Let's Party
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Heinz Koch: Let’s Party (Gastbeitrag)

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© Heinz Koch

Normalerweise beklagen sich kleine Kultureinrichtungen, dass sie zu wenig Ressourcen haben, um Social Media nutzen zu können. Claudia Riese und Heinz Koch, die seit vielen Jahren das private Theater Neu-Ulm leiten, sehen das etwas anders. Gerade haben sie ihr altes Theater verlassen (müssen) und sind nun dabei, sich ein neues Haus zu schaffen. Dabei setzen sie voll auf Social Media und informieren nicht nur in ihrer Facebookgruppe über den aktuellen Stand. Und natürlich über die Abschiedsparty, auf der die Abrissband spielte. Danke an Heinz Koch für sein Plädoyer, warum Theater auf Social Media setzen sollten. Und wer sie beim Bau des neuen Hauses unterstützen möchte, kann sich hier darüber informieren.

© Heinz Koch

Was spricht der Bestsellerautor Paulo Coelho? Das: „Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen.“  Und weiter:  „Einer der wichtigsten Teile im Leben eines Autors ist es, direkt mit seinen Lesern in Kontakt zu treten. Dadurch versteht man sich selbst besser. Es hilft mir als Mensch, nicht nur als Schriftsteller. Gestern habe ich mit einem Freund aus Montenegro gesprochen, der mir von montenegrinischen Legenden erzählte, dann habe ich mit einem Chinesen gechattet. Sie sind meine Freunde, auch wenn ich sie physisch nie getroffen habe. Ich unterhalte mich mit ihnen, ich lerne extrem viel und habe extrem viel Spaß dabei. Es ist, als würde man in eine Bar gehen. Schriftsteller sollten unbedingt in Bars gehen!“

Ich bin kein Schriftsteller, ich bin Theatermacher und Stückeschreiber. Ich gehe in Bars. Eigentlich hab ich kein Wohnzimmer. Ich gehe in Bars. Und ins Büro. Ich habe nur 1.493 Freunde auf Facebook; und wie viele im Monat mein Blog lesen, dürfte im niedrigen zweistelligen Bereich liegen.

Ich finde – wie Paulo – twittern ist Kunst. Und im Gegensatz zu vielen facebookenden Kultureinrichtungen kommt es mir nicht auf das Steigern des Ticketverkaufs an.

Just am letzten Wochenende lief nach 16 Jahren der Mietvertrag für unsere bisherige Spielstätte ab. Das 110 Jahre alte kultige, aber morbide Bauwerk wird abgerissen. Da haben wir ne „Goodbye Konzertsaal“-Party geplant. Der Event wurde auf Facebook annonciert.  Auf die Bekanntgabe des Programms hin meldeten sich drei DJs, eine Band, drei Solomusiker und ein Freund, der für die geplante Jam-Session das Drumset  stellen wollte. Ein Sponsor fand sich für die DJ-Anlage. Dazu konnte jemand gefunden werden, der alte Fotonegative und eine VHS-Kassette digitalisieren konnte. Außerdem konnte ein Trailer zum Fest  geordert, bearbeitet und gepostet werden.

Am Nachmittag verhinderten hochsommerliche Temperaturen, am Abend ein Mords-Unwetter übermäßigen Publikumszuspruch. Gefeiert wurde bis um 5 in der Früh; und die Dank-feedbacks von Aktiven und ZuschauerInnen waren überschwänglich.  Ein solches Fest mit einem solchen Programm wäre in der Kürze der Zeit (14 Tage) ohne Facebook (und das Internet allgemein) niemals zustande gekommen. Auch die Meetings zur Absprache mit den Musikern liefen über ein web 2.0-Portal (Doodle).

Es wird bei uns im Theater im Herbst eine Reihe geben, zu der wir Paulo Coelho zwar nicht werden einladen können, aber so manchen Schriftsteller, der wie wir auf Facebook unterwegs ist. Die Reihe wird heißen „Facebookers live – lesen vis à vis“ (oder so ähnlich).  Es werden Autoren sein, die wir auf und durch Facebook (zur Not auch Twitter) kennen gelernt haben. Und diese Kontakte sind so wertvoll wie die zu Schauspiel-Kolleginnen und –Kollegen, welche bei uns gespielt haben oder möglicherweise spielen werden

Dass wir fast ausschließlich übers net casten, Dateien zwischen Designern und Printern oder Tonstudios hin- und herschieben (Dropbox, Google Drive) und auch sonst jede Menge Infos zum Theatermachen finden, von Stücken über Rezensionen und Reports bis hin zu diversen Theorie-Artikeln  (beispielsweise zum  Thema Kultur- und Kreativwirtschaft) ist nun schon so was von Alltag, dass wir es gar nicht mehr erwähnen.

Theatermachen mit zwei Leuten wäre ohne Facebook & Co (so) gar nicht möglich.

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