LED Dance Floor
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44. Treffpunkt KulturManagement: Willkommen auf dem Social Dance Floor

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Bild: LED Dance Floor“; von James Nash (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Ich vergleiche ganz gerne das, was da im Social Web passiert, mit einer Party. Dort werden keine Produkte und Dienstleistungen verkauft, sondern im Vordergrund stehen persönliche Gespräche. Aus diesem Grund gefällt mir auch der Blogbeitrag “Welcome to the Social Dance Floor” von Celine Schillinger, denn sie greift diese Metapher ebenfalls auf und erklärt, dass es nicht nur auf die Tanzschritte, sondern auch auf das eigene Verhalten ankommt, um auf der Tanzfläche anzukommen.

Überträgt man das auf das eigene Geschäft, brauche es für erfolgreiches Social Business, so Schillinger, nicht nur Social Media Marketing und gute Kundenbeziehungen, sondern auch die entsprechende Unternehmenskultur, denn

“social success doesn’t rely as much on the mastery of specific tools or techniques, as it does with mindsets and social skills”.

Social Business ist mehr als die Facebookseite oder der Twitteraccount. Schillinger listet recht schön auf, was es braucht, um am “social dance floor” erfolgreich zu sein. Und worauf müssen Kultureinrichtungen achten? Darum geht es im nächsten Treffpunkt KulturManagement, bei dem am 12. März 2014 von 9 bis 10 Uhr Christoph Deeg zu Gast ist. Er beschäftigt sich mit dem Wechselspiel externer Social Media-Aktivitäten und einer sich im Wandel befindenden Unternehmenskultur, die unter anderem auf die Personalführung von Kulturbetrieben Auswirkungen hat. Was das für das Kulturmanagement und die Führung von Kulturbetrieben bedeutet, wird Deeg, der als Social Media-Berater arbeitet und vor kurzem in Berlin die Social Media Academy gegründet hat, in seinem Impulsvortrag erklären.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 12. März, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 12. März dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 12.03.2014 von 09:00 bis 10:00
Thema: Wie Social Media als Management-Funktion das Kulturmanagement verändern kann
Gast: Christoph Deeg

Money... What Money
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“Creative Europe”: Der Künstler als Entrepreneur

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Bild: Money…What Money“; von stuartpilbrow (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Wenn in der Vergangenheit ein neues EU-Kulturförderprogramm auf den Weg gebracht wurde, änderte sich meist nur der Name. Mit dem neuen Programm “Creative Europe” ist das anders. Ich denke, wir können durchaus von einem Paradigmenwechsel sprechen, die leeren Taschen werden unter ganz anderen Voraussetzungen gefüllt als früher. Überraschend kommt die kommerzielle Ausrichtung der Kulturförderung allerdings nicht, Jeremy Rifkin hat diese Entwicklung in seinem Buch “Access” bereits vorweggenommen, in dem er von einer “neuen Ära des kulturellen Kapitalismus” spricht, in der wir kulturelle Ressourcen in “Erlebnisse und Vergnügungen (verwandeln), die käuflich zu erwerben sind”.

“Stand die Kultur unserer bisherigen Erfahrung nach ‘über’ dem Markt, (…) wird sie nun auch in die Sphäre der Ökonomie gezogen.” (Jeremy Rifkin: Access, S.184)

In eine ähnliche Richtung geht Gernot Wolfram, der gemeinsam mit Raphaela Henze das Buch “Exporting Culture” herausgegeben hat und in seinem darin enthaltenen Beitrag “The Weak and the Strong Term “European Arts Project’ – Potential and Lack of Self Consciousness within Cultural Structures on the Continent” erklärt, warum die Europäische Union nun nicht mehr nur Kunst und Kultur fördert, sondern auf die Kreativwirtschaft setzt.

Kreativität ist zum Bindeglied zwischen zwei Bereichen geworden, Wirtschaft und Kultur. Dahinter steckt der Wunsch, die Kreativität der wirtschaftlich agierenden Unternehmen auf die Kunst zu übertragen und die Künstler dazu zu bringen, sich mit dem wirtschaftlichen Potenzial ihrer künstlerischen Ideen zu beschäftigen. Am Ende fließen die dann in wirtschaftliche ausgerichtete Produktionen, von den dabei entstehenden Innovationen profitiert dann wiederum die Wirtschaft. Für Wolfram, der Professor für Kultur- und Eventmanagement in Berlin ist, eine paradoxe Situation, denn auf der einen Seite nutzen Wirtschaft und Politik das Vokabular aus dem Kunst- und Kulturbereich, um neue produktive und effiziente Ansätze zu entwickeln und so die Wirtschaft anzukurbeln. Auf der anderen Seite verliert die künstlerische Tätigkeit an Relevanz, der Künstler wird zum Unternehmer.

Es erscheint nachvollziehbar, dass in der Logik von “Creative Europe” der wirtschaftliche Erfolg höher bewertet wird als künstlerische und ästhetische Aspekte. Der Begriff der Kreativität bekommt eine ganz andere, im Rahmen des Förderprogramms politische Bedeutung, dient er doch nun dazu, zwischen wirtschaftlich erfolgreichen und erfolglosen Vorhaben zu unterscheiden. Damit einher geht die von Rifkin schon angekündigte Kommerzialisierung  kultureller Bereiche, in dem nicht die klassischen Stätten der Hochkultur, sondern die Unternehmen der Kreativwirtschaft an Bedeutung gewinnen, weil sie die Events und emotionalen Erlebnisse anbieten, für die wir uns als Konsumenten mehr interessieren als für die “anstrengende” Kunst.

Die Frage ist, wie wir als Gesellschaft auf diese Entwicklung reagieren? Vertrauen wir den Kräften des Marktes und den Wünschen der Kunden, wie es in den USA Praxis ist oder soll die Kulturpolitik die “anstrengende” Kunst unterstützen, weil wir der Überzeugung sind, dass diese einen Wert für uns hat?  Die vielen Förderprogramme beweisen, dass wir uns bis jetzt eher für die zweite Variante entschieden haben. Stiftungen und Kulturpolitik verstanden sich, so schreibt Wolfram, bis jetzt als Partner der Kunst und nicht als Mittler zwischen Kunden und marktrelevanten Produkten.

Treffpunkt KulturManagement: der Künstler als Entrepreneur

Vermutlich werden wir die Entwicklungen der Vergangenheit nicht rückgängig machen, deshalb geht es für Wolfram nicht um ein entweder oder, sondern um ein sowohl als auch. Seiner Meinung nach müssen wir vor allem zwischen der kommerziellen und der nicht-kommerziellen Kunst unterscheiden. War es bis jetzt die Kulturpolitik, die für letzteren Bereich für entsprechende Freiräume gesorgt hat, sieht Wolfram die Künstler nun selbst in der Pflicht, das neue Förderprogramm kann sie dabei unterstützen.

Welche Wege Künstler dabei gehen müssen und wie ihnen “Creative Europe” dabei hilft, das erklärt Wolfram im nächsten Treffpunkt KulturManagement, der unter der Überschrift “Der Künstler als Entrepreneur” am 5. Februar von 9 bis 10 Uhr stattfindet. Sie sind wie immer herzlich eingeladen, die Teilnahme daran ist kostenlos. Für den Treffpunkt KulturManagement, das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference, benötigen Sie keine Software. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 5. Februar, um 9 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 05.02.2014 von 09:00 bis 10:00
Thema: Der Künstler als Entrepreneur
Impulsgeber: Gernot Wolfram

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

kulturtourismus
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Kulturtourismus: Ein Leitfaden gibt ländlichen Tourismusregionen Tipps für den Einstieg in Social Media

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In den meisten Städten und Metropolen ist Social Media für die Tourismusbranche schon lange ein Thema. In den ländlichen Regionen sieht es oft noch ganz anders aus. Zwar haben viele Regionen ihre Facebookseite und die Tourismusbetriebe ihre Website. Aber das Thema Kulturtourismus fällt dabei oft unter den Tisch, vielleicht auch deshalb, weil es dabei um Vernetzung geht und wir oft noch nicht erkennen, dass es miteinander vielleicht etwas leichter fällt, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Dass das Social Web nicht nur die Entstehung von Netzwerken unterstützt und auch die Kommunikation zu denen erleichtert, die man mit seinen Angeboten erreichen möchte, ist den meisten vermutlich klar. Aber wie anfangen?

Im Netzwerk “KIRA – Kulturtourismus in der Region Heilbronn-Franken” ist ein kleiner Leitfaden entstanden, der den verschiedenen Playern im Bereich Kulturtourismus den Einstieg in das Thema erleichtern soll. Ein paar Informationen zu dessen Entstehung finden sich im Blog, ansonsten steht der Leitfaden noch bis 31. Januar auf dieser Seite zum kostenlosen Download zur Verfügung. Ab Februar wird der Download kostenpflichtig, bei ausreichendem Interesse wird eine gedruckte Fassung in Erwägung gezogen.

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Gute Inhalte alleine reichen nicht

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Wenn sich Kultureinrichtungen mit dem Social Web beschäftigen, steckt meist der Wunsch dahinter, mehr BesucherInnen oder KundInnen zu haben und über die diversen Plattformen und Netzwerke an neue Zielgruppen heranzukommen. Der Wunsch ist legitim, allerdings werden dabei oft die außer Acht gelassen, die schon den Weg zu uns gefunden haben.

Und das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der loyalen BesucherInnen/KundInnen kontinuierlich abnimmt. In seiner Präsentation “Imagine your customer becomes your friend” fordert Steven van Belleghem, dass wir aus unseren KundInnen FreundInnen machen. Wie das gehen soll? Man müsse sich nur vorstellen, wir würden unsere FreundInnen zu KundInnen machen. Was zeichnet so eine Freundschaft aus? Wir teilen mit ihnen Anekdoten und Geheimnisse, überraschen sie , haben Spaß miteinander und Fragen sie um Rat, so van Belleghem. Aber Freundschaft ist mehr, gibt er sich überzeugt, zum Beispiel würde man Zeit miteinander verbringen, ihnen Fehler verzeihen, ihnen ohne Erwartungen helfen und gemeinsame Erlebnisse haben, an die man sich erinnere.

Kulturbetriebe tun sich schwer, persönliche Beziehungen aufzubauen

Manche Unternehmen schaffen das schon, meint van Belleghem und verrät das Rezept:

“If you really want to become friends with your customers, you need to take it one step further an involve them in everything.”

Viele KünstlerInnen praktizieren das schon sehr erfolgreich und verfügen über große und stabile Netzwerke. Unter anderem mit Hilfe des Social Web. Kulturbetriebe tun sich da viel schwerer, ihnen gelingt es nur selten, auf die Ebene der persönlichen Kommunikation zu wechseln. Meist stehen Unternehmensstrukturen und -kulturen dem im Weg, ein Hinweis darauf, dass es um viel mehr geht als um die Wahl der richtigen Plattform. Es gilt, intern die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, um extern erfolgreich kommunizieren und Beziehungen aufbauen zu können.

Hier ist die Präsentation von Steven van Belleghem:

Crowdfunding
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil II)

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Bild: Crowdfunding“; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Im ersten Teil meiner kleinen Serie “Crowdfunding in 11 Schritten” habe ich das Wissen darüber, was Crowdfunding ist, stillschweigend vorausgesetzt. Nachdem es aber mittlerweile ganz unterschiedliche Formen von Crowdfunding gibt und es immer wieder vorkommt, dass man bei diesem Thema aneinander vorbeiredet, möchte ich an dieser Stelle eine Definition nachreichen und kurz zeigen, welche Formen des Crowdfunding es eigentlich gibt. Definitionen existieren mittlerweile viele, das Team vom Institut für Kommunikation in den sozialen Medien (Ikosom) hat in einem Blogbeitrag einige zusammengetragen, unter anderem auch eine von mir:

“Als Ausprägung des Crowdsourcing verfolgt das Crowdfunding das Ziel, Vorhaben zu finanzieren, bei denen es um die Durchführung von Projekten, die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen, aber auch die Gründung von Unternehmen gehen kann. Die Initiatoren setzen dabei auf das Prinzip “kleine Beträge von vielen Unterstützern” und bieten dafür entsprechende Gegenleistungen an, die neben aus dem Vorhaben heraus generierten Produkten auch ideeller oder finanzieller Natur sein können. Eine Crowdfunding-Kampagne ist nur dann erfolgreich, wenn sie ihr Finanzierungsziel erreicht (Alles-oder-Nichts-Prinzip) und wird meist auf den im Internet entstandenen Crowdfundingplattformen durchgeführt.”

Aus der Definition geht hervor, dass es ganz unterschiedliche Formen von Crowdfunding gibt. Durchgesetzt hat sich das folgende Schema (siehe dazu auch: “Die vier Arten von Crowdfunding (Infografik)“)

Die 4 Arten von Crowdfunding

  • Equity based: Diese Variante wird oft auch als Crowdinvesting bezeichnet, bei der die Unterstützer zum Beispiel in ein Startup investieren, um später am finanziellen Erfolg des Unternehmens teilzuhaben.
  • Lending based: Bei dieser Form des Crowdfunding geht es um die Gewährung von (Mikro)-Krediten, die vom Empfänger zuzüglich Zinsen zurückgezahlt werden müssen.
  • Reward based: Die Unterstützer erhalten eine Gegenleistung, entweder auf Produktbasis oder rein ideell. Auf diese Form der Unterstützung, die dem Sponsoring ähnelt, setzen viele Kultureinrichtungen.
  • Donation based: Entspricht der klassischen Spende, bei der es keine materielle Gegenleistung gibt.

Diese Ausdifferenzierung ist ein Beleg dafür, dass sich das Crowdfunding ständig weiter entwickelt. Eine Bestätigung findet diese Behauptung in der ständig steigenden Zahl an Crowdfundingplattformen, die sich, um im Wettbewerb mit anderen Anbietern bestehen zu können, zunehmend auf einzelne Nischen spezialisieren. So existiert seit kurzem mit Trevolta zum Beispiel eine Plattform, über die sich Reisen finanzieren lassen. Eine Anfang November 2013 veröffentlichte Liste zählt alleine in Deutschland 66 Plattformen

Schritt 3: Planen Sie Ihr Vorhaben sorgfältig

Spätestens jetzt sollte uns klar sein, dass eine Crowdfundingkampagne nicht ein kleines Anhängsel eines “richtigen” Projektes ist, sondern als eigenständiges Vorhaben zu gelten hat.

Das bedeutet, eine solche Kampagne sollte auch entsprechend geplant werden (siehe dazu unter anderem: “Wie sieht ein richtiger Projektstrukturplan aus?“). Und budgetiert, denn beim Crowdfunding gibt es nicht nur Einnahmen, sondern es fallen auch Ausgaben an. Die sollten Sie in Ihre Kalkulation miteinbeziehen, ansonsten zahlen Sie bei Ihrer Kampagne am Ende drauf. Ob das die Kosten für die anfallende Arbeitszeit sind oder das Geld, das Sie für die Gegenleistungen in die Hand nehmen müssen, alle diese Beträge erhöhen die Kosten für das gesamte Projekt, was wiederum Auswirkungen auf die Zielsumme der Crowdfundingkampagne hat.

Vergessen Sie vor allem bei der Kalkulation die Portokosten nicht, so Sie Ihre Gegenleistungen verschicken müssen. Das kann schnell ins Geld gehen, vor allem wenn die UnterstützerInnen aus dem Ausland kommen. Nicht alle tun Ihnen den Gefallen und wohnen um die Ecke. ;-)

Am Ende ist der Aufwand vermutlich größer als gedacht, deshalb ist eine vorsichtige Planung sicher von Vorteil. Ich habe den Aufwand für die stART12-Kampagne damals auch unterschätzt und würde die Arbeitszeit heute wesentlich großzügiger kalkulieren.

Schritt 4: Setzen Sie den benötigten Betrag fest

Am Ende steht dann aber fest, wie hoch das Budget für Ihr gesamtes Vorhaben ist und was Sie Ihre Kampagne kostet. Nun geht es um die Frage, welche Summe Sie mit Hilfe Ihrer Crowdfundingkampagne hereinbekommen möchten? In meiner Definition von Crowdfunding habe ich geschrieben, dass dabei meist das Alles oder Nichts-Prinzip gilt. Nur wenige Plattformen weichen davon ab und erlauben es einem, auch mit einem geringeren Betrag das Vorhaben zu starten. Also ohne die eigentliche Zielsumme erreicht zu haben. In meinen Augen ist das ein gefährliches Modell, denn am Ende sind es wieder die Honorare, die nicht ausgezahlt werden. Insofern bin ich mit dem Modell, dass das Geld nur erhält, wer seine Zielsumme erreicht, ganz zufrieden, denn ich betrachte es als hilfreichen Ansatz im Kampf gegen Selbstausbeutung im Kunst- und Kulturbereich.

Allerdings ist bei diesem Modell die Gefahr des Scheiterns entsprechend groß. Unter Umständen investieren Sie Zeit und Geld in Ihre Crowdfundingkampagne und schaffen es am Ende nicht, Ihre angestrebte Zielsumme zu erreichen. Auf den angefallenen Kosten bleiben Sie sitzen und Ihr Projekt können Sie vergessen. Deshalb macht es Sinn, sich im Vorfeld Gedanken über das Risiko Ihres Vorhabens zu machen. Unter Umständen versuchen Sie mit Ihrer Kampagne nicht das gesamte Projekt zu finanzieren, sondern nur einen Teil. Schaffen Sie Ihre Zielsumme nicht, können Sie hoffentlich das Projekt selbst trotzdem noch durchführen, wenn auch vermutlich mit Einschränkungen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Theater Sommer Klagenfurt, dessen Kampagne ich im ersten Teil dieser Serie erwähnt habe. Um das Risiko zu minimieren, sollten mit der Kampagne nur die Kostüme finanziert werden. Wäre sie gescheitert, hätte das Stück trotzdem noch produziert werden können, wenn auch ohne oder mit billigeren Kostümen.

Lassen sich Crowdfundingkampagnen mit öffentlichen Förderungen kombinieren? Diese Frage taucht immer wieder auf, ich würde sie generell mit einem Ja beantworten. Aber Sie sollten sich immer die Konsequenzen überlegen, wenn es mit dem Crowdfunding nicht klappt. Theoretisch lassen sich etwa auch die Fördergelder aus Brüssel mit einer Crowdfundingkampagne verbinden. Das Risiko resultiert aus der Tatsache, dass Sie sich, so die Kampagne nicht klappt, sehr schnell nach Alternativen umschauen müssen, denn beim neuen EU-Förderprogramm “Creative Europe”gilt wie bei den meisten EU-Programmen das Prinzip der Kofinanzierung. Das heißt, Sie müssen die restlichen 40 oder 50 Prozent auf alle Fälle auftreiben, sonst verlieren Sie das Geld aus Brüssel auch wieder. Wenn Sie also vor allem bei großen Projektvorhaben auf Crowdfunding setzen, sollten Sie auf alle Fälle einen Plan B haben. Sonst droht das völlige Scheitern Ihres Projektes. Passiert das vor dem Start der Arbeit, mag das gerade noch in Ordnung sein. Wenn Sie aber  schon mit der Arbeit begonnen und erste Gelder ausgegeben haben, können Sie sich ein Scheitern schlichtweg nicht leisten. Insofern spricht gerade bei längeren EU-Projekten viel dafür, das Risiko zu minimieren und nur einen kleinen Teil des Budgets auf diese Weise zu finanzieren.

Wenn diese Punkte geklärt sind, gilt es die Frage nach der richtigen Plattform zu beantworten. Darum geht es dann in Teil III dieser Serie. Außerdem beschäftige ich mich mit der Frage, wie lange eine Kampagne dauern sollte? Eher lang oder eher kurz? Die Antwort auf diese Fragen gibt es nächste Woche.

Exit
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Raus aus Facebook?

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Bild: Exit“; von Lukas Kästner (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Vielleicht ist es auch von Vorteil, wenn man nur wenig finanzielle Mittel für die eigenen Social Media-Aktivitäten hat. Ich hatte vor allem in den ersten Jahren den Anspruch, kein Geld in die Hand zu nehmen, um im Social Web sichtbar zu sein. Und da ich von den Kulturbetrieben immer zu hören bekam, dass für Social Media kein Geld da sei, habe ich mir für Kultureinrichtungen, die ich beraten habe, immer Wege überlegt, um ohne teure Kampagnen auszukommen.

Reich sind die Kulturbetriebe zwar immer noch nicht, aber es gibt doch etliche, die mittlerweile ein Budget haben, um zum Beispiel ihre Facebookpostings zu pushen und so deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Ich finde das durchaus in Ordnung und betrachte es auch als sinnvoll, auf diese Weise zum Beispiel eine Ausstellungseröffnung oder die Veröffentlichung eines neuen Albums zu promoten. Aber grundsätzlich habe ich immer stark auf die Inhalte gesetzt und da gab es – zumindest in meinen Anfangsjahren – keine Alternative zum Blog. Als Facebook und Twitter aufkamen, haben viele das Bloggen aufgegeben, um sich voll und ganz auf die neuen Plattformen zu konzentrieren. Zugegeben, da tobte das Leben und auch heute findet die Diskussion über ein Blogpost oft noch eher auf den sozialen Netzwerken und nicht im Blog selbst statt.

Das Blog als zentrales Element von Social Media

Aber für mich war immer klar, dass ein Blog für jedes Social Media-Programm die zentrale Anlaufstelle sein muss und Facebook, Twitter & Co. lediglich dazu da sind, auf die Seite aufmerksam zu machen, auf der meine Inhalte zu finden sind. Wenn Judith Denkmayr jetzt darüber schreibt, dass “der Facebook Exit 2014 für Unternehmen ein Thema werden könnte“, weil es die hohen Erwartungen nicht (mehr) erfüllt, dann bin ich froh, dass ich diese hohen Erwartungen nie hatte. Schon vor drei Jahren habe ich darüber geschrieben, dass die Postings auf Twitter und Facebook zu schnell von der Bildfläche verschwinden, um nachhaltig zu sein und begründet, warum ein Blog für mich so wertvoll ist.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, ganz im Gegenteil. Nachdem Facebook noch immer keine vernünftige Suchfunktion hat, suche ich nach wie vor in den Suchmaschinen nach einem Theaterstück, das ich mir heute Abend anschauen kann. Oder in einem der zahlreichen Veranstaltungskalender. Und die verlinken dann auf die Website.

Aber genug kritisiert. Trotzdem bin ich nicht der Ansicht, dass sich Unternehmen und auch Kulturbetriebe Gedanken über eine Exitstrategie machen sollten. Ich glaube, wir sollten Facebook so nutzen, dass wir von seinen Stärken profitieren können. Und die liegen eindeutig in der Vernetzung der Profile und der Tatsache, dass es sich dabei immer noch um ein Netzwerk handelt, das vom größten Teil seiner Mitglieder privat genutzt wird.

Facebook ist und bleibt ein privates Netzwerk

Dass dem so ist, beweist auch die ARD/ZDF-Onlinestudie. Werfen Sie mal einen Blick auf die Tabelle, die auflistet, was die UserInnen in privaten Community eigentlich machen. Erst an zwölfter Stelle taucht dort die Suche nach Informationen auf. Darauf zu spekulieren, dass man auf diese Weise entdeckt wird, halte ich für gewagt.

Nicht dass ich auf eine Facebookseite ganz verzichten würde, es gibt genügend Gründe, die dafür sprechen. Sind Sie auf Facebook nicht vertreten, findet man Sie zum Beispiel nicht über die Suchfunktion. Aber das Ziel sollte es eher sein, dort vertreten zu sein, wo sich die UserInnen größtenteils aufhalten: Auf den persönlichen Profilen, die die Timeline und die Fotoalben umfassen und im Chat. Wenn ich dort sichtbar sein möchte, dann schaffe ich das nur, wenn andere über mich und meine Angebote auf ihren Profilseiten berichten, Fotos heraufladen und im Chat über das gestrige Konzert, die Ausstellung, etc. erzählen. Wenn meine Angebote ihren Erwartungen entsprechen und wenn ich es zulasse, dass sie auch Fotos machen dürfen. Klar, das ist in einem Theater nicht ganz einfach, aber dann gilt es eben, spezielle Anlässe zu schaffen (siehe z.B. das Kultup im Theater Heilbronn).

Ich glaube, Facebook bietet uns noch viele wunderbare Möglichkeiten, um auf uns und unsere Angebote aufmerksam zu machen. Allerdings sind das Ansätze, die mit den Möglichkeiten, die uns das Marketing bis jetzt angeboten hat, wenig zu tun haben. Es geht um persönliche Gespräche in den Netzwerken der UserInnen. Dort hinein kann ich mich nicht einkaufen, niemals. Also überlegen Sie sich, wie Sie es schaffen, dorthin zu gelangen und nicht, ob Sie Facebook verlassen sollen. Dafür ist es eindeutig noch zu früh.

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60 Minuten über das neue EU-Förderprogramm “Creative Europe” [Video]

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Sylvia Amann, die mit ihrem Unternehmen inforelais unter anderem Unterstützung beim Thema EU-Förderungen anbietet, hat vor wenigen Tagen in einem Webinar das neue EU-Förderprogramm “Creative Europe” vorgestellt und die zahlreichen Fragen der TeilnehmerInnen beantwortet. Wenn Sie fix vorhaben, einen Antrag nach Brüssel zu schicken oder mit dem Gedanken spielen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, kann ich Ihnen diese 60 Minuten wärmstens empfehlen. Hier ist die Aufzeichnung: