Archiv für Mai 12th, 2008
Nicht alles lässt sich online lesen
Paul Jandl hat in der NZZ vermeldet, dass Elfriede Jelinek ihren Roman „Neid“ fertiggestellt hat. Wie schon früher erwähnt, gibt es diesen Roman nur online auf ihrer Website zu lesen. Ich habe immer wieder mal versucht, in den Text hineinzukommen, aber da er sich nicht so einfach liest, braucht man immer eine gewisse Zeit, um hineinzufinden. Aber ein, zwei Stunden am Bildschirm zu sitzen und Jelinek zu lesen ist einfach nicht meins.
Da würde ich mir jetzt ein Buch wünschen, mit dem man es sich irgendwo gemütlich machen kann. Ein Stapel ausgedruckter Zettel ist keine wirkliche Alternative und deshalb hoffe ich darauf, dass „Neid“ doch noch irgendwann als Buch erscheint. Sonst habe ich halt Pech gehabt.
„…das alltägliche Grauen des Netzes.“
So stellt sich für Jens Jessen von der ZEIT das Internet dar. „Am Pranger“ ist sein Artikel überschrieben, in dem er das Netz als einen Ort beschreibt, an dem das Aufeinandertreffen verschiedener Millieus zu „Hassexplosionen und Gewaltfantasien“ führt.
Der Grund:
„die von allen sozialen und intellektuellen Zugangsschranken befreite Öffentlichkeit.“
Und weil das Internet nichts kostet und die Printmedien schon – der Preis als Barriere, um auf die Barrikade zu gehen – , tobt sich der Pöbel online aus. Schuld ist übrigens das
„herrische Auftreten von Privatkommentatoren, Blogger genannt;“
Was sagen eigentlich Jessens Kollegen dazu, die im Auftrag der ZEIT bloggen? Sind das auch Privatkommentatoren, oder gehören die Blogs der Printmedien in eine eigene Kategorie? Wenn man sich in der Blogosphäre seines Lebens nicht sicher sein kann und dort Hassexplosionen und Gewaltfantasien an der Tagesordnung sind, dann frage ich mich, warum die Zahl der Zeitungen und Magazine, die im Internet ein Weblog betreiben, von Tag zu Tag zunimmt?
Ich selbst bin weder Hassexplosionen noch Gewaltfantasien im Internet ausgesetzt. Vielleicht liegt das daran, dass ich mir nicht mit „Provokationen im Netz“ Aufmerksamkeit verschaffen will und deshalb nicht der „kollektiven Neigung (ausgesetzt bin), darauf mit einem Scherbengericht zu antworten.“ Ach ja, und anonym agiere ich auch nicht. Die Frage ist nun, ob dieses Prinzip nur im Internet gilt? Die diversen Talkshows im TV beweisen in meinen Augen das Gegenteil.
Mich stimmt es traurig, wenn ich in der ZEIT solche Artikel lesen muss. DAS Internet gibt es nicht, genauso wie es DIE Printmedien nicht gibt. Aber am besten ist es wohl, wenn man darauf mit etwas reagiert, was es im Internet laut Jessen gar nicht gibt: mit Gleichgültigkeit…




