Henner-Fehr am Januar 28th, 2008

'Wiener Staatsoper' von hennerfehr
© bigdog1; Pixelio

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat die ökonomischen Effekte der österreichischen Bundestheater untersucht. Die Zahlen des Endberichts besagen, dass die jährlichen Subventionen in Höhe von 133,6 Mio. Euro gut investiert sind, IHS-Chef Bernhard Felderer spricht von einer “hohen Rendite”.

Der Grund:

“Der Betrieb der Einrichtungen des Bundestheater-Konzerns löste in der Spielsaison 2005/06 in Österreich 432,6 Millionen Euro an Wertschöpfung, Beschäftigung in der Höhe von 7.106 Vollzeitäquivalenten, 111,1 Millionen Euro an Nettokaufkraft und 214,3 Millionen Euro an Rückflüssen an die öffentliche Hand aus”,

heißt es in einer Presseaussendung.

Betrachtet man die Zahlen genauer, so wird schnell klar, dass vor allem die Stadt Wien von den Bundestheatern profitiert. Auf der anderen Seite ist das nicht wirklich erstaunlich, denn die Häuser stehen nun mal in der Bundeshauptstadt. Diskutieren kann man nun natürlich darüber, ob es erstens gerecht und zweitens für den Kunst- und Kulturbereich insgesamt sinnvoll ist, dass die Bundestheater vom Bund finanziert werden.

Welche Bedeutung besitzen diese “Leuchttürme” für den gesamten Bereich, also auch für die kleinen Kulturorganisationen? Diese haben es auf verschiedenen Ebenen schwer, sich gegenüber den großen Häusern zu behaupten. Eine Staatsoper hat einen ganz anderen Bekanntheitsgrad, stellt also eine gut eingeführte “Marke” dar, die zum Beispiel für die meisten Sponsoren attraktiver ist als eine kleine Einrichtung. Auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel müssen kleine Organisationen fast die gleichen, manchmal sogar höhere Eintrittspreise verlangen als etwa ein Burgtheater. Maurice Lausberg bringt die verschiedenen Aspekten in einem Interview recht schön auf den Punkt.

Aber das war nicht das Thema der Studie, die übrigens als PDF online zur Verfügung steht. Es lohnt sich, einen Blick in die Studie zu werfen, denn sie zeigt, welche Argumente für die Subventionierung von Kunst und Kultur auf der wirtschaftlichen Ebene zur Verfügung stehen. Dass der ökonomische Nutzen nicht das einzige Argument sein sollte, ist hoffentlich allen klar.

Gefunden habe ich die Studie übrigens bei Brigitte Jank, die als Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer ein eigenes Weblog betreibt.

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Trainee-Stipendien für KulturmanagerInnen

Veröffentlicht in Förderungen by Christian Henner-Fehr am Januar 21st, 2008

Dass Kunst - und Kulturprojekte bzw. KünstlerInnen gefördert werden, erleben wir häufig. Zwar könnten die Summen, die zur Verfügung stehen, noch etwas üppiger ausfallen, aber es gibt doch eine Vielzahl an Förderprogrammen.

Etwas anders sieht die Situation für KulturmanagerInnen aus. Ich finde es erfreulich, dass das österreichische Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) eine, ich möchte schon fast sagen, Tradition weiterführt und wieder 11 Trainee-Stipendien

“zur internationalen Qualifizierung für MitarbeiterInnen im Kunst und Kulturbereich, vor allem für regionale Kulturinitiativen, sowie AbsolventenInnen von Kulturmanagementlehrgängen”

ausgeschrieben hat. Praktikaplätze (Dauer: zwischen drei und sechs Monaten) werden unter anderem in Berlin, Uganda, Nicaragua, St. Petersburg, Los Angeles in interessanten Kultureinrichtungen angeboten.

Das Angebot richtet sich an alle, die im Kulturbereich eine “einschlägige Ausbildung und/oder einschlägige Berufserfahrung” in den Sparten

  • Produktionsleitung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Marketing
  • künstlerische Leitung
  • musikalische Leitung
  • Management
  • Rechtsbetreuung
  • Kunstvermittlung
  • Museumspädagogik

vorweisen können und bereit sind, danach ihre Kenntnisse in österreichische Kultureinrichtungen einzubringen.

Gezahlt werden die Reisekosten sowie ein Beitrag zu den Lebenshaltungskosten, der je nach Ort zwischen 1.500 und 1.850 Euro schwankt. Hier gibt es das Bewerbungsformular, das noch weitere Informationen enthält.

Nicht ganz unwichtig: Die Bewerbungsfrist endet am 31. Januar 2008. Und jetzt wünsche ich allen KulturmangerInnen bei ihrem eigenen “Projekt” viel Glück und drücke die Daumen.

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Was soll denn nun gefördert werden?

Veröffentlicht in Förderungen, Kulturpolitik by Christian Henner-Fehr am Januar 7th, 2008

Rico Bandle geht auf kulturblog.ch der Frage nach, “warum fast nur Altes gefördert wird“. Denn, so stellt er fest:

“Die öffentliche Kulturförderung geht zu einem grossen Teil an die Erhaltung und Pflege von alten Werken und Gegenständen; um Neues zu ermöglichen bleibt wenig Geld übrig.”

Das stimmt. Aber nur teilweise, finde ich. Denn die öffentlichen Fördergelder fließen nicht nur in die Erhaltung und Pflege alter Kunst, sondern auch in innovative Projekte. Und so krampfhaft wir versuchen, uns an der Vergangenheit festzuhalten - Rico Bandle zitiert den äußerst lesenswerten ZEIT-Artikel “Schafft die Museen ab!” des Historikers Philipp Blom - , so verbissen versuchen wir innovativ zu sein.

Beides kann so nicht funktionieren bzw. bringt uns nicht wirklich weiter. Warum das mit der Innovation so nicht funktionieren kann, habe ich im Beitrag “Wenn Fördergeber innovative Projekte erwarten” zu begründen versucht. Innovation aus dem Fördertopf, sorry, das schließt sich aus. Die Innovation, die da verlangt wird, ist nur ein noch nicht gesehenes Spektakel. Dabei wird vergessen, dass es ja verschiedene Formen der Innovation gibt, z.B. die Produkt- und die Prozessinnovation. Zweitere kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Da ist es dann entlarvend, wenn der Fördergeber nach dem zweiten Förderjahr fragt, was denn an dem Projekt noch innovativ sei.

Genauso unsinnig ist es, und da stimme ich Rico Bandle zu, “alte Fassaden” zu subventionieren. Auch Blom beschreibt in seinem Artikel recht eindrücklich, mit welcher Begeisterung wir Napoleons Toilette betrachten und uns den Mechanismus erklären lassen.

Das heißt, wir ergötzen uns auf der einen Seite an einer statischen Vergangenheit und befinden uns andererseits auf der Suche nach der ultimativen Innovation. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft. Dieses Zitat habe ich mir gemerkt. Von wem es stammt, leider nicht. Aber welche Vergangenheit und welche Zukunft?

Mir gefällt in diesem Zusammenhang der Begriff des kulturellen Gedächtnisses ganz gut, den der Ägyptologe Jan Assmann eingeführt hat. Es ist nicht nur in uns Menschen angesiedelt, so Assmann, sondern objektiviert sich auch in Artefakten. Seine Frau, Aleida Assmann unterscheidet dabei zwischen dem Speicher- und dem Funktionsgedächtnis. Das Speichergedächtnis ist für sie das Archiv, in dem die stummen Zeugen der Vergangenheit lagern, die dem Vergessen ausgeliefert sind.

Die im Funktionsgedächtnis aufgehobenen Artefakte hingegen haben sich Aleida Assmann zufolge durch Auswahl und Kanonisierung einen Platz im aktiven kulturellen Gedächtnis gesichert. Sie seien dabei im Kontext des historischen Wandels einer ständigen Diskussion bzw. Neudeutung unterworfen, da sie über die Generationen hinweg den jeweils aktuellen Bedürfnissen und Ansprüchen angepasst würden.

Diese Art der Auseinandersetzung halte ich für sinnvoll, dabei geht es allerdings nicht darum, ein barockes Stadtschloss im Originalzustand wiederaufzubauen, sondern Vergangenheit und Gegenwart so zu verbinden, dass daraus Zukunft entsteht, um es salopp zu formulieren.

Wenn wir nun Innovation im Sinne Schumpeters als Prozess schöpferischer Zerstörung ansehen, dann ist auch klar, dass es dazu Mut braucht. Und den hat eine Kulturbürokratie nicht, den kann sie auch gar nicht haben. Das würde dem Wesen der Bürokratie widersprechen.

Insofern hat Hanspeter Gautschin Recht, wenn er von einer “reaktionären Kulturbürokratie” spricht. “Reaktionär” verstehe ich dabei nicht als Schimpfwort, eine Bürokratie wird immer darauf aus sein, den Status Quo zu wahren.

Das Problem ist nun aber, dass die öffentliche Kulturverwaltung sich in einer Zwickmühle befindet. Sie kann eigentlich gar nicht das Richtige tun. Und wir als Gesellschaft wollen das auch gar nicht, denn Rico Bandle schreibt ja richtig:

“Die Kulturförderung ist (…) nur ein Spiegel der Gesellschaft.”

Nachdem Blom aber feststellt, dass wir die erste Kultur der Weltgeschichte seien, die Altes verehre, nur weil es alt sei, können wir diesem Dilemma nur entkommen, wenn wir diese Haltung wieder ablegen. Die jetzige Form der Kulturförderung ist also eigentlich ein gesellschaftliches Problem, das wir zu lösen haben. Nicht die Kulturverwaltung.

Der spielerische Umgang mit der Vergangenheit erfordert Stärke und Selbstbewusstsein. Haben wir beides? Und sind wir in der Lage, daraus so etwas wie eine “neue” Kulturpolitik entstehen zu lassen? Das ist die Herausforderung, vor der wir stehen. Und wir sollten diese Herausforderung nicht der Politik überlassen. Der traue ich das, ehrlich gesagt, nicht zu.

PS: Übrigens blicke ich etwas neidisch in die Schweiz, wo solche Fragen thematisiert werden.

Was macht den Erfolg aus?

Veröffentlicht in Förderungen, Kulturmanagement, Projektmanagement by Christian Henner-Fehr am Dezember 4th, 2007

'Jackpot' von hennerfehr
© Paul-Georg Meister, Pixelio

Sehr ärgerlich, dass die ZEIT nicht alle Beiträge online stellt. Vor allem wenn man mit dem Lesen immer ein paar Ausgaben hinterher hinkt, wie ich das gerade mal wieder tue. Aber kein Problem, die Printausgabe liegt neben mir.

In der Ausgabe vom 15.11.07 ist ein Artikel über den Streik der Drehbuchautoren in Hollywood zu finden. Neu war für mich, wie schwierig es für Fernsehserien ist, sich durchzusetzen und dann auch erfolgreich zu sein.

Auf die Frage, wie man das schaffe, zitiert Autorin Eva Schweitzer einen Produzenten, der darauf antwortet:

“Zehn Prozent Anstrengung, zehn Prozent Genie und hundert Prozent Glück.”

Bei diesem Satz ist mir die öffentliche Kunst- und Kulturförderung eingefallen. Und wenn ich es mir genau überlege, dann sind genau das die Erfolgsfaktoren.

  • Anstrengung: das ist für mich die Beschreibung der Idee, die richtige Formulierung, ein passendes Budget, die benötigten Unterlagen und all die Dinge, die zu einer Einreichung gehören. Wer hier nicht seine Hausaufgaben macht, hat in der Regel keine Chance.
  • Genie: das würde ich mit der künstlerischen Idee, beziehungsweise mit der “Qualität” gleichsetzen. Auch hier gilt: wer nicht wirklich gut ist, wird sich gegenüber den anderen nicht durchsetzen können.
  • Glück: wahrscheinlich unterschätzen wir diesen Faktor oft. Zu oft. Denn wenn sich alle anstrengen, gute Ideen haben und dann nur ein begrenztes Budget zur Verfügung steht, dann spielt der Faktor Glück die entscheidende Rolle.

Was heißt das für die Praxis? Zum einen sollten wir eine Absage nicht persönlich nehmen. “Pech gehabt” bringt zwar auch kein Geld, aber es lässt sich unter Umständen besser damit leben wie mit dem (Selbst)-Vorwurf “mein Projekt ist schlecht”.

Und rein praktisch gesehen sollte man bei diesen Rahmenbedingungen öfters Projekte einreichen. Wenn das Glück eine entscheidende Rolle spielt erhöhe ich mit jeder Idee meine Chancen. Das bedeutet aber auch, dass die Zeit zwischen dem ersten Gedankenblitz und dem fertigen Konzept kürzer werden und der Aufwand nach Möglichkeit reduziert werden muss. Da lohnt es sich, die entsprechenden Tools des Projektmanagements zu beherrschen. Wer da seine Hausaufgaben gemacht hat, dem fällt es wesentlich leichter, “schnell” zu sein.

Sind Verwertungsgesellschaften noch zeitgemäß?

Veröffentlicht in Förderungen, Kulturpolitik by Christian Henner-Fehr am November 19th, 2007

Wenn man sich das 32-seitige Dossier “Verwertungsgesellschaften” durchliest, das der aktuellen Ausgabe von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, beigefügt ist, kann man diese Frage mit einem Ja beantworten.

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, sieht die Verwertungsgesellschaften an einer “Weggabelung”:

“Gehören sie eher zur Kultur oder eher zum Kommerz, sind sie ganz normale Unternehmen wie tausende andere auch, sind sie Unternehmen besonderer Art, weil sie in besonderer Weise sozialen und kulturellen Zwecken verpflichtet sind oder sind sie Selbsthilfeeinrichtungen der Künstler, die auch wirtschaftliche Zwecke verfolgen?”

Auf der EU-Ebene tendiert man in Richtung Kommerz und wünscht sich Wettbewerb in diesem Bereich. Das Ziel ist es, so Zimmermann weiter,

“dass die Urheber frei wählen können, welche der Verwertungsgesellschaften ihnen die besten Konditionen, sprich den größten Ertrag verspricht”.

Dem Selbstverständnis der Verwertungsgesellschaften entspricht diese Sichtweise nicht unbedingt, sehen sich diese doch eher noch als “Solidargemeinschaften”. Und als solche unterstützen sie auch jedes Jahr eine Vielzahl sozialer und kultureller Projekte. Auch aus diesem Grund lohnt es sich, einen Blick in das Dossier zu werfen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang natürlich die zunehmende digitale Verbreitung der Produkte (Musik, Hörbuch, etc.), Stichwort Digital Rights Management. Gut gefällt mir an dem Dossier, dass man, um bei diesem Beispiel zu bleiben, mit Bernhard Rohleder (Hauptgeschäftsführer BITKOM) und Ferdinand Melichar (geschäftsführendes Vorstandsmitglied VG Wort) sehr unterschiedliche Standpunkte zu Wort kommen lässt. So bekommt man einen guten Überblick über die unterschiedlichen Sichtweisen.

Wer sich in Österreich für das Thema Verwertungsgesellschaften interessiert, bekommt leider kein so gut aufbereitetes Dossier angeboten. Immerhin stellt die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH), die die Verwertungsgesellschaften beaufsichtigt, eine Liste sämtlicher Gesellschaften zur Verfügung. Wer sich über Fördermöglichkeiten informieren möchte, kann das also gleich direkt auf den Websites der Verwertungsgesellschaften tun.

In der Schweiz gefällt mir die Seite copyright.ch ganz gut. Die Links zu den fünf Verwertungsgesellschaften findet man hier.

Danke an Elke Fleing, in deren Blog selbst und ständig ich den Hinweis auf das Dossier gefunden habe.

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200 neue Kulturstiftungen in Deutschland

Veröffentlicht in Fundraising, Förderungen by Christian Henner-Fehr am November 16th, 2007

Von den insgesamt 1.000 Stiftungen, die dieses Jahr in Deutschland gegründet wurden, sind ein Fünftel Kulturstiftungen, vermeldet der Bundesverband Deutscher Stiftungen anlässlich der Herbstsitzung seines Arbeitskreises Kunst und Kultur.

Wer sich auf die Suche nach diesen neuen und den bereits existierenden Stiftungen machen möchte, der wird wohl, ich habe schon mal darauf hingewiesen, am ehesten auf den Seiten des DIZK (Deutsches Informationszentrum Kulturförderung) fündig werden. Eine Vielzahl an Partnern, darunter auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen, hat eine Datenbank entwickelt, über die sich die verschiedenen Fördermöglichkeiten recherchieren lassen.

Obwohl das Stiftungswesen boomt, geht der Anteil der Kulturstiftungen zurück, wie der aktuelle Stiftungsreport des Bundesverbandes zeigt. Ob in den Stadtstaaten oder West- bzw. Ostdeutschland, überall lässt sich ein Abwärtstrend feststellen. Stark zugenommen haben hingegen Stiftungen, die soziale Zwecke verfolgen. Den 192 Seiten dicken Stiftungsreport 2007 gibt es als Buch für 21,90 Euro zu kaufen. Eine 20-seitige Kurzfassung steht aber zum kostenlosen Download (PDF, 6,4MB) zur Verfügung.

Via BFS Fundraising Blog

Wer ist schuld daran, wenn ich keine Förderung bekomme?

Veröffentlicht in Förderungen by Christian Henner-Fehr am November 8th, 2007

Hanspeter Gautschin hat sich vor ein paar Tagen auf seinem Blog Bodeständigi Choscht darüber beklagt, dass jemand, der sein Projekt “förderungstauglich” darstellt, eher Fördergelder bekommt als das qualitativ bessere Kunstprojekt. In einem Kommentar schreibt er weiter:

“Nur erwarte ich von Fördergremien, dass sie imstande sind, unter die Verpackung zu schauen. Kultur- und Kunstsachverständige sollten sich schon von Sachverstand leiten lassen und nicht von märchenhaft formulierten Fördergesuchen.”

Ich kann diese Meinung durchaus verstehen, habe allerdings einen völlig anderen Standpunkt.

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass es heute nicht mehr genügt, “qualitativ” hochwertige Kunst (was auch immer das sein mag) zu produzieren. Wobei ich mit dem “heute” vorsichtig bin, denn wir alle wissen nicht, wieviel Kunst in der Vergangenheit in den Schubladen vergessen worden und unentdeckt geblieben ist. Und in einer Zeit, in der wir für unsere Projekte um Förderungen ansuchen, ist ein Weg, um ein Werk öffentlich zu machen, der der schriftlichen Darstellung des Vorhabens. Eben um die finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Als KünstlerIn habe ich nun zwei Möglichkeiten: Ich verweigere mich dem ganzen Prozedere und verzichte daher auf eine mögliche Unterstützung, eben weil ich keinen Antrag schreibe. Oder ich spiele das Spiel mit, was dann heißt: ich lasse mich auf einen Wettbewerb ein, bei dem es nicht um das beste Projekt geht, sondern um die beste Beschreibung. Überspitzt formuliert.

Und an diesem Punkt verstehe ich Hanspeter Gautschin, denn plötzlich wird der Wettbewerb auf einer anderen Ebene ausgetragen. Das “bessere” Kunstprojekt verliert unter Umständen gegen das “schlechtere”. Ist das ungerecht? Ja und Nein. Ungerecht ist es, weil plötzlich ein ganz anderes Kriterium zählt. Auf der anderen Seite weiß jeder, dass es hier auch um das “sich verkaufen” geht. Bin ich als KünstlerIn darin nicht gut, habe ich immer noch die Möglichkeit, mich dabei unterstützen zu lassen.

Seien wir ehrlich: Dieses Prinzip kommt eigentlich fast überall zur Anwendung. Wenn ich als Firma ein gutes Produkt habe, dann ist der Erfolg noch lange nicht garantiert. Erst muss ich andere von der Qualität meines Produktes überzeugen, eine Aufgabe, die in der Regel von ExpertInnen übernommen wird. Und warum sollte das nicht auch für die Volksmusik gelten, die häufig sehr profitorientiert funktioniert?

Und noch ein Punkt ist mir wichtig: Ich erwarte auch, dass diejenigen, die über die Vergabe von Fördermitteln entscheiden, über einen entsprechenden Sachverstand verfügen. Aber wie sollen sie hinter die Verpackung schauen? Sie müssten sich die Kunst, die es zu beurteilen gilt, anschauen und dann “objektiv” urteilen. Über die benötigte Objektivität verfügen sie nicht, ihre Entscheidung wird also auf alle Fälle eine subjektive und damit auch eine “ungerechte” sein.

Außerdem werden die ExpertInnen sich nicht alle und alles anschauen können. Damit wäre schon wieder eine Gruppe benachteiligt. Nein, im Augenblick ist es einfach so, dass Förderentscheidungen in der Regel auf der Grundlage einer Beschreibung gefällt werden. Und dieses Spiel muss ich mitspielen, wenn ich Förderungen erhalten möchte.

Dass dieses System nicht der Weisheit letzter Schluss ist, habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Mit einem System, dessen Grundlage die Förderung einzelner Projekte ist, werden wir aber wahrscheinlich nicht weiterkommen. Denn da scheitern wir ja eigentlich schon am Begriff der Qualität.