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Warum ich Facebook brauche

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Irgendwie ist es schon witzig. Da wird ein Netzwerk hochgejubelt und zum Synonym für Social Media und dann ist die Überraschung groß, wenn der Hype nachlässt. “Die Jugend verlässt Facebook wieder” titelte Focus vor ein paar Wochen, eine Social Media-Managerin schreibt einen Brief an Facebook, in dem sie das Ende ihrer Beziehung zu Facebook begründet und im Blog Karrierebibel fragt Christian Mueller: “Facebook ade: Brauchen KMUs das Netzwerk überhaupt?

Wer den Zyklus eines Hypes kennt, musste damit rechnen, dass es irgendwann einmal abwärts geht. Aber nachdem wir das Netzwerk auf den höchsten Punkt der Hype-Kurve geschrieben haben, schreiben wir nun halt die Abwärtsbewegung herbei. Vermutlich werden wir, wie im Fall von Diaspora (erinnert sich noch jemand daran?) demnächst den Aufgang einer neuen Plattform erleben und auch entsprechend euphorisch begleiten. Und man muss kein großer Prophet sein, um schon jetzt zu wissen, dass auch hier irgendwann mal eine Abwärtsbewegung einsetzen wird.

Wäre ich bei Facebook in verantwortlicher Position, würden mir die Zahlen, die der Focus-Artikel zusammengetragen hat, zu denken geben. Ob ich als Kultureinrichtung in Panik verfallen muss, bezweifle ich aber, denn den wenigsten von ihnen ist es bis jetzt gelungen, die Zielgruppe der unter Zwanzigjährigen zu erreichen. Ob Museum, Theater oder Oper, der Blick in die Statistik der jeweiligen Facebookseite zeigt vermutlich, dass die Gruppe der 18 bis 24-Jährigen eine kleine Minderheit darstellt. Das heißt, sie wurden bis jetzt nicht erreicht und wenn sie irgendwann nicht mehr auf Facebook sein sollten, hat sich für die meisten Kulturbetriebe nichts geändert. :-) Sind Ihnen die jungen Menschen wichtig, wäre das jetzt ein Grund, es mal auf Twitter zu versuchen, nur dort sinkt das Medianalter der NutzerInnen nämlich. Eine andere Möglichkeit wäre es, den eigenen Ansatz zu hinterfragen.

Viele Kultureinrichtungen sind mit Facebook nie so richtig warm geworden, weil diese Plattform ursprünglich dazu diente, StudentInnen miteinander zu vernetzen. Diese Ursprungsidee merkt man ihr auch heute noch an, Facebook unterstützt uns wie keine andere Plattform dabei, unsere “realen” Netzwerke abzubilden. Nirgendwo stehen die persönlichen Beziehungen so im Vordergrund wie hier. Twitter, Google+, Quora, etc. bilden nicht so sehr den social graph, sondern eher den interest graph ab, was in meinen Augen erklärt, warum vielen von uns die Kommunikation auf Facebook so leicht und in anderen Netzwerken so schwer fällt.

Aber Facebook ist und bleibt ein Tool und ich finde es befremdlich, wenn eine Social Media Managerin ihre “Beziehung” zu Facebook beendet und sich unter anderem über die zunehmende Kommerzialität dieser Plattform beklagt. Wir haben es hier mit einer Infrastruktur zu tun, die uns die Möglichkeit gibt, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Im Unterschied etwa zum Telefon wird uns diese Infrastruktur unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Während ich bei meinem Telefonanbieter aber Kunde bin, kann davon auf Facebook nicht die Rede sein, dort bin ich das Produkt. Erst wenn ich mit bezahlten Postings oder Werbeeinschaltungen arbeite, werde ich zum Kunden, davor bin ich Teil eines Dreiecksgeschäftes und darf die Plattform im Tausch gegen  meine Daten benutzen.

Sich darüber aufzuregen, wenn man Facebook privat nutzt, halte ich für legitim. Auch der Abschied von der Plattform ist eine nachvollziehbare Option, schließlich gab und gibt es Alternativen, auch wenn dort die Nutzerzahlen nicht so hoch sind. Wer Facebook beruflich nutzt und der Plattform vorwirft, dass sie käuflich sei, wie Katharina Antonia Heder das in ihrem “Abschiedsbrief” tut, blendet die Tatsache aus, dass hier jemand eine Art Marktplatz zur Verfügung stellt, ohne dafür Eintritt zu verlangen. Natürlich ist es auch in Ordnung, diesen Marktplatz, so er einem nicht gefällt, wieder zu verlassen. Aber wozu dieser Abschiedsbrief? Irgendwie erinnert er mich an das Twitter-Experiment. Mit lautem Getöse wurde damals die Verbindung gelöst, heute folgt dieser Account wieder fast der gleichen Anzahl an Twitterati.

Natürlich wurden wir nie darüber informiert, dass dieses Twitter-Experiment gescheitert ist. Ähnlich wird es wohl auch hier sein. Irgendwann ist der Facebook-Account dann wieder da und die Erde dreht sich weiter.

Ob sie sich mit oder ohne einen Facebookaccount dreht, das müssen wir letzten Endes selbst entscheiden. Die Frage von Christian Mueller, ob wir bzw. in seinem Artikel die KMU Facebook überhaupt brauchen, ist berechtigt und sollte auch beantwortet werden. Ich kann das natürlich nur für mich tun und sehe aus folgenden Gründen keinen Anlass, mich von Facebook zu verabschieden:

  1. Facebook als ein Baustein meiner Social Media-Aktivitäten: Ich habe nie ausschließlich auf Facebook gesetzt und würde das auch niemandem empfehlen. Facebook gehört für mich zu den “Großen“, an denen man aus verschiedenen Gründen nicht vorbei kommt. Für mich dient es wie alle anderen Netzwerke und Plattformen dazu, meine Blogaktivitäten zu unterstützen.
  2. Facebook dient der Vernetzung, nicht der Werbung: Viele Kultureinrichtungen nutzen ihre Facebookseite vor allem, um eigene Veranstaltungen anzukündigen. Sonst nichts, leider. Für mich dient das Netzwerk dazu, mich mit anderen Menschen auszutauschen, ihnen Fragen zu stellen, Termine zu vereinbaren oder Links zu verschicken. Das funktioniert mit einer großen Zahl von Menschen und macht die  Sache recht bequem.
  3. Facebook als Wissens- und Lernplattform: Nicht missen möchte ich die vielen Gruppen, die im Laufe der Jahre auf Facebook entstanden sind. Ob es um Social Media im Museum oder im Theater geht, ob um Urheberrecht oder Crowdfunding, die Informationen und Diskussionen in den Gruppen sind von unschätzbarem Wert und kein noch so gut gefüllter RSS-Reader kann sie ersetzen. Oder anders ausgedrückt: Ich könnte mir es fachlich gar nicht leisten, auf diese Gruppen zu verzichten.
  4. Auf Facebook sind “alle”: Die ARD/ZDF Online-Studie zeigt, dass mittlerweile jeder Teil unserer Gesellschaft im Netz und ein Großteil auch auf Facebook vertreten ist. In Deutschland sind es aktuell 25 Millionen, d.h. wir haben kein anderes Medium, über das wir mit mehr Menschen auf direktem Weg kommunizieren und interagieren können.
  5. Facebook als Teeküche: Ich habe schon vor vielen Jahren, als Facebook noch unbekannt war, für Projekte, aber auch Lehrveranstaltungen, Foren eingerichtet. Das Anmelden war nicht einfach und viele Forenanbieter sind im Laufe der Jahre gekommen und wieder verschwunden. Heute nutze ich dafür geheime Facebookgruppen und reduziere so die Zahl der Emails, die normalerweise ein Projekt oder eine Lehrveranstaltung begleiten. In einer Facebookgruppe lässt sich über all die Dinge sprechen, die wichtig, aber nicht so wichtig sind.

Fazit: Für mich ist Facebook ein Tool, das mich in meiner Kommunikation unterstützt. Ich muss es weder lieben noch hassen, sondern einfach nur so gebrauchen, dass ich davon profitiere. Das tue ich, zumindest derzeit.

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  1. Lieber Hr. Henner-Fehr,

    zunächst möchte ich mir erlauben auch Sie auf einen formalen Fehler hinzuweisen: Sie konzentrieren sich in der Wiedergabe auf einen provokanten Untertitel, den ich selbst im Ursprungstext nicht so gesetzt habe. Gern weise ich dies auch an entspr. Stelle nach.

    Im Kern – und das möchte ich sagen ohne die Diskussion aus dem anderen Blog noch einmal zu wiederholen – beziehe ich mich auf eine ganze Reihe von Gründen, die ich sehr ausführlich dargestellt habe. Hierbei referiere ich übrigens auf die aktuellen Forschungsergebnisse.

    Meine Meinung ist einfach, dass wenn die Reziprozität nicht stimmt, eine Plattform mir – egal aus welcher Rolle heraus ich spreche – nichts bringt. Ein Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen gibt es bei Facebook nun doch wirklich:

    Haben Sie all Ihre Kunden darauf hingewiesen, dass sie mit dem Hochladen des Logo sämtliche Rechte daran verlieren?

    Damit sind wir nämlich in der beruflichen Ebene der Entscheidung: Man kann sich für oder gegen Facebook entscheiden, wenn man alle Faktoren berücksichtigt. In der bislang geführten Diskussion und auch in Ihrem Blog werden jeweils nur Teile meiner Argumentation berücksichtigt und der globale Kontext weggelassen oder pointiert wiedergegeben: Das finde ich schade, weil sie nämlich auf ein ganz anderes Problem hindeutet – auch das habe ich bereits formuliert.

    Es zeugt erneut von der Unwissenheit vieler User bzw. auch beruflich dort aktiver Menschen:

    Facebook ist eben KEIN Marktplatz, sondern in erster Linie ein privates Netzwerk, welches unter bestimmten Voraussetzungen auch die Anwesenheit von Marken akzeptiert. Es macht mich krank zu lesen, dass dies immer noch nicht zum geltenden Konsens unter Fachleuten gehört – wenn gleich empirische (!) Forschung bislang kein gegenteiliges Ergebnis zutage fördern konnte.

    Das führt mich zu einem meiner Lieblingsthemen: Die Fachpraxis von Social Media Menschen. Wer nicht akzeptieren kann, dass soziale Netzwerke kein Marktplatz sind, sondern im Kern durch Entwicklung und Herkunft nicht einmal im Entferntesten auf die Monetarisierung auslegt (Erinnern wir uns gemeinsam, dass es ein Studentennetzwerk war), dem fehlt ein Teil der virtuellen Realität.

    Damit möchte ich weder Sie noch Andere persönlich angreifen, sondern dies ist lediglich die einzig mögliche Konsequenz aus den getätigten Aussagen, wenn man diese ins Verhältnis zur Einstellung von Nutzern (Sie selbst schreiben, dass sie das Ausscheiden privat akzeptieren können) und der damit verbundenen Erforschung derartiger Phänomene setzt.

    Antwort

  2. Ich möchte jedoch noch auf einige weitere Punkte hinweisen, die mir etwas verquer aufstoßen:

    Sie verweisen auf die Early Adopter + die damit verbundene Entwicklung von Innovationen. Tatsächlich sind es aber nicht diese Personen, die Facebook verlassen. Wenn Sie sich genau anschauen, welche Personenkreise die Plattform verlassen, von ihr fern bleiben und dies neben mir auch noch öffentlich kund tun (Gern verweise ich hier auf die NEON Ausgabe von vor einigen Monaten), dann werden Sie feststellen müssen, dass es in der Hauptsache vor allem eine Frage des Bildungsstandes sind.

    So sind es doch vor allem kritische Menschen, die sich von der zunehmenden Eroberung des Marktplatzgedankens lossagen und damit aufgrund der äußeren Einflüsse die Entscheidung treffen, Accounts nicht zu nutzen oder gar zu löschen (Die Hindernisse der letzteren Entscheidung sind ja hinlänglich diskutiert worden.)

    Ihre Aussage bezüglich dem Wert der Plattform für Kultureinrichtungen halte ich übrigens auch bedenklich: Vielleicht fasse ich jedoch den Begriff auch nur etwas weiter. Eine Musikschule hat zB durchaus Zulauf der in der beschriebenen Altersgruppe liegt.

    Es kommt wohl eher darauf an – und das finde ich durchaus das positive Fazit Ihres Beitrags – mit welchem Ziel man dort auftritt: Man kann sich ja auch als ein Teil der Plattform darstellen und dies wird – gestützt durch Forschung – sogar als gangbarer Weg dargelegt.

    Abschließend – um Ihnen den Wind bzgl. meines inzwischen ganz gelöschten und seit mehr als 6 Monaten unbenutzten Accounts aus den Segeln zu nehmen – möchte ich Ihnen meine 5 Gründe dagegen mitteilen:

    1. Facebook greift immer mehr auf Daten zu

    Man kann von der Dezentralisierung des Webs halten, was man will. Tatsächlich verfügt Facebook über eine unglaubliche Menge an Big Data, die eigentlich nichts damit zu tun haben. Die Verlinkungen und Vernetzungen quer durchs ganze Netz haben eine neue Kultur erschaffen: Die LIKE Economy (vgl. gleichnamiger Beitrag).

    Wer nun mehr das Internet auch ohne Facebook bzw. Verfolgung durch Facebook nutzen möchte, hat es heutzutage schwer: So werden viele Daten ausgelesen, von denen nur die Wenigsten wissen.

    2. Warum soll jemand die Möglichkeit haben auf meine Netzwerke zuzugreifen

    Wenn morgen ein Mensch an meiner Tür klingelt und darum bittet, dass ich ihm meine besten Freunde vorstelle inkl. deren Interessen, dann würde ich das nicht tun.

    Warum also soll ich – viele tun dies unbewusst – durch das Nutzen einer App irgendwelchen Anbietern genau das erlauben?

    3. Marketing geht auch ohne Facebook: Gezielter Ressourceneinsatz

    Eigentlich ist Facebook doch nur ein Synonym, das Menschen dazu dient, dem unschicken Wort soziale Netzwerke einen schöneren (vorstellbaren) Anstrich zu geben. Damit genügt das Ganze der engeren Markentheorie.

    Wenn man aber sich überlegt, ob man die Inhalte, die man via Facebook verbreitet, nicht über die vorhandenen Spezialplattformen anbietet zB Videos bei YouTube, dann könnte man dort vielleicht manches Mal aufgrund der fehlenden Normierung (Edge Rank / Edge Author) eine bessere Basis zur Kommunikation finden.

    4. Was ist so ein Like eigentlich wert? Nicht mehr als eine Momentaufnahme

    Tatsächlich kann man Likes jetzt mathematisch berechnen – aber selbst dabei geht es immer in Abhängigkeit zur Aktivität der User auf der Seite. Ich glaube, dass wir alle viele Seiten kennen, die durch viele Likes und wenig Aktivität glänzen.

    Ist das nun ein unternehmerischer Mehrwert?

    5. Ich fühle mich machtlos – und zwar doppelt: Plattform und Kunden gegenüber

    Eigentlich müsste ich dank Facebook jeden Tag zig Mails an Kunden schicken, um die wichtigsten Entwicklungen zu dokumentieren und auf zig Kleinigkeiten, die sich an einem einzigen Tag verändert haben, hinweisen. Das ist nicht nur mir, sondern auch meinen Kunden zu stressig.

    Wer also nicht die Zeit und die Lust und die Laune hat, stets die aktuellen Abmahnvorgänge zu prüfen und in ein Verhältnis zu setzen, wird unweigerlich um den Abschied von der Plattform anstelle von Zahlungen für (durchaus strittige) Verstösse nicht umhin kommen.

    Fazit: Ich möchte Facebook nie mehr nutzen. Wenn Kunden und Interessenten für sich entscheiden, dass sie mit all den Wenns und Abers leben möchten, dann helfe ich Ihnen sach- und fachgerecht mit der Umsetzung – und schreibe tausend E-Mails, um stets die neusten Entwicklungen mitzuteilen.

    Antwort

  3. Liebe Frau Heder,
    danke für Ihre beiden ausführlichen Kommentare. Ein paar Punkte kann ich so allerdings nicht stehen lassen. Den “provokanten Untertitel” habe ich gar nicht erwähnt, kritisiert habe ich lediglich die Briefform und dieses Format haben Sie, so vermute ich, freiwillig gewählt.

    Wenn Ihnen Facebook nichts bringt, dann gibt es keinen Grund, dort weiter aktiv zu sein, hierin gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht. Aber woher wissen Sie, dass Facebook all Ihren Kunden nichts bringt? Spätestens wenn Facebook und Microsoft sich mit einer verbesserten Suche Google gegenüber in Stellung bringen, komme ich an Facebook nicht mehr vorbei, so wie es heute auch Sinn macht, auf Google+ präsent zu sein, um in dessen Suchmaschinenranking nicht unterzugehen. Sie können das gerne kritisieren, ich tue es auch, aber das ist die Realität und Sie werden mir zustimmen, dass Aktivitäten in einem dezentralen Netzwerk aus vielerlei Gründen sinnvoll sind, die Auffindbarkeit Ihrer Kundenseiten dadurch aber nicht erleichtert wird.

    Ich stimme auch nicht mit Ihnen überein, dass Facebook kein Marktplatz ist. Sie können heute auf Facebookseiten Musik, Bücher, Klamotten und ich weiß nicht was käuflich erwerben und sogar Filme gegen Bezahlung online streamen. Dass Facebook als soziales Netzwerk entstanden ist, ist mir klar. Ich verstehe auch deren Wirkungsweise, eines meiner Blogposts zu diesem Themaist mittlerweile sechs Jahre alt.

    Ich fasse den Begriff Marktplatz darüber hinaus etwas weiter und würde eher von einem Marktplatz im Sinne der Agora sprechen, ganz im Sinne des Cluetrain-Manifests, das ja auch gleich eingangs behauptet, Märkte seien Gespräche. Darüber hinaus bezeichne ich Facebook aber auch deshalb als Marktplatz, weil dort Unternehmen die Möglichkeit haben, gegen Bezahlung ganz gezielt Usergruppen mit Werbung zu erreichen. ist also der Ort, wo Unternehmen ihre (potenziellen) Kunden ansprechen können. Ob ich das gut finde und ob es nicht andere Orte im Netz gibt, wo Unternehmen die UserInnen besser erreichen und ansprechen können, steht auf einem anderen Blatt. Ich würde sagen, ja, diese besseren Plätze gibt es, aber das heißt nicht, dass Facebook überflüssig ist.

    Ob es nur kritische Menschen sind, die Facebook verlassen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe sicher eine relativ kritische Einstellung gegenüber allen Netzwerken und habe meinen Account noch nicht gelöscht. Und wenn ich mir dann auf der anderen Seite die Kommentare zu Facebookartikeln in den klassischen Medien durchlese, dann behaupte ich, sind es nicht nur die kritischen User, die sich von Facebook verabschieden.

    Stichwort Datenschutz und Urheberrecht: Ich hoffe, Sie sind beim Thema Datenschutz auch in anderen Bereichen so konsequent und verzichten zum Beispiel auf Ihr Handy, schließlich geben Sie dort auch einen Großteil Ihrer Rechte auf. Auch Ihre Behauptung, ein Unternehmen würde durch Hochladen seines Logos auf Facebook alle Rechte daran verlieren, ist zwar durchaus polemisch, aber auch ohne großartige Expertenkenntnisse weiß ich, dass mir niemand das Urheberrecht an einem Logo nehmen kann. Auch Facebook nicht.

    zu Ihren Gründen, die gegen die Verwendung von Facebook sprechen:

    1. “Facebook greift immer mehr auf Daten zu”: Ja stimmt, aber leider nicht nur Facebook. Der einzige Weg, wie wir als User, Bürger, etc. der Datensammelwut von Unternehmen und Staat begegnen können, heißt Medienkompetenz und ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten. Auf Facebook zu verzichte, ist keine Lösung und vor allem inkonsequent, denn es ist eben nicht nur dieses eine Unternehmen, das sich durch seine Datensammelwut auszeichnet, Stichwort Google, Stichwort Kundenkarten.

    2. “Warum soll jemand die Möglichkeit haben, auf meine Netzwerke zuzugreifen?” Ihre Kunden sind eigentlich eher die, die an den Daten der User interessiert sind. Insofern geben Sie da jetzt der falschen Seite Ratschläge. Aber Sie können ja auf Apps verzichten, ich hoffe aber, dass auch auf Ihrem Smartphone keine App zu finden ist, dort ist das Prozedere ein ähnliches.

    3. “Marketing geht auch ohne Facebook”: Ja, mag sein, aber das gilt garantiert nicht für alle. Facebook ist ein Teil des Social Media-Mix und so ganz einfach ist es nicht, Gründe zu finden, die für Twitter, YouTube, Pinterest, etc. und gegen Facebook sprechen.

    4. “Was ist so ein Like eigentlich wert?” Einfache Frage, einfache Antwort: Nichts, aber das heißt nicht, dass man deshalb auf Facebook verzichten sollte. Den ROI finden Sie auf einer ganz anderen Ebene, aber dazu gibt es hier mittlerweile genügend Blogbeiträge. ;-)

    5. “Ich fühle mich machtlos – und zwar doppelt: Plattform und Kunden gegenüber.” Einer Plattform gegenüber kann ich mich nur machtlos fühlen, wenn ich mich ihr ausliefere. Wenn auf Facebook nur ein Teil Ihrer Aktivitäten stattfindet, dann sollte es diese Machtlosigkeit eigentlich nicht geben. Was Ihre Kunden angeht, kann ich dazu logischerweise nichts sagen. Aber wie ist das dann auf Twitter? Haben Sie dort gegenüber der Plattform und Ihren Kunden ein besseres, weniger hilfloseres Gefühl?

    Ihr Fazit teile ich aus den genannten Gründen nicht, aber wir müssen auch nicht einer Meinung sein. Es sollte jeder zu seinen eigenen Ergebnissen kommen. Was Facebook, aber auch viele andere Dinge betrifft…

    Antwort

  4. Lieber Hr. Henner-Fehr,

    ich erlaube mir sukzessive zu Ihrer Antwort meine Sicht der Dinge – leider gibt es erneut Klarstellungsbedarf – in Ihren Texte hineinzuschreiben. Ihre Teile habe ich als Zitat gekennzeichnet und erlaube mir meine Antworten mit Abstand hineinzuschreiben.

    “…Den “provokanten Untertitel” habe ich gar nicht erwähnt…”

    Dazu möchte ich auf Ihre Aussage bzgl. der Kommerzialisierung im Ursprungstext verweisen. Hierbei hatte ich lediglich darauf hingewiesen, dass es nicht “ok” ist, wenn man gegen Entgelt Dienstleistungen anbietet, die dem Selbstzweck des Netzwerks widersprechen. Denn auch wenn es diese Möglichkeiten gibt, heisst es noch lange nicht, dass die User das akzeptieren bzw. dass ein solches Vorgehen gewinnbringend ist.

    “… Aber woher wissen Sie, dass Facebook all Ihren Kunden nichts bringt?…”

    Das habe ich nicht gesagt: Die Frage ist, was bringt es meinen Kunden konkret. In aller Regel wünschen sich diese hochwertiges Feedback, um Produkte weiterzuentwickeln und/oder mehr über die Menschen hinter den Likes zu erfahren, um deren Bedürfnisse besser zu erfassen. Das ist aber mit dem reinen Drücken auf “LIKE” doch etwas zu wenig.

    “…Spätestens wenn Facebook und Microsoft sich mit einer verbesserten Suche Google gegenüber in Stellung bringen, komme ich an Facebook nicht mehr vorbei, so wie es heute auch Sinn macht, auf Google+ präsent zu sein, um in dessen Suchmaschinenranking nicht unterzugehen. Sie können das gerne kritisieren, ich tue es auch, aber das ist die Realität und Sie werden mir zustimmen, dass Aktivitäten in einem dezentralen Netzwerk aus vielerlei Gründen sinnvoll sind, die Auffindbarkeit Ihrer Kundenseiten dadurch aber nicht erleichtert wird…”

    Das rekurriert doch eher auf die Frage, wo und auf welchem Weg Kunden ihre Interessenten generieren: Das kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen und bis vor Kurzem spielte das Suchmaschinenpotential für mich keine Rolle.

    Da Sie ja auch sehr aktiv in meinem Blog gelesen haben, wird Ihnen der Artikel zum Suchverhalten der Deutschen nicht entgangen sein. Faktisch suchen die Menschen mehr auf Ebay, Amazon und Co. als bei Google. Woran liegt das? Sie wollen eine größtmögliche Neutralität in den Ergebnissen und keine Werbung – also eine ähnliche Kritik wie in den sozialen Netzwerken.

    Tatsächlich scheint es also menschlich zu sein, immer dann auszuweichen, wenn einem die Werbung förmlich aufgedrängt wird und man sich in der eigenen Freiheit bedrängt fühlt.

    “…Märkte seien Gespräche…”

    Und erfordert nicht gerade dies die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten?

    “… aber das heißt nicht, dass Facebook überflüssig ist…”

    Habe ich auch mit keinem Wort behauptet.

    “…Auch Ihre Behauptung, ein Unternehmen würde durch Hochladen seines Logos auf Facebook alle Rechte daran verlieren, ist zwar durchaus polemisch, aber auch ohne großartige Expertenkenntnisse weiß ich, dass mir niemand das Urheberrecht an einem Logo nehmen kann. Auch Facebook nicht…”

    Dann schauen Sie bitte in die AGB: Dort treten Sie die Recht an jedem Bild – also auch an einem Logo – durch das Hochladen auf Facebook ab. Ob Facebook davon Nutzen macht, steht auf einem anderen Blatt. Faktisch ist diese in Ihren Augen polemische Bemerkung nichts anderes als die Umsetzung der AGB auf den konkreten Fall.

    “… Auf Facebook zu verzichte, ist keine Lösung und vor allem inkonsequent, denn es ist eben nicht nur dieses eine Unternehmen, das sich durch seine Datensammelwut auszeichnet, Stichwort Google, Stichwort Kundenkarten…”

    Richtig, aber Erstens steht mein Umgang mit Google hier nicht im Fokus, sondern es geht um Facebook. Zweitens sollten Sie den zitierten Artikel, dessen genaue Autorenangaben ich Ihnen gerne nachreichen will, lesen und dann können wir uns gern darüber austauschen. Meine Darstellung war verkürzend und paraphrasiert: Fakt ist, dass Google lange nicht so spezifisch auf Daten zugreift und im Internet durch Likebuttons eine Zwischenstruktur zwischen Anbietern und sozialem Netzwerk spannt.

    Das Auslesen von Daten ist hierbei sogar eine untergeordnete Kategorie.

    “…2. “Warum soll jemand die Möglichkeit haben, auf meine Netzwerke zuzugreifen?” Ihre Kunden sind eigentlich eher die, die an den Daten der User interessiert sind. Insofern geben Sie da jetzt der falschen Seite Ratschläge…”

    Ist es nicht unsere aller Aufgabe aus Sicht der Kunden zu schauen, wie wir die Inhalte so vermitteln, dass sie angenommen und nicht abgelehnt werden? Insofern gibt es doch gar keine falsche Seite, sondern das Ziel muss doch gerade sein ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen – und das gibt es wohl kaum, wenn man eine Hierarchie hat bzw. die Reziprozität nicht stimmt.

    “… Den ROI finden Sie auf einer ganz anderen Ebene…”
    Eben nicht: Der ROI in Form von Meinungsäußerungen, die Innovationsprozesse etc. anstossen findet sehr selten statt. Gerade für KMU ist es sehr schwer die Kunden zur Interaktion zu bewegen, die über ein Like hinausgeht. Wenn Sie zB einfach das Verhalten der User auf G+ vergleichen, wo Diskussionen zur Kultur gehören, dann werden auch Sie sagen müssen, dass dies einen qualitativ viel höheren Output ermöglicht.

    “…5. “Ich fühle mich machtlos – und zwar doppelt: Plattform und Kunden gegenüber.” Einer Plattform gegenüber kann ich mich nur machtlos fühlen, wenn ich mich ihr ausliefere….”

    Aber tun wir nicht genau das: Wir sind den täglichen Veränderungen ausgeliefert und können nur versuchen ständig Privatsphäre und Co. so zu überarbeiten, dass private Inhalte auch privat bleiben bzw. aus Unternehmenssicht, dass wir Abmahnungen vermeiden.

    Diese Wartungsintensität gibt es auf keiner anderen Plattform.

    “…Aber wie ist das dann auf Twitter? Haben Sie dort gegenüber der Plattform und Ihren Kunden ein besseres, weniger hilfloseres Gefühl?…”

    Natürlich, weil Sie weder Nutzung noch Aufbau vergleichen können: Da hätten Sie besser nach G+ fragen können. Danke auch noch einmal, dass Sie mir gefolgt sind.

    Tatsächlich gibt es bei Twitter a) weniger Veränderungen, die aktives Handeln bedürfen, b) ist die Form der Werbung – zumindest aus meiner Sicht – viel ruhiger und weniger aufdringlich und c) was die Privatsphäre angeht, gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Komplett privat oder komplett offen. Das macht die anfallende Arbeit einfach.

    Bei Twitter können Unternehmen überdies auch ganz anders agieren, weil die Plattform anders funktioniert, deshalb stimme ich Ihnen in einem Teil des Fazits zu: Jeder sollte zu seinen Ergebnissen kommen. Es sollte aber auch genauso respektiert werden, wenn ich eine andere Meinung vertrete – und diese sehr klar begründen kann. Es war Ihre Entscheidung meine Meinung zu nehmen und einen Teil davon herauszulösen, um diesen hier in einen allgemeineren Kontext zu rücken.

    Ich für meinen Teil hätte mir gewünscht, dass man vielleicht dort diskutiert, wo der Beitrag ursprünglich steht – denn dort gehören derlei Diskussion über die inhaltliche Ausgestaltung hin und nicht in einen – bitte entschuldigen Sie – in Teilen polemischen Blogbeitrag auf einer anderen Plattform.

    Ihr Fazit teile ich aus den genannten Gründen nicht, aber wir müssen auch nicht einer Meinung sein. Es sollte jeder zu seinen eigenen Ergebnissen kommen. Was Facebook, aber auch viele andere Dinge betrifft…

    Antwort

  5. Wow, so lange Beiträge und Diskussionen hätte ich nicht erwartet. Ich versuche es immer in den Facebook Kursen und Diskussionen immer wie folgt zu sagen:
    Ich überlege mir immer sehr genau, was ich von mir zeige. Ich erzähle, zeige auf Facebook im Netz nur das, was ich auf einem Marktplatz oder z.B. einer Ausstellung auch erzählen würde. Ich brauche mich doch nicht beschweren, wenn jemand “mithört” und es zur Verbesserung des Marktplatzes nutzt. Ich mache dieses doch auch bei meinen Ausstellungen. Für mich ist Facebook Kommunikation und jeder der mir zu hört, erfährt immer mehr über mich und meine Gesprächspartner. Ich kann doch der Firma Facebook oder einen anderen keine Vorwurf daraus machen, zu mal die Geschäftsinteressen von Facebook bekannt sind, genauso wie die des Betreibers eines Marktplatzes oder meine wenn ich Ausstellungen ausrichte.
    Mein Interesse ist es neue Kontakte auf Facebook zu knüpfen, mich auszutauschen, mit meinen Bildern viele Menschen mit meinen Bildern zu begeistern, mit den Menschen über meine Bilder zu “reden”, Partner für Ausstellungen zu finden, die Menschen im realen Leben zu treffen, mich mit ihnen im realen Leben genauso auszutauschen wie im Netz und und…. auch Bilder, Kalender, Lehrgänge und Dienstleistungen zu verkaufen.
    Klar ist es toll im Netz direkt Bilder zu verkaufen aber es ist wesentlich schöner, die Menschen wirklich kennen zu lernen. Facebook ist für mich nur eine Art der Kommunikation. Eine sehr interessante und gute ;-) Ich zahle (!) für die Bereitstellung dieser Plattform mit meinen Informationen und Daten, denn die Fa. Facebook muss als Carrier seinen Aufwand bezahlen und Geld verdienen. Geld verdienen ist Geschäftszweck jeder Firma. Geld verdienen, ist die Grundlage unseres Sozialwesen, denn durch die Steuern werden alle öffentliche Einrichtungen bezahlt.
    In dem Sinne – wünsche ich eine erfolgreiche Kommunikation.
    Beste Grüße – Frank Koebsch

    Antwort

    • Lieber Hr. Henner-Fehr,

      ich glaube einfach, dass unsere Perspektive etwas anders ist: Ich beziehe mich bei vielen Aussagen nicht auf meine private Meinung, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die in aller Regel auf empirischer Forschung basieren.

      Das mag für Sie vielleicht ein falscher, fragwürdiger oder polemischer Ansatz sein, aber ich erhebe mich nicht dazu, meine Meinung für eine ganze Reihe von Menschen als Lebensrichtung vorzugeben. Das geht nicht gegen Sie, sondern ist einfach eine Klärung, woraus sich aus meiner Perspektive einige Missverständnisse ergeben.

      Wie bereits zuvor erlaube ich mir Ihnen in Zitierform zu antworten. Kurz vorab: Danke für die Blumen, aber ich finde, dass meine Position erklär- und nachvollziehbar ist. Deshalb halte ich nichts von Verkürzungen in Pauschalisierungen und nehme mir den Platz, den ich zur Klarstellung brauche ;-)

      “… dass die Plattform mal als privates Netzwerk entstanden ist, aber heute gilt das einfach nicht mehr. Auch der Börsengang des Unternehmens zeigt ja auf, wohin die Reise geht. Wer das nicht akzeptieren will, der löscht seinen Account und geht…”

      Zum Einen finde ich das sehr wagemutig, weil viele Menschen sich ja auf dem Weg dorthin, wo Facebook heute steht, angemeldet haben + die Veränderungen durchaus nicht so absehbar waren. Ergänzt wird dieses zum Anderen dadurch, dass man von Teilnehmern nicht erwarten kann, das Thema in der Tiefe zu analysieren wie wir das hier diskutieren.

      Was erlebt denn der User wirklich?

      Auf einmal kommen Werbeanzeigen, zig Einladungen zu zig Dingen kommen, man klickt und klickt und irgendwann verliert man den Überblick: Deshalb sage ich ja ua. auch, dass es sich um eine sehr umfangreiche Plattform handelt und man vorsichtig sein sollte, was man genau klickt.

      “…Sie reduzieren die Interaktion auf Facebook auf das Anklicken des Like-Buttons. Man kann zu Facebook stehen wie man mag, aber die Plattform hat schon etwas mehr zu bieten als diesen einen Button. Schauen Sie sich mal die Gruppen an, da spielt er überhaupt keine Rolle…”

      Richtig ist, dass ich sage, das viele Menschen damit überhaupt interagieren. Sie wollen doch nicht etwa die Diskussionskultur von Google + mit Facebook vergleichen oder?

      “…Mit der neuen Social Graph-Suche wird das Thema SEO noch wichtiger. Nur darauf hinzuweisen, dass es in der Vergangenheit keine Rolle gespielt hat, reicht heute nicht mehr. Zumindest für Sie als Beraterin, denke ich. Und nein, die Menschen suchen nicht faktisch mehr bei Ebay und Amazon, sondern nach wie vor auf Google. Nachzulesen in Ihrem eigenen Blogpost…”

      Wenn ich mich selbst paraphrasieren darf: Ich bloggte zu dem Thema und sie suchen dort, aber die TENDENZ – und darin sehe ich ja meine Aufgabe als Beraterin derlei aufzuzeigen – geht eindeutig woanders hin, weil die Menschen nicht mehr vorgekauten Mist sehen wollen.

      Wenn wir das mal ins Philosophische heben, dann stellt der Mensch im Social Web einen Anspruch, den er im wahren Leben nicht immer hat: Selbstbestimmung. Wir akzeptieren Werbung im TV, weil wir es oft nicht anders kennen bzw. der Unterschied zwischen RTL und ARD jedem von uns in der Qualität klar ist. Im Social Web gab es aber erst nur RTL ohne Werbung und nun wird es zu ARD mit Werbung.

      Konkret: Der kategorische Imparativ wird umgesetzt + die Meisten sind noch gar nicht darauf vorbereitet.

      “…Wenn Sie der Meinung sind, dass Facebook das Recht hat, die Logos anderer Unternehmen zu verwenden, dann soll das so sein. Klar ist aber, dass die Betreiber von Plattformen wie YouTube, Twitter, etc. ähnliche AGBs haben und Sie der Plattform weitreichende Zugeständnisse hinsichtlich der Nutzung Ihrer Bilder machen. Warum Sie dann auf Twitter oder YouTube aktiv sind, Facebook aber deswegen kritisieren und ablehnen, kann ich nicht nachvollziehen…”

      Ich habe mir die Mühe gemacht nachzulesen und vielleicht können Sie mir die Stellen zeigen, auf die ich rekurriere. Der Vollständigkeit halber: Ich nutze YouTube gar nicht. Ich habe lediglich ein G+ Profil, worin ein YouTubeKonto automatisch enthalten ist ;-)

      “…Noch ein letzter Punkt, der ROI: So wie Sie das darstellen, kann das mit dem ROI gar nicht funktionieren. Der ROI drückt sich nur in einem Geldbetrag aus, sonst ist es kein ROI. Damit ist auch klar, dass Sie auf der Ebene der Social Media vermutlich nie einen ROI berechnen können. Mit übergeordneter Ebene meinte ich zum Beispiel: Sie senken die Kosten für jeden Neukunden um 10%. Eines der Instrumente könnte Facebook sein, aber Sie werden nie den Wert eines Fans in Euro ausdrücken können, weil da viel zu viele andere Faktoren mit hineinspielen…”

      Ich stelle gar nichts dar, sondern da wenden Sie sich bitte an den Erfinder der entsprechenden Formel für LIKES. Der stellt dar und ich verweise darauf. Insofern: Not my theme.

      Ihre dreiste Unterstellung, wozu ich in der Lage bin oder nicht, überlese ich dann dezent mal und frage statt dessen zurück, ob es die Qualität Ihres Postings hebt, wenn Sie derartige Dinge schreiben, die Sie selbst gar nicht wissen können?

      Tatsächlich ist es doch anders: Die Berechnung des ROI ist – um Sie auch hier auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand zu bringen – umstritten, da die Möglichkeiten ihn zu messen zu unterschiedlich ist. Geld ist zB nur eine Möglichkeit und der ROI ist doch auch stets in Abhängigkeit zum Ziel zu messen – was, wenn das Ziel nicht monetär ist? Was, wenn es zB darum geht die Sichtbarkeit zu steigern? Was, wenn das Social Web vielleicht doch unterschiedliche Ansätze anbietet und Sie einfach mal drüber nachdenken müssen, ob Ihre Ansätze nachprüfbar sind oder doch nur Ihre eigene Meinung ausdrücken?

      Kurzum: Sie haben sich die Antwort auf all diese Fragen schon selbst gegeben, indem Sie sagten, dass es durchaus unterschiedliche Ansätze und Meinungen gibt – so lassen Sie mir doch die Meine und sich doch die Ihre. Ich bin mir sicher, dass wir beide eine große Schnittmenge haben, die nicht allzu weit voneinander entfernt ist.

      Trotz allem möchte ich Ihnen danken für diesen hochwertigen und qualitativen Austausch: Ich bin mir sicher, dass viele Leser Ihres Beitrags nun eine wirklich komplexe Grundlage dafür haben, eine Entscheidung über Bleiben oder Gehen treffen zu können.

      Damit haben wir beide unser Ziel erreicht – klingt gut, finde ich.

      Antwort

  6. Zum 21. April, Welttag der Poesie, hab ich über Facebook einen Theaterabend organisiert, bei dem zehn AutorInnen (neun fb-Freunde, ein Externer) aus der Region gelesen und drei MusikerInnen gespielt haben. “Casting”, Event-Annoncen, Nachbereiten – alles per facebook (hier nachzulesen: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10200375121973980.1073741826.1633188244&type=3)

    Heute hab ich meine erste Radiosendung “Kulturradio” gemacht, zwei Stunden, live, mit “Gästen” per Telefon aus Kiel, per Skype aus Wien (Interview mit Walter Baco: http://www.freefm.de/node/16200 ) und per fb mit sehr schönen Interaktionen. Das Annoncieren der Sendung über fb hat dieses Zuhörerinteresse gebracht.

    Diese erste Sendung macht Mut und Lust auf weiteres Engagement. Die Möglichkeiten sind längst nicht ausgeschöpft.

    Es hat verdammt Spaß gemacht. Und die ZuhörerInnen in der Region waren mehr als zufrieden.

    Das sind ja jetzt nur minimale Beispiele. Wenn Ihr mal sehen könntet, wie eine lokale Sportmannschaft binnen einen Jahres über fb ihren Neuaufbau und den ganzen Betrieb organisiert hat, würde der eine oder die andere auch staunen. Ohne fb (und ein zwei andere Wege) wäre gar nichts gelaufen. Ich zeige nur mal die page https://www.facebook.com/SpartansFootballNeuUlm.
    Daneben gibt es verschiedene geschlossene Gruppen.
    Unter anderem coacht der Headcoach einzelne Spieler mit Mini-Videos (6 – 8 Sekunden), die er in der geschlossenen Gruppe online stellt und mit Kommentaren versieht.

    Ich frag mich als Theatermacher schon lange nicht mehr, ob ich über fb Eintrittskarten verkaufen kann. Das Spektrum ist so vielfältig, da spielt der Verkauf nur noch eine untergeordnete Rolle.

    Antwort

  7. Liebe Frau Heder,
    ich sehe das komplett anders wie Sie. Wenn es in den Nutzungsbedingungen von Facebook heißt: “Unser Ziel ist es, Werbeanzeigen und kommerzielle Inhalte, die für unsere Nutzer und Werbetreibende wertvoll sind, zuzustellen”, dann können Sie zwar behaupten, dass die Plattform mal als privates Netzwerk entstanden ist, aber heute gilt das einfach nicht mehr. Auch der Börsengang des Unternehmens zeigt ja auf, wohin die Reise geht. Wer das nicht akzeptieren will, der löscht seinen Account und geht.

    Sie reduzieren die Interaktion auf Facebook auf das Anklicken des Like-Buttons. Man kann zu Facebook stehen wie man mag, aber die Plattform hat schon etwas mehr zu bieten als diesen einen Button. Schauen Sie sich mal die Gruppen an, da spielt er überhaupt keine Rolle.

    Mit der neuen Social Graph-Suche wird das Thema SEO noch wichtiger. Nur darauf hinzuweisen, dass es in der Vergangenheit keine Rolle gespielt hat, reicht heute nicht mehr. Zumindest für Sie als Beraterin, denke ich. Und nein, die Menschen suchen nicht faktisch mehr bei Ebay und Amazon, sondern nach wie vor auf Google. Nachzulesen in Ihrem eigenen Blogpost. ;-)

    Wenn Sie der Meinung sind, dass Facebook das Recht hat, die Logos anderer Unternehmen zu verwenden, dann soll das so sein. Klar ist aber, dass die Betreiber von Plattformen wie YouTube, Twitter, etc. ähnliche AGBs haben und Sie der Plattform weitreichende Zugeständnisse hinsichtlich der Nutzung Ihrer Bilder machen. Warum Sie dann auf Twitter oder YouTube aktiv sind, Facebook aber deswegen kritisieren und ablehnen, kann ich nicht nachvollziehen.

    Noch ein letzter Punkt, der ROI: So wie Sie das darstellen, kann das mit dem ROI gar nicht funktionieren. Der ROI drückt sich nur in einem Geldbetrag aus, sonst ist es kein ROI. Damit ist auch klar, dass Sie auf der Ebene der Social Media vermutlich nie einen ROI berechnen können. Mit übergeordneter Ebene meinte ich zum Beispiel: Sie senken die Kosten für jeden Neukunden um 10%. Eines der Instrumente könnte Facebook sein, aber Sie werden nie den Wert eines Fans in Euro ausdrücken können, weil da viel zu viele andere Faktoren mit hineinspielen.

    Ihre Kritik, die Diskussion nicht dort zu führen, wo der Originalbeitrag steht, kann ich nachvollziehen. Mir ging es aber in meinem Blogpost nicht ausschließlich um Ihren Beitrag, sondern um die generelle Tendenz, das Ende von Facebook herbeizuschreiben. Mein Beitrag mag polemisch sein, aber sein Sie ehrlich, Ihr Brief an Facebook ist das auch. ;-)

    @Frank: So ähnlich sehe ich das auch. Ich finde es auch in Ordnung, wenn jemand zu dem Ergebnis kommt, Facebook nicht nutzen zu wollen. Nur als Berater kann ich mir so einen Schritt bei Facebook nicht vorstellen.

    @Heinz: Der letzte Absatz scheint mir wichtig, die klassische Einteilung in Vertrieb, Verkauf oder Kommunikation ist so nicht mehr haltbar. Nicht ohne Grund gibt es den Begriff des “Social Business”.

    Antwort

  8. Liebe Frau Heder,
    gut, belassen wir es dabei. Ich bin kein Wissenschaftler und will auch keiner sein, sondern versuche auf das zu reagieren, was im Social Web passiert. Dieser Artikelzeigt recht deutlich, wohin die Reise bei Facebook gehen wird. Damit beschäftige ich mich und versuche zu verstehen und zu erklären, inwieweit Kultureinrichtungen davon profitieren können.

    Antwort

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