Was bringen Marketing Blogs? Ein Stöckchenwurf
Was bringen eigentlich Marketing Blogs? Diese Frage hat sich Marketingblogger Michael van Laar gestellt und weil ihm seine eigenen Antworten zu wenig waren, hat er diese Frage anderen BloggerInnen gestellt.
“Stöckchenwurf” nennt sich das dann, wenn man jemand anderem diese Fragen zuwirft.
Karin Janner, die mir das Stöckchen zugeworfen hat, spricht in diesem Zusammenhang vom “Kettenbrief-Prinzip”:
“Der Initiator entwirft einen Fragenkatalog, beantwortet die Fragen als erstes selbst in seinem Blog und wirft sie dann als “Stöckchen” mehreren Blogs zu. Wer so ein Stöckchen erhält, macht einen hübschen Blogeintrag zur Beantwortung der Fragen und wirft es wiederum weiter.
Über Trackbacks kann man verfolgen, wer das Stöckchen gefangen und wohin er es weitergeworfen hat. Der Initiator sammelt auf seiner Seite die Stöckchen wieder ein (also die Links zu allen Blogeinträgen der Stöckchenfänger) und wertet die Antworten aus bzw. fasst sie zusammen.”
Das Kulturmanagement Blog ist zwar nicht unbedingt ein Marketing Blog, aber das Thema Marketing ist mir schon wichtig, wie man ja auch an der Zahl der Beiträge erkennen kann. Also los…
Seit wann gibt es das Blog?
Eingerichtet habe ich das Blog im November 2006, so richtig mit dem Schreiben habe ich Januar 2007 begonnen.
Was war der Auslöser, um das Blog zu starten?
Da gab es mehrere Gründe:
- ich habe im Sommer 2006 damit begonnen, mich mit Weblogs zu beschäftigen und fand die Idee faszinierend, damit andere Menschen zu erreichen;
- der Bereich Kulturmanagement war im Internet kaum vertreten, vor allem in Sachen Blogs herrschte Funkstille;
- ich schreibe gerne;
- ein Blog erschien mir als Möglichkeit, mich von anderen KulturmanagerInnen zu unterscheiden.
Welchen Zweck hat das Blog?
Begonnen habe ich das Blog, ohne so wirklich zu wissen, was ich damit erreichen will. Ich fand es toll, zumindest im Kulturbereich einer der ersten zu sein und das Thema Kulturmanagement zu besetzen.
Heute, einige Monate und mehr als 600 Beiträge später, weiß ich das Weblog sehr zu schätzen und verfolge damit sehr konkrete Ziele:
- das Blog ist für mich eine Möglichkeit, Themen zu “sammeln”, die mich interessieren und mit denen ich mich beschäftige oder zukünftig beschäftigen möchte. So eine Art Zettelkasten also.
- im Laufe der Zeit ist es zu einer Art Archiv geworden. Wenn ich zum Beispiel ein Seminar, eine Präsentation oder einen Vortrag konzipiere, dann schaue ich immer wieder nach, was ich hier an Themen gesammelt habe. Sehr häufig sind Blogposts aber auch die Basis für Texte, die ich schreibe. Blogposts sind also für mich häufig der Ausgangspunkt von Produkten oder Dienstleistungen und damit auch so etwas wie ein Marketinginstrument.
- als Marketinginstrument ist das Weblog eine Art Schaufenster. Ich kann darauf verweisen, wenn jemand wissen will, mit welchen Themen ich mich beschäftige.
- das Blog gibt mir dadurch natürlich auch die Möglichkeit, mich mit dem Thema Kulturmanagement zu beschäftigen, denn ich “muss” mich ja nach neuen Themen für die Beiträge umschauen. Ohne Blog wäre ich wahrscheinlich wesentlich träger, wenn es darum geht, neue Dinge aufzunehmen.
- gleichzeitig bietet mir das Blog die Möglichkeit, mit anderen Menschen über diese Themen ins Gespräch zu kommen. Mir ist der Austausch und die Diskussion wichtig, denn nur so besteht in meinen Augen die Chance, sich weiter zu entwickeln.
- es ist aber auch eine Art Netzwerk geworden, der Knotenpunkt, an dem all die anderen Kommunikationstools wie Twitter, Xing, etc. zusammenlaufen. Über das Blog lerne ich andere Menschen kennen und habe nicht nur die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sondern auch mit ihnen zusammen zu arbeiten.
Was hat das Blog bisher “gebracht”?
Alle diese eben angeführten Zwecke erfüllt das Weblog und das ist, denke ich, schon mal sehr viel. Das heißt, viele neue Themen, viele neue Kontakte und vor allem jede Menge Spaß. Aber, und das will ich nicht verschweigen, das Bloggen bringt einen manchmal auch in arge Zeitnot. Es ist ja oft viel netter, einen Blogbeitrag zu schreiben als sich der “Arbeit” zu widmen.
Aber gemacht werden muss sie natürlich trotzdem.
Das Stöckchen geht nun weiter an…
Daniel Gaßmair, dem ich mit seinem Blog Viral Marketing & Buzz Marketing das Video des gestrigen Blogposts zu verdanken habe.
Außerdem werfe ich es Hanspeter Gautschin zu, dessen Blog Bodeständigi Choscht zwar kein explizites Marketing Blog in Sachen Kunst und Kultur ist. Aber das ihm das Thema Marketing am Herzen liegt, das spürt man, wenn man seine Blogbeiträge liest. Eingefallen ist mir auch noch Kulturblogger Christian Holst, auch bei ihm ist Kulturmarketing ein Thema. Und auch Martina Ebert und ihr Blog “…und ewig lockt das Marketing” bekommt das Stöckchen zugeworfen.
Ansonsten sind natürlich alle, die ich jetzt nicht mit dem Prügel, Verzeihung dem Stöckchen beworfen habe, herzlich eingeladen, es trotzdem an sich zu nehmen und die Fragen zu beantworten. Schließlich bringen solche Stöckchen auch Links, eine der wichtigsten Blogwährungen.
Wenn Sie wissen wollen, was alle “Beworfenen” geantwortet haben, bei Michael van Laar finden Sie die Links zu allen Weblogs.
Was glauben Sie, wofür hier geworben wird?
Als ich mir dieses Video angeschaut habe, dachte ich lange Zeit an eine Aktion der Gewerkschaft.
Eigentlich hätte ich wissen können, dass etwas anderes dahintersteckt, denn Daniel Gassmair, auf dessen Blog viralandbuzzmarketing.de ich das Video entdeckt habe, hat seinen Beitrag mit “Wenn das Unerwartete passiert,…” überschrieben. Was mich interessieren würde: woran haben Sie gedacht, als Sie das Video gesehen haben? Die Auflösung gibt es übrigens am Ende des Films. Viel Spaß!
Beispiel “Arena Stage”: Abos mit Hilfe des Internets verkaufen
Chad M. Bauman ist Kommunikationschef eines amerikanischen Theaters, Arena Stage, und betreibt “nebenbei” das Blog Arts Marketing. Es lohnt sich, sowohl einen Blick auf sein Blog als auch auf die Website des Theaters zu werfen, denn man kann erkennen, wie sich offline- und online-Welt immer näher kommen. Spätestens in ein paar Jahren wird es uns wohl komisch vorkommen, von einer online- und einer offline Welt zu sprechen.
Vor einiger Zeit hat Bauman auf seinem Blog ein Dokument zur Verfügung gestellt, in dem er eine Kampagne beschreibt, mit der Arena Stage versucht, Abonnenten zu gewinnen. Lesenswert ist der Beitrag “Using PURLs to Drive Subscription Sales at Arena Stage” deshalb, weil er dabei ein ganz interessantes Instrument einsetzt, PURLs. Das Kürzel steht für personalized URL, also personalisierte Websites.
Der erste Schritt im Rahmen der Kampagne bestand im Versenden einer Postkarte, die den Gewinn zweier VIP-Tickets versprach. Was musste man dafür tun? Auf der Karte befand sich eine personalisierte URL, die ich besuchen musste, um meine Gewinnchancen zu wahren. Angenommen, ich hätte diese Karte erhalten, dann hätte die URL meiner persönlichen Website gelautet: http://christianhennerfehr.arenarestaged.com
Auf dieser Seite finde ich dann eine Nachricht der Direktorin vor, in der sie mich persönlich anspricht und mich darum bittet, drei Fragen zu beantworten. Auf der Basis meiner Antworten erhalte ich dann , verkürzt gesagt, ein maßgeschneidertes Angebot.
Die Kampagne läuft derzeit noch, daher lässt sich noch nicht viel über Erfolg oder Misserfolg sagen, aber Chad M. Bauman wird sicher nicht nur auf Konferenzen, sondern auch auf seinem Blog darüber berichten.
Spannend ist für mich die Verbindung von Postkarte und Internet und hier besonders die Idee der personalisierten URL. Von vielen webbasierten Angeboten kennen wir das ja schon, beispielsweise hier bei wordpress, wo ich mir sofort meine URL für ein Weblog zusammenbauen kann (http://name.wordpress.com).
Wer wissen möchte, wie diese Kampagne aufgebaut ist, sollte einen Blick in das vierseitige Dokument werfen, denn es beschreibt recht anschaulich die insgesamt zehn Schritte, aus denen die Kampagne besteht.
Wikis: die Arbeit beginnt erst danach
Vielleicht gehören Sie ja auch zu denen, die sich schon mal an einem Forum oder einem Weblog versucht haben. Sie haben darüber gelesen, wie toll das alles ist und nachdem sich die Kosten in Grenzen halten, haben Sie es halt mal ausprobiert. Installiert ist so was sehr schnell, aber dann…
Da ist also Ihr Forum online und kein Mensch diskutiert. Dabei haben Sie doch extra darauf hingewiesen, dass hier diskutiert werden soll. Und ein paar provokante Inputs haben Sie auch gegeben.
Bei Weblogs verhält es sich ähnlich. So ein paar Zeilen sind schnell geschrieben. Aber nach der ersten Euphorie hat man dann auch andere Dinge zu tun und außerdem funktioniert das mit der Verlinkung überhaupt nicht, von den Kommentaren, die da auftauchen sollten, ganz zu schweigen.
So ähnlich verhält es sich auch mit Wikis. Was das ist und wozu sie verwendet werden können, gerade im Kunst- und Kulturbereich, darüber hat Karin Janner im Kulturmarketing Blog einen höchst informativen und umfassenden Beitrag geschrieben. Auch hier gilt: so ein Ding ist schnell ins Leben gerufen (kostenlos und webbasiert zum Beispiel hier und hier).
Aber auch hier taucht das Problem auf: wie bringe ich so ein Wiki zum Laufen. Ich habe selbst vor mehr als einem Jahr hier im Blog das Förderwiki angekündigt, in dem Links zu verschiedenen Förderstellen zu finden sind. Die Idee dahinter war, und das ist die Idee aller Wikis, dass möglichst viele Menschen ihr Wissen zusammen tragen und es anderen zur Verfügung stellen. Nachdem die öffentlichen Fördertöpfe ja im Kunst- und Kulturbereich nicht so ganz unwichtig sind, bietet sich da ein kollaboratives Instrument wie ein Wiki eigentlich an. Funktioniert hat es aber nicht wirklich. Warum?
Weil ich genau das gemacht habe, was die meisten machen: ich habe das Wiki eingerichtet, mit Inhalten versehen und dann darauf gewartet, dass was passiert. Viel ist aber nicht passiert, denn ich habe all das vernachlässigt, was danach passieren muss. Und ich habe nicht bedacht, dass Wikis für die allermeisten etwas ganz neues sind, womit sie sich erst vertraut machen müssen.
Maish Nichani hat auf PebbleRoad einen ganz gutes Blogpost dazu verfasst, indem er darauf hinweist, dass ein Wiki nicht nur geplant und eingerichtet, sondern eben auch betreut werden muss. Denn:
“There are many who jump start wiki-based collaboration projects by directly setting up the wiki and inviting others to contribute. While this might work for groups where the wiki concept is already well-grounded, our experience tells us that this approach does not work for groups that are new to the concept of collaboration, let alone wiki-based collaboration. Hence the need for some guidance and structure.”
Daher geht es in einem ersten Schritt darum, den Umgang mit einem Wiki zu lernen. Wie schreibt man darin, was schreibt man darin und welche Möglichkeiten der Darstellung gibt es? Brigitte Reiser, die das Blog Nonprofits-vernetzt.de betreibt, hat in einem Kommentar zu Karins Wiki-Beitrag einen sehr guten Vorschlag gemacht. Sie meint:
“Um Erfahrungen mit Wikis zu sammeln, macht es Sinn, sich ein persönliches Wiki aufzusetzen, um mit diesem Format zu üben. Über diesen persönlichen Weg kann man auch Mitarbeiter, die von Wikis noch nie gehört haben, eher für diese Anwendung gewinnen.”
Ich finde diese Idee ziemlich gut, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich genau auf diese Weise gelernt, mit Wikis umzugehen und sie entsprechend meinen Bedürfnissen zu nutzen. Ich habe zwei längere Artikel nicht mit Hilfe von Word oder einer anderen Textverarbeitung geschrieben, sondern ein Wiki genutzt. Ich verwende außerdem ein Wiki, um Links zu sammeln und mir gleich ein paar Notizen dazu zu machen. Da stoße ich mit del.icio.us, Diigo oder Mister Wong doch an Grenzen. Ein weiterer Vorteil: diese Wikis bekommt kein Mensch zu sehen und darin kann ich ausprobieren und schreiben was ich will.
Versuchen Sie es doch einfach mal aus. Eingerichtet ist so ein Wiki, wie gesagt, sehr schnell. Sie müssen sich allerdings überlegen, wofür Sie es dann verwenden. Linksammlung, Zettelkasten, Recherchetool, alles ist möglich.
Karin Janner hat vorgeschlagen, ein Wiki zum Thema Kulturmanagement einzurichten. Eine gute Idee, es wäre der nächste Schritt, heraus aus der Privatheit in die Öffentlichkeit, denn das würde bedeuten, jede/r kann mitschreiben. Das gilt übrigens auch für das Förderwiki. Es ist natürlich immer noch online und enthält viele Links zu Förderstellen. Ich werde es in der nächsten Zeit wieder verstärkt nutzen und daran arbeiten, daraus ein kollaboratives Tool oder Angebot zu machen. Sie sind herzlich eingeladen.
Und falls Sie selbst in Ihrer Organisation ein Wiki einrichten möchten, hilft Ihnen unter Umständen diese Checkliste weiter.
“Bauen Sie Systeme, die stören!”
Stören? Dazu wird man eher selten aufgefordert. Aber genau dazu ruft uns Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH und Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität in Bremen, in einem Videointerview auf, das ich bei Armin Karge entdeckt habe.
Mit dieser Aufforderung und der Behauptung, dass harmonische Systeme dumme Systeme seien, erinnert er mich an die von Sven Gabor Janszky postulierten Schritte auf dem Weg zur Innovation (siehe dazu meinen Beitrag “Kulturmanagement und Innovation: gehört das zusammen?“). Im zweiten Schritt fordert uns Janszky auf, die Leere zu suchen und uns aus unserem vertrauten Umfeld zu lösen.
Kruse vertritt die Ansicht, dass wir instabile Systeme brauchen, in denen Spannung herrscht. Nur auf diese Weise können wir, so Kruse, einen Prozessmusterwechsel herbeiführen.
Sein Rezept dafür: “Bauen Sie Netzwerke!”. Denn nur die Komplexität von Netzwerken sei dazu in der Lage, auf die komplexen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu reagieren.
Wäre das nicht auch etwas für den Kunst- und Kulturbereich? Vernetzung, wo immer es geht, aber nicht als geschlossene Veranstaltung, sondern als offenes instabiles System, aus dem heraus sich neue Wege für Kunst und Kultur ergeben.
Und noch einen Punkt aus diesem Interview möchte ich herausgreifen: für Kruse ist Kreativität nicht etwas, was sich direkt erzeugen lässt, sondern etwas, was in “indirekten Möglichkeitsräumen” entstehen kann, aber nicht muss. Wir können nur für die geeigneten Rahmenbedingungen sorgen, ob daraus Kreativität oder Innovation entstehen, weiß im Vorhinein niemand.
“Indirekte Möglichkeitsräume” und instabile Systeme: ist das nicht eigentlich genau der Rahmen, in dem es KünstlerInnen gelingt, ihre großartigen Werke zu produzieren? Hängt es von diesen Rahmenbedingungen ab, ob ein Kunstwerk “gut” oder “schlecht” wird? Und ist es dann nicht die Aufgabe von KulturmanagerInnen, diese Möglichkeitsräume zu schaffen und Netzwerke zu knüpfen, die sich durch eben diese Instabilität auszeichnen?
In diesem Zusammenhang ist Kruses Antwort auf die Frage, was er mache, um klug zu sein, ganz aufschlussreich. Er versuche Netzwerke zu bauen, die aus drei verschiedenen Charakteren von Menschen bestehen, so der Professor. Dem “Creater”, der seine Mitmenschen immer wieder störe, weil er ständig mit neuen Dingen komme, dem “Owner”, der über jede Menge Wissen verfüge und dem “Broker”, der sich dadurch auszeichne, dass er in jeder Situation Menschen kenne, die etwas wissen.
Ob es uns gelingt, solche Systeme, die stören, zu bauen? Ich bin gespannt.
Die aktuelle Ausschreibung des EU-Förderprogramms Kultur: worauf Sie bei Ihrem Konzept achten sollten
Wie das EU-Förderprogramm Kultur strukturiert ist, habe ich ja bereits an anderer Stelle beschrieben. Für die Aktionsbereiche 1.1 (mehrjährige Kooperationsprojekte) und 1.2.1 (Kooperationsmaßnahmen) läuft die Einreichfrist noch bis zum 1. Oktober. Zeit genug, um sich über die Konzeption eines Projektvorhabens, für das man um Förderung ansucht, Gedanken zu machen.
Ganz hilfreich ist es, wenn man dabei die Kriterien kennt, mit deren Hilfe die Jury die Projekte bewertet und damit über die Vergabe der Fördermittel entscheidet. Ausführliche Informationen darüber enthält der Programmleitfaden, den die Exekutivagentur vor einiger Zeit veröffentlicht hat.
Schauen wir uns diese Kriterien doch einmal an. Insgesamt gibt es vier verschiedene Kategorien von Kriterien:
- Förderfähigkeitskriterien
- Ausschlusskriterien
- Auswahlkriterien
- Vergabekriterien
Zu den Förderfähigkeitskriterien: Ihr Vorhaben ist förderfähig, wenn
- es den Programmzielen entspricht (siehe dazu Programmleitfaden Seite 8);
- Sie die Einreichfrist einhalten (das ist wie schon gesagt der 1.10.08);
- der Antrag in einer Amtssprache verfasst ist (am sinnvollsten ist es, den Antrag in deutscher, englischer oder französischer Sprache abzufassen);
- das Formular ordnungsgemäß ausgefüllt und unterschrieben ist und
- die benötigten Unterlagen vollständig sind.
Keine Chance auf Förderung haben Sie, wenn auf Sie die Ausschlusskriterien zutreffen. Das heißt, salopp formuliert, Sie sollten als einreichende Organisation nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein, nicht vor dem Konkurs stehen oder Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt haben. Eine genaue Auflistung findet sich im Programmleitfaden auf Seite 19f.
Sind Sie immer noch dabei, gelangen im nächsten Schritt die Auswahlkriterien zur Anwendung, das heißt, es geht um Ihre operative und finanzielle Leistungsfähigkeit.
Die operative Leistungsfähigkeit geht entsprechend dem Leitfaden aus folgenden Unterlagen hervor:
- dem Tätigkeitsbericht über die letzten zwei Jahre;
- dem Lebenslauf der Personen, “die für die zentrale Koordinierung bzw. Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahme für jede beteiligte Organisation bzw. für die Durchführung des Arbeitsprogramms der Organisation zuständig ist/sind”.
Die finanzielle Leistungsfähigkeit weisen Sie nach, in dem Sie das Formular zur finanziellen Leistungsfähigkeit ausfüllen. Das steht leider derzeit noch nicht online zur Verfügung, ich reiche den Link dann nach.
Ist auch diese Hürde geschafft, geht es mit Hilfe der Vergabekriterien um die eigentliche Bewertung Ihrer Projektidee. Dabei sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
- Bringt Ihr Vorhaben einen zusätzlichen europäischen Nutzen? Um die folgenden Fragen geht es konkret:
- wie arbeiten Sie mit Ihren Partnern zusammen? Gibt es Synergien auf europäischer Ebene?
- erzielt Ihr Vorhaben auf europäischer Ebene eine größere Wirkung als auf nationaler Ebene?
- führen Zusammenarbeit und Partnerschaft zu einem Ergebnis, das sich qualitativ von der Summe der einzelnen auf nationaler Ebene durchgeführten Aktivitäten unterscheidet?
- arbeiten Sie mit Organisationen zusammen, die bis jetzt noch keine EU-Förderung erhalten haben?
- Geht das Vorhaben auf die Ziele des Programms ein? Diese sind:
- grenzüberschreitende Mobilität von KulturakteurInnen
- grenzüberschreitende Mobilität von kulturellen und künstlerischen Werken und Erzeugnissen
- interkultureller Dialog
- Ist Ihr Vorhaben qualitativ hochwertig? Folgende Faktoren werden berücksichtigt:
- Kreativität, Innovation und Originalität
- Kompetenz und Erfahrung der beteiligten Personen
- Relevanz der vorgeschlagenen Aktivitäten für die Zielgruppe
- Baut Ihr Projekt auf einer echten Partnerschaft auf?
- wie eng arbeiten Sie mit Ihren Partnern zusammen?
- welche Rolle spielen die Mitorganisatoren und welchen Beitrag leisten Sie zum Projektmanagement?
- stehen Ihre Aktivitäten in einem realistischen Verhältnis zu Budget und verfügbarem Personal?
- wie steht es um die Qualität von Antrag und Finanzplan? Gewertet werden
- Seriosität und Vollständigkeit
- Klarheit und Relevanz der vorgeschlagenen Methodik
- Klarheit im Hinblick auf Ziele und Ergebnisse
- Aufschlüsselung des Finanzplans
- Wer kann einen Nutzen aus Ihrem Projekt ziehen?
- wie viele Personen und/oder europäische Länder erreichen Sie mit Ihrem Projekt?
- ist Ihr Vorhaben sektorübergreifend?
- Wie machen Sie Ihre Aktivitäten bekannt?
- wie sieht Ihr Kommunikationsplan aus?
- wie groß ist die Relevanz und Angemessenheit der vorgesehen Mittel?
- welche Methoden kommen zum Einsatz, um eine Außenwirkung zu erzielen?
- Worin besteht die langfristige Wirkung Ihres Vorhabens?
- wie hoch ist das Potenzial für eine dauerhafte Zusammenarbeit?
- wie groß ist das Potenzial für weitere (europäische) Initiativen und Projekte?
Das sind dann eigentlich schon alle Aspekte, die Sie berücksichtigen müssen.
Für jeden der Fragenbereiche
- Bringt Ihr Vorhaben einen zusätzlichen europäischen Nutzen?
- Geht das Vorhaben auf die Ziele des Programms ein?
- Ist Ihr Vorhaben qualitativ hochwertig?
- Baut Ihr Projekt auf einer echten Partnerschaft auf?
- Wer kann einen Nutzen aus Ihrem Projekt ziehen?
- Wie machen Sie Ihre Aktivitäten bekannt?
- Worin besteht die langfristige Wirkung Ihres Vorhabens
gibt es zwischen 0 und 5 Punkte. Maximal können Sie also 35 Punkte erreichen, um eine Chance zu haben, müssen Sie mindestens 75% der möglichen Punkte, also 26,25 Punkte schaffen. Zusatzhürde: bei den ersten drei Fragen müssen mindestens 3,5 von 5 Punkten erzielt werden, sonst ist es für Sie vorbei.
Wenn Sie eine Projektidee haben und am Überlegen sind, ob Sie einreichen sollen oder nicht, versuchen Sie die in diesem Beitrag angeführten Fragen zu beantworten. Wenn Sie das schaffen, sind Sie schon relativ weit, im nächsten Schritt ist es dann Aufgabe der Jury, Punkte zu vergeben.
Davor müssen Sie jedoch erst einmal die richtigen Partner finden und das Antragsformular ausfüllen. Hilfestellung und Infos dazu folgen in einem weiteren Beitrag. Aber jetzt sind erst einmal die Fragen dran. Falls Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen, ich stehe gerne zur Verfügung.
Online-Fundraising: Mühsam nährt sich das Eichhörnchen
Wenn man wie ich zwei Wochen ohne Internetzugang auskommen musstedurfte, dann merkt man recht schnell, was einem auf der einen Seite an Infos entgeht. So habe ich beispielsweise erst jetzt am Wochenende vom Ende der österreichischen Regierung erfahren, denn in den Abruzzen gibt es nicht nur keine Internet-Cafes, sondern auch keine deutschsprachigen Zeitungen.
Auf der anderen Seite kann man aber erkennen, wie viele Menschen eigentlich noch ohne das Internet auskommen und ich glaube nicht, dass sie im Bewusstsein leben, ihnen würde etwas abgehen.
Vor diesem Hintergrund ist mir eine Pressemeldung aufgefallen, in der festgestellt wird, dass die Bereitschaft zur Online-Spende im deutschsprachigen Raum zwar zunimmt. Der Ausgangspunkt scheint aber noch kaum wahrnehmbar zu sein. Bei aller Begeisterung für das Internet und die zahllosen Tools ist es, denke ich, wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, wie klein die Zahl derer ist, die sich völlig selbstverständlich im Internet bewegen und sich dort nicht nur informieren, sondern auch mit anderen kommunizieren oder zusammen arbeiten.
Das heißt nun nicht, dass ich zukünftig nicht mehr über das Online-Fundraising schreibe, sondern mich dem guten alten Brief widme. Nein, aber der “guter alte Spendenbrief” hat immer noch seine Bedeutung.
Leider geizt die Pressemeldung mit Zahlen, aber wenn Ärzte ohne Grenzen in Deutschland seit knapp zehn Jahren das Online-Spenden anbietet und über diese Schiene zwischen zwei und fünf Prozent des gesamten Spendenaufkommens hereinkommen, dann ist das wahrscheinlich schon ein Spitzenwert im Nonprofit-Bereich. Von den Kunst- und Kultureinrichtungen will ich gar nicht reden.
Aber ich denke, es lohnt sich, am Thema dranzubleiben und mit solchen Angeboten zu experimentieren. Denn ich bin zuversichtlich, dass es irgendwann losgeht und dann ist es gut, wenn man zu den ersten gehört. Freuen wir uns also über den Aufwärtstrend und bleiben wir weiter am Ball.
Das Kulturmanagement Blog macht Urlaub
© Wilhelm Nitsch: Pixelio
Mehr als 600 Beiträge finden Sie mittlerweile hier auf diesem Blog und fast jeden Tag kommt ein weiterer dazu. Damit das auch weiter so bleibt, nehme ich eine kleine Auszeit und fahre zwei Wochen in die Abruzzen auf Urlaub.
Ich lade Sie bis dahin ein, einen Blick in das mittlerweile recht umfangreiche Archiv zu werfen. Nutzen Sie die Suchfunktion oder suchen Sie sich Ihre Kategorie aus, ich bin mir sicher, Sie finden den einen oder anderen Beitrag, den Sie noch nicht kennen. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach, wenn ich in dieser Zeit nicht auf Ihre Kommentare antworte, ich genehmige mir eine computer- und internetfreie Zeit.
Egal was Sie in den nächsten zwei Wochen machen werden, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit und freue mich auf ein Wiederlesen Mitte Juli.
Crowdfunding und SellaBand sind eines der Themen beim nächsten Web Montag in Salzburg
Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Beitrag über die Musikplattform SellaBand, auf der es die Salzburger Band ConFused5 geschafft hat, 50.000 USD für ihre erste CD-Produktion einzusammeln. Beim nächsten Web Montag am 30. Juni in Salzburg wird die Band darüber berichten, wie sie das geschafft hat.
Der Web Montag, von David Röthler organisiert, beschäftigt sich diesmal mit den Themen Crowdsourcing & Open Innovation und Sie können sowohl vor Ort in Salzburg als auch online daran teilnehmen. Wie funktioniert der Web Montag? David Röthler schreibt dazu:
“Der Web Montag ist ein dezentral organisiertes, partizipatives, offenes und informelles Treffen zum Thema Web 2.0, für AnwenderInnen, EntwicklerInnen, GründerInnen, UnternehmerInnen, ForscherInnen, Web-PionierInnen, BloggerInnen, PodcasterInnen, DesignerInnen und sonstige InteressentInnen.”
Das heißt, Sie müssen nicht nur einfach zuhören, sondern können sich, so Sie wollen, auch mit einer eigenen Präsentation beteiligen. Alle weiteren Informationen dazu finden Sie hier.
Update zur aktuellen Ausschreibung des EU-Kulturförderprogramms
Zwei Informationen habe ich zur aktuellen Ausschreibung des EU-Kulturförderprogramms anzubieten.
- Mittlerweile hat die Exekutivagentur, die für die Abwicklung des Programms verantwortlich ist, den angekündigten Programmleitfaden auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Das PDF umfasst 81 Seiten und enthält alle wichtigen Informationen zum Programm. Die wichtigsten Punkte werde ich demnächst in einem eigenen Blogeintrag zusammenfassen.
- Der österreichische Cultural Contact Point bietet als Unterstützung zu dieser Ausschreibung am 30. Juni eine kostenlose Informationsveranstaltung in Wien an. Infos und Anmeldemöglichkeit finden Sie auf der Website des Cultural Contact Point.
Wenn Wien für Sie zu weit ist oder Sie keine Zeit haben, die Veranstaltung zu besuchen, ist das Webinar, das ich zusammen mit David Röthler anbiete, vielleicht eine Alternative für Sie. Die Teilnahme kostet 125 Euro, aber dafür fallen keine Reisekosten an, denn Sie müssen sich nur zu Ihrem eigenen Computer bewegen. ![]()

