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Transmediales Erzählen in der Community

6 Kommentare

Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Storytelling. Das Internet ermöglicht es uns heute, auf sehr spannende Weise Geschichten zu entwickeln und zu erzählen. Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blogpost über Cloud Communication auf eine Entwicklung verwiesen, in der eine Geschichte nicht mehr linear in einem Format auf einer Plattform zu finden ist, sondern einzelne Mikrotexte in der Wolke verteilt werden und sich mit anderen Mikrotexten neu verbinden können, um auf diese Weise neue Inhalte, neue Geschichten entstehen zu lassen.

Noch einen Schritt weiter geht das transmediale Erzählen, bei dem eine Geschichte transmedial, also über mehrere Medien hinweg erzählt wird. Dank Frank Tentler bin ich auf das von Emily Williams verfasste Blogpost “Collaborative Communities: Transmedia Evolved” gestoßen, in dem sie einen noch weitergehenden Ansatz von Scott Walker und seinem Unternehmen Brian Candy beschreibt.

Dass Storytelling nichts mit der rein passiven Aufnahme einer Geschichte zu tun hat, wissen wir alle. Aber in welchem Ausmaß sich jemand einbringt, das hängt von der Konzeption des Vorhabens ab.

“But what if you gave members of your audience license to help create the story? And, what if in return, you offered to share a piece of your revenue with them?”

fragt Williams und verweist in diesem Zusammenhang auf Scott Walker, der mit Runes of Gallidon eine virtuelle Phantasiewelt geschaffen hat, “designed for creative collaboration in an online community”, wie Walker schreibt.

“You’re invited to set your stories, art, games, etc. in the world of Gallidon. This fantasy world of adventure is shared under a Creative Commons license so you’re free to invent your own characters and places or use ones that already exist. You own what you create, but we all share the world,”

heißt es in seiner Einladung, sich auf die Phantasiewelt einzulassen und zu deren Gelingen beizutragen.

Die Idee, nicht nur die Zahl der Medien auzuweiten, sondern auch die Zahl derer, die an der Entstehung dieser Geschichte beteiligt sind, klingt interessant und erinnert mich an die diesjährige stARTconference, bei der es um das Thema Geschäftsmodelle und damit einhergehend um die Ausweitung der Wertschöpfungskette ging. Collaborative Communitys als Erweiterung transmedialer Produktion, das passt ganz wunderbar zur stART11, ihrem Thema und der Idee, die Konferenz offen und geneinsam zu entwickeln:

“The common definition of transmedia does not include a canonical participation element, much less revenue sharing. So, that’s great, but collaboration to me is the ultimate goal, or the next iteration for transmedia,”

ist Walker überzeugt und vertritt die Ansicht, dass vor allem die Bereiche Buch und Videospiel von diesem Ansatz profitieren können, da hier die Fans schon seit längerer Zeit  eingebunden werden.

“The obvious candidates are books with a following of devoted fans who would be eager to try their hand at building out unelaborated facets of the story or characters,”

beschreibt Williams den Rahmen. Für Walker ist es überhaupt kein Problem, die Fans einzubinden:

“We would construct a collaborative sandbox based on the needs and limitations and desires of the property owner, combined with the unique aspects of that particular property, and open it up,”

erklärt er und weist darauf hin, dass es wichtig sei, den entsprechenden Rahmen für die Zusammenarbeit abzustecken, sowohl was die Rechte angeht als auch die Frage, wer auf welche Weise an den Einnahmen partizipiert?

Am Ende kommt etwas heraus, was über den im Rahmen des KulturInvest Kongresses 2010 vom Soziologen Kai-Uwe Hellmann beschriebenen Prosumenten hinausgeht:

“The Brain Candy model [is] finding new business models that leverage the digital world we live in, that leverage the consumer-turned-producer behavior and try to find ways to co-create value with audiences,”

so Walker, für den es wichtig ist, die Fans zum Mitmachen einzuladen:

“Then you’re able to say, we know you love the world, we can’t produce enough content for you on a regular basis, but we’re going to have some of the audience members help us do that.”

Das klingt, wie wenn er es für die stART11 geschrieben hätte. ;-)

6 Comments Join the Conversation

  1. Genau so hat sich meine Arbeit (nicht zuletzt dank Deines Weitersagens, Christian) entwickelt. Inzwischen beliefern meine Community und ich uns gegenseitig, stellen einander Fragen und beantworten sie zusammen.

    Aber das setzt natürlich voraus, dass Leser/Fans/follower das Gespräch aktiv mitgestalten. Da tun sie nur, wenn sie ernst und wahrgenommen werden.

    Wichtig ist, dass man hier nicht schnell-schnell denkt. Ob und auf welcher Plattform (Blog, Facebook,Twitter etc.) sich welches Gespräch ergibt, muss sich organisch entwickeln und gepflegt werden.

    Je besser man dann die einzelnen Kanäle miteinander vernetzt, umso effektiver und vor allem übersichtlicher wird das Ganze.

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  2. Pingback: In zwei Minuten wissen Sie, was Transmedia Storytelling ist « Das Kulturmanagement Blog

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