Beitrag

Das Essl Museum als Gastgeber des stARTcamp Wien: Immer offen für Experimente

Leave a reply

Ich habe lange überlegt, ob diese Überschrift auch wirklich für dieses Blogpost geeignet ist, denn sie könnte ja auch suggerieren, dass das stARTcamp ein Experiment ist. Im ersten Moment habe ich das verneint, aber es ist noch lange nicht selbstverständlich, dass Kultureinrichtungen Gastgeber eines stARTcamps sind und deshalb lasse ich erstens die Überschrift so stehen und bedanke mich zweitens noch einmal beim Essl Museum für die Einladung.

Auf die Überschrift bin ich aber eigentlich durch die Idee des Museums gekommen, eine Ausstellung mit Hilfe ihrer Facebookfans zu gestalten. Ein spannender Ansatz und deshalb freue ich mich natürlich besonders, dass das stARTcamp Wien dieses Jahr im Essl Museum vor den Toren Wiens stattfindet. Warum das Haus dieses Jahr Gastgeber des stARTcamps ist und welche Erwartungen damit verbunden sind, das habe ich Barbara Royc, die Marketingleiterin gefragt.

barbararoyc_7107kom

Christian Henner-Fehr: Morgen ist es soweit, wir sprechen einen ganzen Tag lang über Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nutzt Du selbst eigentlich auch Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke und Plattformen? Oder reicht es Dir, Dich beruflich damit zu beschäftigen?

Barbara Royc: Ich nutze eigentlich seit Jahren verschiedenste Social Media-Kanäle und Blogs, interessanterweise bin ich aber gerade auf Facebook und Twitter vorwiegend beruflich unterwegs, obwohl ich dort private Accounts habe. Man darf nur leider nicht erwarten, dass ich dort viel von mir preisgebe, das erlaubt meine Zeit einfach nicht. Privat nutze ich derzeit eigentlich vorwiegend Social Bookmarking Tools, ich mag auch zum Beispiel Pinterest ganz gerne, um dort Ideen zu sammeln und zu verwalten. Ich probiere ständig verschiedenste Plattformen aus, weil mich interessiert wie sie funktionieren und was sie bieten können, aber bleibe privat selten wo hängen.

Christian Henner-Fehr: Sehr häufig wird im Zusammenhang mit Social Media vom Wunsch nach Vernetzung gesprochen. Ihr seid noch einen Schritt weiter gegangen und habt Eure Facebook-Fans eine ganze Ausstellung mitkuratieren lassen. Ist das die Richtung, die Kultureinrichtungen gehen müssen, wenn sie Erfolg haben möchten?

Barbara Royc: Ich denke, dass es zukünftig für Kultureinrichtungen noch wichtiger sein wird, ihre Besucher bzw. ihr Publikum zur Partizipation einzuladen. Ob dies nun über Social Media oder auf anderen Wegen passiert, ist glaube ich nicht so relevant. Tatsache ist, dass man über Social Media unkompliziert und rasch eine bestimme Zielgruppe erreicht. Social Media ist hier ein Kanal unter vielen, als Kultureinrichtungen gilt es den richtigen Kanal zu wählen. Am wichtigsten wird wohl aber sein, sich als Kultureinrichtung zu überlegen, auf welche Inhalte die Besucher einwirken können.

Christian Henner-Fehr: Beim stARTcamp werden Apps ein Thema sein. Welche Bedeutung misst Du ihnen im Kulturbereich bei? Brauchen wir sie wirklich oder kommen wir auch ohne sie aus?

Barbara Royc: Ich habe mich sehr lange mit dem Thema Apps für Museen beschäftigt, es war auch immer wieder im Gespräch für das Essl Museum. Schlußendlich haben wir uns aus mehreren Gründen dagegen entschieden. Ich denke aber, dass Apps im Kulturbereich schon wieder von interessanteren Möglichkeiten abgelöst werden – für den Nutzer hat eine App wesentlich mehr Hürden, als wenn die Kulturbetriebe den Nutzer gleich dort abholen, wo er sich aufhält.

Christian Henner-Fehr: Ein stARTcamp lebt von den Ideen und dem Input der TeilnehmerInnen. Welche Session wünschst Du Dir morgen?

Barbara Royc: Ein spannendes, praxisnahes Thema für mich ist, wie man in einem Kulturbetrieb eine Art „Content-Kultur“ etablieren kann. Nur wenn man aus den einzelnen Abteilungen auch die relevanten Inhalte bekommt, kann man als Social Media Redaktion gut agieren. In vielen Unternehmen muß erstmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden. Wir haben zum Beispiel bereits 2 Mal ein offenes Social Media Workshop für Mitarbeiter durchgeführt, bei dem wir unsere Aktivitäten vorgestellt haben. Oft muß man hier Basisarbeit leisten, also „Was ist Twitter überhaupt?“ Mich würde interessieren, wie es anderen Kultureinrichtungen damit geht und was sie so aus der Praxis erzählen können.

Christian Henner-Fehr: Diese Frage habe ich auch schon Michael Wuerges im letzten Jahr gestellt: Morgen geht es um das Thema Social Media. Angesprochen haben wir vor allem die Menschen, die sich damit im Bereich von Kunst und Kultur beschäftigen. Kannst Du Dir vorstellen, dieses Format auch auf Eure inhaltliche Arbeit zu übertragen und auf diese Weise Euer Publikum anzusprechen? Das könnte beispielsweise bei Eurer aktuellen Ausstellung über die Zukunft der Malerei eine ganz spannende Sache werden?

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Barbara Royc: Ein Barcamp für eine Ausstellung? Ich habe ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, aber ich könnte mir das durchaus als Alternative zu einem Symposium bei einem sehr offenen Thema (wie es die Ausstellung Die Zukunft der Malerei aufwirft) vorstellen. Ich werde unserem Kurator Andreas Hoffer von dieser Idee erzählen…

Christian Henner-Fehr: Danke, dass wir dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen und danke natürlich auch für Deine Antworten. Ich freue mich auf ein stARTcamp mit vielen spannenden Themen an einem tollen Ort und wünsche Dir morgen viel Spaß.

Barbara Royc: Danke, Christian. Wir freuen uns sehr, Gastgeber des stARTcamps zu sein und ich hoffe natürlich, dass die Teilnehmer mit vielen neuen Ideen wieder nach Hause gehen.

Multimediaführer Jüdisches Museum Wien
Beitrag

App oder nicht App, das ist hier die Frage

13 Kommentare

Es muss ja nicht immer die ganz große Nummer sein und trotzdem kann eine App ihren Zweck erfüllen. Das Jüdische Museum Wien zum Beispiel nennt seine App gar nicht App, sondern Multimediaführer (siehe Bild oben). Verwendet werden dafür Tablet-PCs, die sich die BesucherInnen an der Kasse ausleihen können. Um Informationen zu den einzelnen Ausstellungsobjekten zu erhalten, sind keinerlei Vorkenntnisse nötig und wer sich nicht sicher ist, lässt sich die Funktionsweise einfach erklären. Mir gefällt diese eigentlich unspektakuläre Art, mobile Endgeräte zu nutzen. zeigt sie doch, dass es nicht immer das große Rad sein muss, an dem man dreht.

Viele Kultureinrichtungen beschäftigen sich derzeit mit der Frage, ob sie eine App entwickeln sollen oder nicht. Eine für alle gültige Antwort gibt es leider nicht, jede Kultureinrichtung muss für sich abwägen, ob eine App für sie in Frage kommt und wenn ja, welche. Schon im letzten Jahr habe ich mich in meinem Beitrag “Lohnt sich eine App für Kultureinrichtungen” mit der Frage beschäftigt, ob nicht eine Website im Responsive Design oder eine mobile Website ausreichend sind? Betrachten wir einfach unser eigenes Verhalten? Wenn ich mich selbst beobachte, stelle ich fest, dass ich auf Smartphone und Tablet-PC meistens Apps nutze, den Browser hingegen eher selten. Eine App läuft in der Regel schneller und ist leichter zu bedienen. Was für die UserInnen ein Nachteil ist, nämlich die Gier der App-Anbieter nach Daten, ist für die andere Seite ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Vieles lässt sich tracken und so ist es nicht schwer, das Userverhalten zu analysieren und dementsprechende Rückschlüsse daraus zu ziehen. Das heißt, eine App erfüllt eigentlich zwei Aufgaben. Einerseits erfährt der App-Anbieter viel über die UserInnen, andererseits muss die App natürlich den Bedürfnissen der NutzerInnen gerecht werden, sonst verschwindet sie recht schnell wieder von den Geräten.

Fakt ist aber, dass wir immer häufiger mobile Endgeräte nutzen, um auf das Internet zuzugreifen. In diesem Artikel ist von 4,4 Mia. Nutzern mobiler Apps im Jahr 2017 die Rede. Eigentlich kommen wir also um das Thema Apps nicht mehr herum. Trotzdem würde ich nicht so einfach sagen, eine App muss sein, denn wir sollten uns sehr genau anschauen, wer Apps wie nutzt. Apps waren früher etwas besonderes und alleine deshalb wurden sie wahrgenommen und auch auf den eigenen Geräten installiert. Heute ist eine App ganz selbstverständlich und dementsprechend schwer ist es, seine Zielgruppen dazu zu bringen, sie überhaupt auf ihren Geräten zu installieren.

Angenommen, ich reise für ein Wochenende nach Wien oder London. Ich gestehe,  ich würde mir nicht die Mühe machen, erst einmal zu recherchieren, welches Museum eine App hat und mir dann alle Apps auf mein Smartphones zu laden. Und weil ich in der Stadt natürlich auch essen gehen möchte, außerdem ein paar nette Geschäfte suche und dabei die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen werde, kommen am Ende einige Apps zusammen, die ich für meinen Städtetrip brauchen könnte.

Wäre es da nicht viel besser, es gäbe eine App, die alle wichtigen Informationen für meinen Kurzurlaub enthält und damit meine gesamte Customer Journey abdeckt? Vorausgesetzt wir können unser Konzept umsetzen, dann würden wir in Bregenz auf diese Weise vorgehen. Eine App für die ganze Stadt und nicht für jede einzelne Kultureinrichtung. Natürlich könnte sich theoretisch jedes Museum, jedes Opernhaus oder Theater genau anschauen, wie die Customer Journey ihres Publikums aussieht und in die App alle notwendigen Informationen einbauen. Aber die meisten Kultureinrichtungen können sich das finanziell gar nicht leisten und hätten vermutlich auch gar nicht die Kapazitäten für ein solches Vorhaben. Deshalb macht es in meinen Augen durchaus Sinn, sich auf einer übergeordneten Ebene mit diesem Thema zu beschäftigen, um einerseits den Wünschen und Bedürfnissen der UserInnen zu entsprechen und andererseits Kosten zu sparen.

Das heißt jetzt nicht, dass Apps für Kultureinrichtungen unsinnig sind. Vor allem wenn ein bestimmtes Thema, bestimmte Inhalte im Vordergrund stehen, macht es durchaus Sinn wie im Fall der MAK-App, die sich mit Wien 1900 beschäftigt. Ich durfte das Museum bei der Konzeption beraten und nach vielen Diskussionen kamen wir zu dem Entschluss, eine App für Tablet-PCs zu entwickeln.

Warum eine App für Tablet-PCs? Bei einer öffentlichen Diskussion wurden wir gefragt, warum wir nicht auf Smartphones gesetzt hätten, die doch viel verbreiteter seien?

Präsentation der MAKApp

© Katja Schröckenstein

Stimmt, Smartphones gibt es vielmehr, aber wir wollten die UserInnen in einer ganz bestimmten Situation erreichen und zwar nicht früh am Morgen in der Phase, wo alles möglichst schnell gehen muss und wir unser Smartphone dazu nutzen, rasch die wichtigsten Informationen zu lesen. Sondern am frühen Abend, wenn wir mit unserem Tablet-PC auf dem Sofa sitzen und viel weniger Zeitdruck haben als morgens.  Deshalb enthält die App auch schöne, große Bilder und wird alle drei Monate mit Comics internationaler ZeichnerInnen ergänzt (siehe dazu: “APP-STORIES #2: EINTAUCHEN IN DIE MAK-APP UND IHRE FEATURES“). Auch Literatur zum Thema “Wien 1900″ ist geplant, ein weiterer Punkt, der für eine Tablet-Version spricht, denn wer liest schon gerne längere Texte oder gar ein ganzes Buch auf dem Smartphone?

Es war also nicht die Arroganz gegenüber den normalsterblichen Smartphone-Usern, wie der Vorwurf lautete, sondern der Versuch, eine ganz bestimmte Zielgruppe in einer Situation zu erreichen, in der die UserInnen nicht schnell weiterklicken, sondern bereit sind, sich auf etwas einzulassen, sich Zeit zu nehmen. Ob das gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Beate Lex, die seitens des MAK die Projektleitung in Händen hielt, wird übrigens beim stARTcamp Wien in zwei Tagen eine Session zu diesem Thema halten. Für Kultureinrichtungen, die gerade über eine App nachdenken, ist das vielleicht eine ganz gute Gelegenheit, sich auszutauschen beziehungsweise Fragen zu stellen.

stARTcamp Wien
Beitrag

Nur noch vier Tage bis zum stARTcamp Wien

1 Kommentar

Die letzten zwei Tage war ich auf der vlow!-Konferenz in Bregenz und habe dort festgestellt, dass die Barcamp-Idee mittlerweile auch auf klassischen Konferenzen Anklang findet. Natürlich ist es nicht so ganz einfach, plötzlich das Format zu wechseln und Freiwillige zu finden, die eine Session/einen Workshop anbieten. Aber letzten Endes hat es doch sehr gut geklappt und herausgekommen ist eine ganze Reihe von – in diesem Falle -Workshops, die von den TeilnehmerInnen gehalten wurden und sich einer ganzen Palette spannender Themen widmeten.

Was in Bregenz nur ein Baustein war, ist das Grundprinzip aller stARTcamps und damit auch des #scvie, so der Hashtag für das stARTcamp Wien, das strenggenommen gar nicht in Wien, sondern im Essl Museum in Klosterneuburg stattfindet. Und zwar am 23. Oktober, das ist der nächste Donnerstag, von 9 Uhr (Einlass) bis 17:30. Aktuell gibt es noch 26 Tickets, wer eines davon erwerben möchte, kann das hier online erledigen (Ticketpreis: 25 Euro). Bleiben wir noch bei den praktischen Dingen: Wer aus Wien anreist, kann ganz bequem den Bus nehmen, den das Essl Museum uns netterweise für An- und Abreise zur Verfügung stellt. Er fährt um 9 Uhr vor der Albertina los und bringt uns um 18 Uhr wieder dorthin zurück. Meine letzte Fahrt hinaus hat rund 20 Minuten gedauert, bei der Rückfahrt war es ähnlich. Damit das Museum weiß, wie groß der Bus sein muss, bitte ich alle, die ihn nutzen möchten, sich unter der Nummer +43 (0)2243 37050150 anzumelden. Alternativ können Sie mir auch eine Mail schicken, ich leite das dann weiter.

Bleiben wir noch bei den ganz praktischen Dingen. Falls jemand noch kurz entschlossen aus Deutschland kommen möchte, die Bahn wird laut Gewerkschaft in der kommenden Woche nicht bestreikt, da sollte es also keine Probleme geben. Hotels gibt es in Wien natürlich viele, ich empfehle häufig dieses hier. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, frage bei Frank Tentler nach. Zimmer gibt es noch, ich habe gerade auf der Website nachgeschaut.

Ein Barcamp lebt von den Sessionsvorschlägen

Warum ein stARTcamp besuchen? Einerseits ist es eine gute Gelegenheit, um alte Bekannte zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Andererseits gibt es die Möglichkeit, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die den Kunst- und Kulturbereich oder einen selbst gerade beschäftigen. Sie können entweder darauf hoffen, dass jemand “Ihr” Thema für eine Session wählt. Oder Sie schlagen Ihr Thema vor und setzen darauf, dass sich jemand dafür findet. Der richtige Ort dafür ist die Liste mit den Sessionsvorschlägen. Dort tragen Sie das Thema ein, geben unter “vorgeschlagen von” bitte Ihren Namen an und dann findet sich entweder jemand wie im Fall von “iBacons in der Kunstvermittlung” oder wir fragen direkt zu Beginn des stARTcamps noch einmal nach. Erst dann wird gemeinsam die endgültige Sessionsliste und damit das Programm erstellt. Ich denke, man kann es nicht oft genug sagen: Bitte trauen Sie sich und schlagen Sie das vor, was Sie interessiert, es hat noch nie jemand bereut, ganz im Gegenteil. Je mehr Vorschläge von Ihnen kommen, desto näher ist das stARTcamp an dem, was Sie wirklich interessiert. Und nachdem die Teilnehmerinnen des stARTcamp Wien im letzten Jahr selbstkritisch festgestellt haben, dass es sehr wenige Frauen waren, die eine Session gehalten haben, würde nicht nur ich mich freuen, wenn das dieses Jahr anders ist. Und wer sich nicht alleine traut, kann sich ja eine Mitstreiterin oder einen Mitstreiter suchen. ;-)

Inhaltlich dominieren im Moment Themen rund um die App (hier noch einmal der Link zur Liste mit den Sessionsvorschlägen), wenn Sie sich etwa für Content Marketing, die Frage nach den richtigen Kanälen oder der richtigen Strategie interessieren, schlagen Sie einfach selbst eine Session vor. Oder noch besser: Sie halten eine zu diesen (oder auch anderen) Themen.

Wenn ich jetzt Ihre Frage nicht beantwortet habe, dann schreiben Sie bitte einfach einen Kommentar unter diesen Blogbeitrag. Oder schicken Sie mir eine Mail. Ich freue mich auf Sie und ein spannendes stARTcamp im Essl Museum.

PS: Das stARTcamp gibt es auch auf Twitter (Hashtag #scvie) und als Facebook-Event.

PPS: siehe auch den Blogbeitrag: “Am 23. Oktober findet im Essl Museum das zweite stARTcamp Wien statt

Bregenz vlow!award 2014
Beitrag

Social Media im Kulturbereich: ein Missverständnis

13 Kommentare

Es gibt Tage, da weiß ich nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll. Dienstag war so ein Tag, ein Tag, der klären sollte, wer für die Stadt Bregenz einen digitalen Erlebnisraum entwickeln darf. Die Entscheidung sollte ihm Rahmen eines Wettbewerbs fallen, zu dem drei Anbieter eingeladen waren. Zusammen mit Nadja Bauer, Frank Tentler, Martin Adam und Christof Breidenich habe ich im Sommer an einem Konzept gearbeitet und es zusammen mit Nadja und Frank vor zwei Tagen präsentiert. Spannend und lehrreich war für mich, dass die Jurysitzung öffentlich ablaufen sollte, denn wann erfährt man schon, wie so eine Jury zu einer Entscheidung kommt?

Leider hat die Jury aber nicht wirklich eine Entscheidung getroffen, denn alle drei Konzepte wurden auf den ersten Platz gesetzt. Für mich stellt sich die Frage, ob das der Sinn und Zweck dieses Modus ist, sechs Experten zu versammeln und dann zu keinem Ergebnis zu kommen? So ist die Entscheidung aufgeschoben, aber wir sind weiterhin zuversichtlich, dass unser Konzept in Bregenz umgesetzt werden kann.

Sehr aufschluss- und lehrreich war die Sitzung der Jury, die vor einer interessierten Öffentlichkeit und den drei Anbietern stattfand. Für mich war es aber auch eine Herausforderung, einem Gespräch zu folgen, ohne eingreifen zu dürfen. Zumal es in der Diskussion der Jury einen Punkt gab, der mich ehrlich gesagt ziemlich geärgert und schockiert hat. Uns wurde vorgeworfen, dass unser Konzept zu abstrakt sei und keine auf Bregenz bezogenen Inhalte aufweise. Also etwa nicht die virtuelle Schnitzeljagd passend zur nächsten Opernpremiere auf der Seebühne, wie in einem anderen Konzept vorgeschlagen (ich möchte damit ausdrücklich nicht die Idee kritisieren!)

Von einem „Skelett ohne Fleisch“ und einer „Superapp“ war da die Rede, von einem Konzept, dass auch für Coca Cola geeignet sei (nebenbei gesagt, danke für die Blumen!) und keinen Content enthalte, der zur Stadt passe. Natürlich enthielt unser Konzept keinen Content, das wollten wir aber auch nie, denn an dem Projekt sind die vier größten Kultureinrichtungen der Stadt beteiligt. Sie haben Content ohne Ende. Und nun soll ich ihnen Inhalte für den digitalen Raum liefern?

Für mich liegt da ein Missverständnis vor: Social Media funktioniert nicht auf der Basis möglichst flotter Werbesprüche und an den Haaren herbeigezogenen Kampagnen, sondern nur dann, wenn die Inhalte eine hohe Qualität haben. Ich behaupte, niemand hat so vielen hochwertigen Content wie Kunst und Kultur. Wo etwa ein Maschinenbauer wirklich viel Energie aufwenden muss, um den passenden Content zu finden, liegt er im Kunst- und Kulturbereich in Vitrinen oder ist auf der Bühne zu sehen. Würde ich nun mit irgendwelchen Aktionen kommen, käme das einer Entwertung von Kunst und Kultur gleich. Nicht die Inhalte der Häuser würden im Vordergrund stehen, sondern meine. Ist das nicht genau das, was Kunst und Kultur stets abgelehnt haben? Statt die Inhalte für sich sprechen zu lassen, sollen sie auf die „kreative Idee“ einer Agentur bauen? Nein, ich möchte mit meinen Konzepten und Vorschlägen lediglich Wege aufzeigen, wie man mit Hilfe eigener Inhalte bestimmte Ziele erreichen kann. Es handelt sich also um eine Art (Meta)-Struktur, die ich über das, was schon da ist, darüberlege. Das klingt sehr technisch, das ist auch erst einmal sehr technisch. Möchte ich die digitale Welt mit Leben erfüllen, brauche ich Inhalte. Inhalte, die Kunst und Kultur im Überfluss haben und damit ganz sicher nicht von mir kommen werden.

Praktische Tipps stehen höher im Kurs wie die Entwicklung einer Strategie

Ich möchte nicht zu sehr auf der gestrigen Jurysitzung herumreiten, darum geht es mir nicht, obwohl es manchmal schon ganz hilfreich sein kann, seinen Ärger mit Hilfe eines Blogbeitrags abzulassen. ;-) Im Nachdenken über diese Situation bin ich darauf gekommen, dass ich schon des Öfteren in solchen Situationen gewesen bin, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein. Ich werde immer wieder von Kulturbetrieben eingeladen, zusammen mit ihnen ihre Social Media-Aktivitäten aufzubauen oder zu optimieren. Meist werden ganz praktische Tipps gewünscht, wie funktioniert Hootsuite, wie erstellt man ohne großen Aufwand einen Blogbeitrag oder wie erhält ein Facebookposting möglichst viel Aufmerksamkeit.

Die Frage nach den Zielen, den Zielgruppen oder dem Weg, um es zu erreichen, wird gerne übersprungen oder doch zumindest kurz gehalten. Das hat mir übrigens in Bregenz gut gefallen, dort gab es eine ganz klare Vorgabe, nämlich die Steigerung der Nächtigungszahlen um drei bis 5 Prozent pro Jahr. Allerdings hat das die Jury dann eher nicht interessiert, es ist halt doch netter, sich über den Kulturbegriff auszutauschen als sich mit schnöden Zahlen zu beschäftigen. Und wer sich nicht für den Kulturbegriff interessierte, verlangte nach was Neuem, nach Innovation. Jeffrey Philipps hat darauf die richtige Antwort: “Innovation is not a Strategy“. Darin beschreibt er recht schön, wo Innovation ihren Platz hat, wenn es ein Ziel und die dazugehörigen Strategien gibt:

“Grow profitability 15% over three years. Enter a new market and win 10% market share in three years. These are strategies. Innovation is a tool that helps you achieve your strategies when the every day tools can’t or won’t succeed.”

Dieser Absatz ließe sich ja schon fast auf Kulturbetriebe beziehen, wenn sie solchen Zielen nicht so ablehnend gegenüberstehen würden. Und wenn wir statt der Profitabilität von Nächtigungszahlen sprechen, haben wir schon beinahe ein Modell für die Stadt Bregenz. Und dann könnte man sich darüber unterhalten, mit Hilfe welcher innovativen Tools sich dieses Ziel und die damit verbundene Öffnung in Richtung neuer Märkte (oder Zielgruppen) erreichen ließe. Und erst dann beginnt der kreative Akt, die Entwicklung von Ideen, aus denen heraus dann Spiele entstehen, virtuelle Touren oder was auch immer. So wie die Jury in Bregenz möchte man oft das Pferd von hinten aufzäumen und mit den kreativen Ideen beginnen. “Ist doch alles so schön bunt hier”, heißt es in einem der Lieder von Nina Hagen. Nicht dass ich die schöne bunte Welt ablehne, nein, aber als Selbstzweck ist (mir) das zu wenig, zumindest für Kultureinrichtungen, die nicht in Geld schwimmen.

Aber ich bilde mir ein, nun besser zu verstehen, wo der – oder besser ein – Knackpunkt für erfolgreiches Social Media-Marketing zu finden ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass Social Media nicht auf der Führungsebene angesiedelt ist und die Social Media-Verantwortlichen gar nicht auf der strategischen Ebene mitreden bzw. mitentscheiden dürfen? Das heißt, ich muss die Dringlichkeit strategischer Überlegungen besser kommunizieren und versuchen, die Führungsetagen dafür zu gewinnen. Ich würde das gerne beim stARTcamp Wien nächste Woche diskutieren, ob das wirklich der Punkt ist und wenn ja, wie sich dieses Problem lösen lässt? Und ich möchte natürlich auch unser Konzept des digitalen Erlebnisraums vorstellen. ;-)

Es ist ein Ansatz, der natürlich auch für einzelne Kultureinrichtungen geeignet ist. Aber ich denke, bestimmte Aufgaben auf eine übergeordnete Ebene zu heben, ist keine dumme Idee. Deshalb gefällt mir der Ansatz in Bregenz auch so gut. Dort ist es das Stadtmarketing, das kommuniziert und auch für die Umsetzung des digitalen Erlebnisraumes verantwortlich ist. Bleibt noch die Frage, auf der Grundlage welchen Konzeptes?

Update:

Ich möchte noch einmal betonen, dass ich die Ausschreibung des Stadtmarketing Bregenz für eine gute Idee halte und daran nichts auszusetzen habe. Ich kritisiere nicht den Ausschreiber, sondern die Jury bzw. deren Argumente. Nachdem die Jury ihre Kritik öffentlich geäußert hat, nehme ich mir das Recht heraus, darauf öffentlich zu reagieren. Vor, während und nach der Sitzung hatte ich dazu keine Gelegenheit.

Eigentlich geht es mir um ein generelles Problem, das den gesamten Kunst- und Kulturbereich betrifft und mit dieser Ausschreibung nichts zu tun hat. Sollte das nicht klar genug herauskommen, tut mir das leid und ich möchte noch einmal betonen, dass es mir vor allem darum geht, dieses Problem zu lösen.

Eric's crayons and pastels
Beitrag

Content Creation oder Content Curation?

2 Kommentare

Bild: Eric’s crayons and pastels“; von Mal Booth (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Gehören Sie auch zu denen, die gerne mit einem Blog beginnen würden und Angst davor haben, nicht genügend Zeit und Themen zu haben, um es dann mit eigenen Inhalten zu füllen? Kultureinrichtungen haben oft nur das Zeitproblem und jede Menge Inhalte. Bekommen sie das Zeitproblem in den Griff, schreiben sie. Meist oder besser gesagt: ausschließlich über sich.

Aber warum immer nur über sich selbst schreiben? Für viele ist es unvorstellbar, über andere zu schreiben. Warum sollte man die Konkurrenz unterstützen, bekomme ich oft entgegnet, wenn ich so etwas vorschlage. In meinen Augen ist es nicht nur schwierig, ständig eigene Inhalte zu produzieren, sondern es besteht auch die Gefahr, dass man seine LeserInnen irgendwann einmal damit langweilt. Deshalb bin ich schon sehr lange ein Verfechter von Curated Content. Wirkliche Argumente, warum es sinnvoll sein könnte, nicht nur eigenen Content zu kreieren, hatte ich anfangs nicht. Dann kamen Plattformen wie Paperl.li, Scoop.it oder Flipboard auf, die es uns leicht machten, fremde Inhalte zu sammeln, auszuwählen und in Magazinform zu veröffentlichen. Einen Schritt weiter ging Beth Kanter, die schon vor mehr als zwei Jahren die Frage stellte: “What Comes First, Content Creation or Curation?” (siehe dazu auch mein Blogpost: “Warum Inhalte immer wichtiger werden.”) und zu dem Ergebnis kam, dass wir erst in der Auseinandersetzung mit fremden Inhalte unsere eigenen weiter entwickeln können.

Aber was bringt uns das ganz konkret? Heidi Cohen hat sich vor ein paar Tagen in ihrem Blogbeitrag “How Curated Content Performance Beats Original Content” mit der Frage beschäftigt, ob eigene oder kuratierte Inhalte zu mehr Klicks beziehungsweise einer höheren Conversion-Rate führen.

Die Auswertung zeigt: eigene Inhalte sind wichtig, kuratierte Inhalte aber auch

Dabei greift  sie auf die Ergebnisse einer Untersuchung von ArgyleSocial zurück, in der zwischen November 2010 und Juli 2011 rund 150.000 Postings auf Twitter, Facebook und LinkedIn analysiert wurden, um herauszufinden, ob eigene oder kuratierte Inhalte zu mehr Klicks und einer höheren Conversion-Rate führen. Die Zahlen sind wie gesagt leider nicht sehr aktuell, aber in diesem Fall kann man sagen: besser ältere Zahlen als keine Zahlen.

Und die sind interessant, denn die Untersuchung zeigt, dass rund 30 Prozent der Unternehmen, deren Postings untersucht wurden, stark auf Curation setzen (75 Prozent oder mehr der Postings verlinken auf fremde Inhalte). Nur 13 Prozent verlinken hauptsächlich auf die eigenen Inhalte.

Im nächsten Schritt wurden die untersuchten Unternehmen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Curators: 75 Prozent oder mehr der Postings verlinken auf fremde Inhalte.
  • Balanced: Der Anteil der Links auf fremde Seiten liegt zwischen 50 und 75 Prozent.
  • Self-Promoters: Der Anteil der Links auf eigene Inhalte liegt bei 50 oder mehr Prozent.

Wie viele Klicks lassen sich mit den jeweiligen Strategien erzeugen, wie hoch ist jeweils die Conversion-Rate? Die Grafik zeigt recht interessante Ergebnisse:

Content Creation vs. Curation

Schaut man sich nur die Klicks pro Post an, liegen Unternehmen voran, die stark auf fremde Inhalte setzen. Bei der Conversion-Rate schneiden die Unternehmen am besten ab, die eigene und fremde Inhalte mischen, dicht gefolgt von denen, die ihre eigenen Inhalte in den Vordergrund stellen. Es hängt also davon ab, welche Erwartungen wir mit unseren Postings verbinden. Da vermutlich die wenigsten so differenziert vorgehen und bei einzelnen Postings auf Klick- oder Conversion-Rate setzen, stehen wir nun vor der Frage, welches das ideale Verhältnis zwischen Links auf eigene und fremde Inhalte ist.

Heidi Cohens Blogbeitrag liefert eine Antwort auf diese Frage, denn sie schreibt:

  • “Top 5 companies at generating the MOST CLICKS linked to their original content 37.9% of the time.

  • Top 5 companies at generating the MOST CONVERSIONS linked to their original content 41.6% of the time.”

Das heißt, wer zu etwa 40 Prozent auf die eigenen Inhalte verlinkt, liegt – statistisch gesehen – nicht ganz falsch. Ob dieser Prozentsatz der richtige ist, hängt nun natürlich davon ab, welche Produkte ich zu verkaufen habe. Wer per Twitter oder Facebook ständig seine Sonderangebote bewirbt, wird natürlich viel stärker mit Links auf die eigenen Inhalte arbeiten als jemand, der nicht ständig neue Angebote herausbringt. Aus meiner Sicht gehören die meisten Kulturbetriebe wohl zur zweiten Gruppe und dürften – wenn es nach mir gehen würde – sogar in mehr als 40 Prozent der Fälle auf fremde Inhalte verlinken. In meinen Augen sind es die Inhalte, über die sich eine Kultureinrichtung positioniert. Kunst entsteht nicht im Elfenbeinturm, sondern baut auf dem, was andere geschaffen haben, auf. In meinen Augen ähnelt dieses Prinzip dem, das Beth Kanter beschrieben hat: die eigenen Inhalte als Weiterentwicklung der Inhalte anderer.

Klar muss aber sein: die Ergebnisse dieser Analyse sind ein Anhaltspunkt, mehr nicht. In Verbindung mit den eigenen Zielen, die man mit der Kommunikation im Web verfolgt und einer dafür entwickelten Kommunikations- und Marketingstrategie sind sie aber vielleicht ein gutes Argument, wenn mal wieder die Social Media-Aktivitäten generell in Frage gestellt werden. Weil es nicht ausreichend Ressourcen gibt, um jeden Tag qualitativ hochwertige eigene Inhalte zu produzieren.

stARTcamp Wien
Beitrag

Am 23. Oktober findet im Essl Museum das zweite stARTcamp Wien statt

4 Kommentare

Auf dem Blog der stARTconference habe ich es schon im August angekündigt, nun möchte ich es auch hier tun: Am 23. Oktober wird es die zweite Auflage des stARTcamp Wien geben und zwar im Essl Museum in Klosterneuburg. Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir auch dieses Jahr wieder von einem Museum eingeladen worden sind und ich gemeinsam mit Barbara Royc, Erwin Uhrmann und Michael Wuerges dieses Barcamp organisieren darf.

Im Beitrag “Das stARTcamp Wien und die digitalen Erlebnisräume” habe ich schon die wichtigsten Informationen zusammengetragen und auch auf weitere Beiträge verlinkt, in denen erklärt wird, was eigentlich ein stART- beziehungsweise Barcamp ist und warum es Sinn macht, an einer Veranstaltung teilzunehmen, bei der man noch gar nicht weiß, was dort eigentlich passiert. Nur soviel: Kaffee gibt es am 23. Oktober im Essl Museum (An der Donau-Au 1, 3400 Klosterneuburg) ab 9 Uhr, um 10 Uhr beginnt die Sessionplanung und um 17 Uhr geht das stARTcamp zu Ende. Für alle, die aus Wien anreisen, wird es  einen eigenen kostenlosen Shuttlebus geben, der um 9 Uhr vor der Albertina losfährt und uns um 18 Uhr wieder dorthin zurückbringt. Damit der Bus auch genügend Sitzplätze hat, bitten wir um vorherige Anmeldung unter der Nummer +43 (0)2243 37050150.

Inhaltlich wollen wir uns beim stARTcamp mit digitalen Erlebnisräumen beschäftigen. Digitaler Erlebnisraum, das klingt erst einmal ganz toll, sagen viele, fragen dann aber nicht ganz unberechtigt nach, was das denn eigentlich sein solle? Hinter dem Begriff steckt die Idee, Orte, an denen – in unserem Fall – Kunst und/oder Kultur stattfinden, digital anzureichern, sei es durch  Informationen oder Unterhaltungsangebote. Da wir immer häufiger mobil auf das Internet zugreifen, ist das Web “vor Ort” meist ohne große Probleme erreichbar. Während wir früher erst zu unserem Computer am Arbeitsplatz oder zu Hause zurückkehren mussten, können wir heute das Internet nutzen, wo wir es brauchen.

Das Internet vor Ort zur Verfügung zu haben bedeutet, wir können BesucherInnen aber auch dabei unterstützen, eigene Inhalte zu produzieren und zu teilen. Ich bin heute auf einen Artikel gestoßen, der sich mit der Frage beschäftigt, ob User Generated Content die Verkaufszahlen nach oben treiben kann. Automatisch stellt sich der Erfolg natürlich nicht ein, aber das Engagement der UserInnen lässt sich beeinflussen:

“Companies that implement solutions such as mobile in-app tools that reflect and engage with users’ environments will increase engagement drastically,”

heißt es darin und auch wenn ich es natürlich nicht belegen kann, vermute ich doch, dass dieses Engagement sich mittel- und langfristig auch auf die Zahl der verkauften Tickets im Kunst- und Kulturbereich auswirken kann.

Ein weiterer Aspekt ist wichtig: Unser Marketing verändert sich grundlegend. Während Kampagnen früher nur auf den Moment abzielten, in dem jemand ein Ticket erwarb, können wir heute unsere potenziellen BesucherInnen davor, während und nach dem Ereignis erreichen und so die gesamte Customer Journey abdecken. Es gibt also erstens sehr viel mehr Momente, an denen wir mit den – in dem Fall – UserInnen kommunizieren können und wir haben die Möglichkeit, den Kontakt zu halten und ihn nicht nach dem Ticketkauf abbrechen zu lassen.

Wie die Kommunikation aussehen kann, welche Technologien – Stichwort iBeacon – dafür zur Verfügung stehen und welche Ansätze sich dafür nutzen lassen, darüber wollen wir am 23. Oktober im Essl Museum sprechen. Frank Tentler hat im Sommer mit dem  Projekt #Wiga einen ersten Versuch unternommen, Orte digital zu bespielen und in dem Fall eine Open-Air-Veranstaltung mit zusätzlichen Inhalten anzureichern und die in diesem Fall genutzte App und die sozialen Kanäle für das Marketing zu verwenden. Die Ergebnisse hat er in seinem Blogbeitrag “Tiefe Wasser. Oder: Das steckt unter der #Wiga – Oberfläche” zusammengefasst, wird sie aber auch beim stARTcamp vorstellen. Außerdem werden wir auch das Konzept für den digitalen Erlebnisraum Bregenz präsentieren, das wir gemeinsam mit Nadja Bauer, Martin Adam und Christof Breidenich entwickelt haben. Wir sind davon überzeugt, das auf diese Weise Kulturbetriebe, aber auch Städte die Möglichkeit haben, einerseits in der Verbindung online/offline bessere Angebote machen zu können. Andererseits aber auch mehr über ihre BesucherInnen zu erfahren und auf dieser Basis wirkungsvolleres Marketing betreiben zu können.

Nächste Woche stellen wir die Liste mit den Sessionvorschlägen online, dann haben Sie nicht nur die Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über die vorgeschlagenen Themen zu verschaffen, sondern natürlich auch selbst Vorschläge für eine Session zu machen. Wenn ich Sie jetzt ein wenig neugierig gemacht habe, dann kommen Sie doch einfach am 23. Oktober ins Essl Museum. Die Tickets kosten 25 Euro, kaufen können Sie sie hier. Ich freue mich auf Sie.

Beitrag

Wie starte ich mein eigenes Businessblog?

2 Kommentare

Eigentlich ist ja nicht Facebook Schuld daran, dass wir uns immer schwerer tun, dort sichtbar zu bleiben oder es zu werden. Auch auf Twitter ist es nicht leicht wahrgenommen zu werden, wenn wir alle ein paar tausend Accounts folgen. Nein, es sind unsere eigenen Erfolge, die uns das Leben schwer machen. Wir generieren hochwertige Inhalte, verteilen sie über sämtliche Kanäle, aber nachdem das alle machen, verstopfen diese Kanäle mit der Zeit.

Nur auf einem Blog herrscht relative Ruhe, denn es ist unser Haus, das wir uns gebaut haben bzw. zu bauen planen. Wir alleine entscheiden, wer dort schreibt und wie oft Beiträge erscheinen. Wobei das mit der Ruhe und der Sichtbarkeit auch nicht so ganz stimmt, denn der Schauplatz ist ja nicht das Blog,  sondern es sind die Suchmaschinen und dort findet ein ähnlicher Verdrängungswettkampf statt wie in den sozialen Netzwerken.

Trotzdem habe ich es nie bereut, vor knapp acht Jahren mit diesem Blog begonnen zu haben. Selbst heute, wo es oft nur zwei oder drei Beiträge pro Monat sind, ist mein Blog sichtbarer als meine Facebook- oder Twitteraccounts. In letzter Zeit beginnen viele Kultureinrichungen mit dem Bloggen, weil sie merken, dass es gefährlich ist, nur auf Facebook zu setzen.

Wie aber startet man sein eigenes Blog, was muss eine Kultureinrichtung beachten, um mit dem eigenen Blog Erfolg zu haben? Anum Hussian hat eine sehr ausführliche und hilfreiche Präsentation erstellt, in der sie die wichtigsten Punkte ausführlich behandelt. Wer gerade dabei ist, ein Blog zu starten, kann sich freuen, denn “How To Launch & Grow A Business Blog” ist eine tolle Anleitung, die darüber hinaus viele Tipps enthält, die es auszuprobieren lohnt.

Der wohl wichtigste Punkt dabei ist die Frage, welche Ziele mit diesem Blog erreicht werden sollen? Häufig gehen wir davon aus, unmittelbar über das Blog den Verkauf von Produkten oder Tickets ankurbeln zu können. So einfach ist das nicht, wir alle lassen uns nur selten auf diese Weise überzeugen beziehungsweise überreden. Deshalb gefällt mir auch Folie 77 so gut, auf der es heißt:

“The Goal of a New Blog is Growing Subscribers First, Not Leads.”

Ein Blog ist zwar ein mächtiges Kommunikationsinstrument, alles lässt sich damit aber nicht erreichen. Vor allem nicht gleich zu Beginn. Auch ich verkaufe über mein Blog so gut wie gar nichts. Aber es ist der Anfang eines Weges, an dessen Ende dann doch so etwas wie ein Verkauf steht.

Zugegeben, 114 Folien sind nicht wenig, aber es lohnt sich. ;-)