Die OrganisatorInnen des stARTcamp in München (2012)
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“aufbruch”-Konferenz und stARTcamp: zwei Tage Social Media in München

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Mit völlig neuen und überraschenden Ergebnissen der Twitterforschung wurden die TeilnehmerInnen des ersten stARTcamps in München konfrontiert.  Diese Form der Nachrichtenübermittlung in 140 Zeichen habe, so überraschte Christian Gries bei der Begrüßung am Samstag, ihre historischen Wurzeln in der Liedform des Gstanzl.  Der Auftritt eines Gstanzlsängers sollte diese These dann noch untermauern. Das tat er wohl ziemlich überzeugend, denn sofort begannen die Twitterati, die Geschichte von Twitter umzuschreiben. ;-)

Spaß beiseite: München erlebte an diesem Wochenende nicht nur das erste stARTcamp in München, sondern auch die Tagung „aufbruch.museen und das web2.0“. In den historischen Räumen der alten Münze trafen sich am Freitag mehr als einhundert KonferenzbesucherInnen, um sich über den aktuellen Status Quo von Social Media zu informieren. Der Unterschied zum letzten Jahr war unübersehbar: Themen wie (Transmedia)  Storytelling oder Culturecaching-Stadttour zeigten, dass es bei der zweiten Auflage dieser von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Janusmedia und mmc 2.0 organisierten Veranstaltung längst nicht mehr nur um die Grundlagen von Social Media ging. Da passt es ins Bild, dass von den nichtstaatlichen Museen in Bayern mittlerweile mehr als 60 im Social Web aktiv sind, wie Sybille Greisinger berichtete. Letztes Jahr waren es lediglich zwanzig. Die Entwicklung ist unübersehbar, zeigt aber auch, dass bei  rund 1.300 bayerischen Museen noch viel Luft nach oben ist.

Aber immerhin gibt es solche Konferenzen im Museumsbereich, während sich zum Beispiel die Theater da anscheinend noch sehr viel schwerer tun. Es gibt zwar die Kooperation zwischen dem Deutschen Bühnenverein und der stARTconference, aber eine eigene Konferenz vermisse ich noch. Schön ist aber, dass es Anfang Juni in Heidenheim ein von Christian de Vries initiiertes Operncamp geben wird. So wird der Theaterbereich langsam eingekreist und irgendwann ist es dann soweit.

Ich denke, es müsste noch sehr viel mehr solcher Konferenzen geben, um zu informieren, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. So wie dann am Samstag, an dem München das erste stARTcamp erlebte. Einmal in Fahrt, haben die vier OrganisatorInnen der „aufbruch“-Konferenz nämlich gleich auch noch ein stARTcamp drangehängt. Mein Kompliment gilt Sybille Greisinger, Tanja Praske, Christian Gries und Harald Link, die die beiden Tage perfekt organisiert haben. Als es am Morgen beim stARTcamp darum ging, das Programm festzulegen, war die Zahl derer, die aktiv zum Gelingen beitragen wollten, beeindruckend groß. Vorbei sind die Zeiten, wo sich niemand traut, seine Fragen loszuwerden oder ein eigenes Thema vorzuschlagen.


im Bild von links nach rechts: Tanja Praske, Christian Gries, Sybille Greisinger, Hararld Link (© Frank Tentler)

Ohne jetzt die zwei Tage inhaltlich Revue passieren zu lassen, möchte ich einige Punkte herausgreifen. Aufschlussreich war es für mich, wie stark mittlerweile die Inhalte im Vordergrund stehen. Ob transmedial oder klassisch auf ein Format beschränkt, das Erzählen von Geschichten gewinnt immer mehr an Bedeutung, wie die vielen Beispiele gezeigt haben. Meine persönlichen Favoriten waren dabei die Facebook-Inszenierung der Effi Briest des Maxim-Gorki-Theaters und die von Caspar Loesche für das Stadttheater Bern entwickelte transmediale Erzählung über die Afrikareise Vivienne von Wattenwyls in den Jahren 1923/24.

Probleme habe ich mit den zahlreichen Figuren, die sich mittlerweile auf Facebook und Twitter tummeln. Oftmals als persönliches Profil angelegt, was laut AGB auf Facebook verboten ist und deshalb dazu führen kann, dass der Account von Facebook ohne Vorwarnung gelöscht wird, fehlt mir bei diesen Figuren einfach der Spannungsbogen. Einfach nur täglich ein oder zwei Postings oder Tweets pro Tag online zu stellen halte ich für wenig zielführend, weil diese Inhaltsschnipsel selten so konzipiert sind, dass man sich voller Erwartungen auf das nächste Posting freut. Das Maxim-Gorki-Theater hat da mit seinem etwa zwanzigminütigen Liveevent in einer Facebook-Gruppe für die notwendige Spannung gesorgt und so ein Format entwickelt, das ein wenig an die zwei- bis dreiminütigen Webisoden erinnert, die im Netz zu finden sind.

Ein für mich wichtiger Input kam von Christoph Deeg, der erstens darauf hinwies, dass Social Media Spaß machen müsse und zweitens den Standpunkt vertrat, dass es darum gehe, Social Media zu leben. Wer sich darauf einlasse, werde sehr schnell feststellen, dass sich die Kultur im der jeweiligen Struktur, egal ob Unternehmen oder Kulturbetrieb, zu verändern beginnt. Sich mit dem Thema Social Media zu beschäftigen, bedeutet also mehr als das Einrichten eines Twitter- und Facebookaccounts. Social Media zu leben, ist für die kleinen Organisationen vermutlich leichter als für die “Großen”, die nicht von heute auf morgen ihre Struktur über den Haufen werden können. Ulrike Schmid zeigte in ihrem Vortrag “Dialogische Kulturvermittlung für kleinere Museen“, wie sich Social Media nutzen lässt.

Fazit: zwei spannende Tage mit vielen interessanten Themen und der Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen. Danke an das Organisationsteam, das hier tolle Arbeit geleistet hat und schon angekündigt hat, dass es auch im nächsten Jahr wieder die “aufbruch”-Konferenz und das stARTcamp München geben  wird. Ich bin sicher wieder dabei.

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