Crowdfunding
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Crowdfunding in 11 Schritten (Teil IV)

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Bild: Crowdfunding“; von Rocío Lara (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Im zweiten Teil dieser Serie hatte ich geschrieben, dass eine Crowdfunding-Kampagne nicht ein kleines Anhängsel eines “richtigen” Projektes ist, sondern als ein eigenständiges Vorhaben zu betrachten sei. Wer schon mal eine Kampagne durchgeführt hat, weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Die Frage ist, über welchen Zeitraum wir diese Arbeit verteilen, denn die Laufzeit unserer Kampagne bestimmen wir in der Regel selber.

Schritt 6: Setzen Sie den Termin für die Deadline fest

Gerade AnfängerInnen entscheiden sich häufig für eine längere Laufzeit, weil sie glauben, so größere Chancen zu haben, das eigene Vorhaben erfolgreich zu finanzieren. Ob das wirklich so stimmt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Ein Blogbeitrag aus dem letzten Sommer weist darauf hin, dass auf Kickstarter Kampagnen mit einer Laufzeit von 30 oder weniger Tagen eine höhere Erfolgsquote (35 Prozent) aufweisen als die mit einer Laufzeit von 60 Tagen (Erfolgsquote: 29 Prozent). Offen bleibt, ob dabei die Dauer der Kampagne eine Rolle spielt oder die Höhe der Summe, um die es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die meiste Unterstützung zu Beginn und am Ende einer Kampagne gibt. Dazwischen geht es oft sehr zäh voran. Meist lässt die erste Euphorie des Projektteams nach einem – hoffentlich – erfolgreichen Auftakt etwas nach und auch die UnterstützerInnen denken sich, dass es ja noch nicht eilig sei, das Vorhaben zu unterstützen. Ich scheue mich davor, von einer Durchhängerphase zu sprechen, aber meist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag wesentlich schlechter als in Start- und Endphase. Deshalb plädiere ich eher für kurze Laufzeiten, bei kleineren Projekten sind das zum Beispiel 30 Tage, bei größeren 60. Maria Weiss hat zum Beispiel genau 30 Tage gebraucht, um für ihr Projekt “favola in musica” 9.200 Euro einzusammeln und damit das Brennen der CD und den Druck des Digibooks zu finanzieren.

favola in musica

Die Plattform Indiegogo testet derzeit die Möglichkeit, Kampagnen über deren eigentliches Ende hinaus weiter laufen zu lassen. In ihrem Blogpost “Continuing Your Success on Indiegogo” wurde vor zwei Monaten das Pilotprogramm “Forever Funding” angekündigt,

“that will let campaigners continue raising money even after their campaign deadline, providing a new way to deepen their engagement with funders”.

Mir gefällt der Ansatz, denn er fördert eine Entwicklung, in der Crowdfunding sich immer mehr in Richtung Marketing bewegt und den engen Kontakt zu den UnterstützerInnen auch über die Kampagne hinaus zu nutzen. Ob er sich bewährt, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass dieses Modell vor allem denen entgegenkommt, die mit Hilfe von Crowdfunding die Entwicklung eines Produktes finanzieren und es als Gegenleistung zum Kauf anbieten. Ein Beispiel ist die Kampagne für das Tracking-Tool TrackR bravo, die bis zum eigentlichen Kampagnenende Anfang August 1,26 Mio. USD einsammeln konnte und mittlerweile bei 1,46 Mio. angekommen ist. Ob dieses Modell auch bei einem jährlich stattfindenden Theaterfestival funktioniert, müsste man ausprobieren. Allerdings ist die Herausforderung in diesem Fall ungleich größer als bei dem erwähnten Beispiel, denke ich.

Schritt 7: Finden Sie die passenden Gegenleistungen

Die Gegenleistungen entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg einer Crowdfunding-Kampagne. Wer hier gute und kreative Ideen und das Gespür dafür hat, was der “Crowd” gefällt, kann seine Erfolgsaussichten gewaltig steigern. Wer die Entwicklung und Produktion eines Produktes, zum Beispiel einer CD, eines Films oder Buches, finanziert, hat es relativ leicht, denn als Gegenleistung steht das Produkt selbst zur Verfügung. Bei der Kampagne von TrackR bravo kann ich lediglich das Tool erwerben und es farblich und mit einer Gravur versehen aufpeppen. Außerdem gibt es Mengenrabatt. Das ist nicht sonderlich einfallsreich, aber wenn sich die UnterstützerInnen für das Produkt interessieren, reicht das.

Maria Weiss war da etwas keativer und hat nicht nur die CD in mehreren Varianten angeboten, sondern auch an den kleinen Geldbeutel gedacht. Wer nicht bereit ist, eine CD zu erwerben und das Projekt trotzdem unterstützen möchte, kann das auch mit geringen Beträgen tun und erhält zum Beispiel einen Song zum Download oder ein Postkartenset mit Motiven aus der Produktion. Darüber hinaus kann eine UnterstützerIn aber auch eine Gesangsstunde, ein Abendessen oder eine Kutschenfahrt “erwerben”. Dabei sollten Sie beachten, dass bei den Gegenleistungen selbst auch wieder Kosten anfallen. Das heißt, mit den Beträgen, für die die Crowd eine Gegenleistung erhält, müssen sie sowohl das eigentliche Projekt, aber auch die Gegenleistungen finanzieren. Dass ein Abendessen für drei Personen etwas kostet, wissen Sie natürlich. Aber vergessen Sie nicht die Portokosten, wenn Sie Bücher oder CDs verschicken.

Wie viele verschiedene Gegenleistungen sollten Sie anbieten? Die Plattform VisionBakery schlägt in einem Blogbeitrag fünf bis zehn verschiedene Angebote vor, ansonsten droht es ihrer Ansicht nach unübersichtlich zu werden. Zehn unterschiedliche Gegenleistungen zu entwickeln, ist schon eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man keine CD und kein Buch, sondern ein Theaterstück produziert. Das Transition Theater zeigt recht schön, wie man die Sache angehen kann. Im Rahmen ihrer erfolgreichen Kampagne für die Produktion ihres Stückes Zeitwohlstand haben sie nicht nur 16 verschiedene Gegenleistungen entwickelt, sondern sich darüber hinaus inhaltlich an der Produktion orientiert. Schon für 2 Euro gibt es eine “Dankes-Zeit”, in der man nachfühlen soll, wofür man an diesem Tag dankbar sein soll. Aber man kann auch die ganze Produktion zu sich einladen, allerdings kostet das dann etwas mehr als die 2 Euro. ;-)

Vergessen Sie nicht die Unternehmen! Auch denen können Sie hier Angebote unterbreiten und darauf hoffen, dass Sie Ihren Sponsoringpartner via Crowdfunding finden. Ob das nun die Nennung des Namens im Abspann eines Films oder auf einer CD ist oder ein privates Konzert, in jedem Fall kann das Unternehmen von der Sichtbarkeit ihrer Kampagne profitieren. Je erfolgreicher Ihr Crowdfunding, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Bevor Sie sich jetzt den Kopf zerbrechen, werfen Sie doch einfach einen Blick auf die vielen Projekte, die sich auf den veschiedenen Plattformen präsentieren und lassen Sie sich von deren Ideen inspirieren. Wir müssen das rad ja nicht jedes Mal neu erfinden. ;-)

In der nächsten Folge dieser kleinen Serie geht es um die Frage, wie Sie Ihr Projekt am besten präsentieren.

Siehe auch:

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So bekommen Ihre Blogbeiträge mehr Klicks

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Vermutlich geht es mir wie allen, die ein Blog betreiben oder auf eine andere Art und Weise eigene Inhalte veröffentlichen: Ich investiere in meine Beiträge einiges an Zeit und habe deshalb den Wunsch, dass sie dann möglichst oft gelesen werden. Dafür setze ich natürlich auch auf die sozialen Netzwerke und poste dort den entsprechenden Hinweis. Da ich weiß, dass die Postings nach wenigen Stunden praktisch verschwunden sind und keine Links mehr generieren, habe ich versucht, den Hinweis nicht auf allen Netzwerken gleichzeitig zu veröffentlichen, sondern zeitlich gestaffelt. Erst auf Facebook, ungefähr zwei Stunden später auf Twitter und irgendwann auf Google+. Mehr als einmal habe ich gewöhnlich nicht auf meine Blogbeiträge hingewiesen, um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich würde spammen.

Vor einiger Zeit bin ich auf KissMetrics auf einen Beitrag von Garrett Moon gestoßen. In “How to Easily Double Your Traffic from Social Media” zeigt er einen Weg auf, wie die eigenen Blogbeiträge mehr Klicks erhalten. Anhand eines (hypothetischen) Beispiels macht er folgende Rechnung auf:

Quelle: KISSMetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Quelle: KISSMetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

 

Diese Grafik hat mir zu denken gegeben und mich dazu gebracht, das Thema der Bewerbung des eigenen Blogs etwas genauer zu betrachten. Erstens habe ich natürlich ein Interesse daran, meine Zugriffszahlen zu erhöhen und zweitens bin ich schon seit längerer Zeit dabei, meine mittlerweile knapp 1.800 Beiträge auf diesem Blog zu erfassen, um sie besser zu verwerten. Ob auf Twitter oder in den verschiedenen Facebookgruppen, immer wieder passen alte Blogbeiträge ganz gut zu einem Thema. Aber ich muss wissen, dass es sie gibt und ich muss sie finden. Deshalb erstelle ich gerade eine Liste, um einen Überblick zu erhalten. Aber die alten Beiträge sind ein eigenes Thema, mir geht es primär um die aktuellen Postings.

Die Grafik zeigt, dass sich in diesem Fall die Klickzahlen mehr als verdoppeln würden, weil der Hinweis auf ein Blogpost insgesamt dreimal über die Netzwerke verbreitet wird. Natürlich kann man jetzt auch die Unterschiede der Netzwerke berücksichtigen und unterschiedliche Frequenzen wählen, Moon zeigt in einer weiteren Grafik, wie das aussehen könnte. Da mir mehrere Accounts auf Twitter, Facebook und Google+ zur Verfügung stehen, habe ich viel mehr Gestaltungsspielraum als mit jeweils nur einem Account. Trotzdem würde ich mich unwohl fühlen, permanent den gleichen Inhalt zu verbreiten.

Spannend finde ich daher den Ansatz, ein Blogpost unter ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten zu bewerben. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Moon anhand eines seiner Blogposts, auf das er via Twitter insgesamt fünf Mal hinweist:

Quelle: KISSmetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Quelle: KISSmetrics Blog: http://bit.ly/1sI9dry

Während er beim ersten Tweet nur den Titel des Postings nennt, stellt er bei der zweiten Verlinkung  eine Frage und sucht sich für das dritte Mal eine interessante Zahl, auf die er hinweist. Beim vierten Mal verwendet er ein Zitat und beim fünften Mal wählt er einen besonders bemerkenswerten Umstand aus, den er als Aufhänger verwendet. Ich muss gestehen, dieser Ansatz gefällt mir, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob er überhaupt funktioniert.

Ich habe mir deshalb vorgenommen, das einfach mal auszuprobieren und zu schauen, ob sich die Klickzahlen erhöhen oder nicht. Für diesen und die folgenden Beiträge bin ich gerade dabei, ein “System” zu entwickeln, das ich bei den nächsten Blogbeiträgen anwenden werde. In etwa vier Monaten werde ich eine Auswertung vornehmen und dann darüber berichten. Bis dahin zähle ich Klicks. ;-)

Was mich interessieren würde: Wie oft weisen Sie auf Ihre Blogbeiträge hin und gehen Si dabei systematisch vor oder überlassen Sie es dem Zufall?

The Future is here
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Marketing im digitalen Raum: Fünf Punkte, auf die wir achten müssen

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Bild: The Future is Here“; von Alisa Perne (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Frank Tentler hat gestern in seinem Blogpost “Social Web 2.0. Oder: Neue Grundlagen für Kommunikation und Marketing.” beschrieben, wie er die zukünftige Entwicklung des digitalen Raumes sieht und sich dabei auf ein Modell von Robert Scoble und Shel Israel bezogen. In ihm spielen die 5 “Mächte” Mobil, Social Media, Big Data, Sensoren und die Location Based Technology eine wesentliche Rolle. Was früher einfach nur Social Media hieß und sich für viele auch heute noch auf Facebook reduzieren lässt, erfährt also eine gewaltige Erweiterung, Ob wir nun wie Frank Tentler von den Smartplaces sprechen oder wie ich vom digitalen Erlebnisraum, spielt keine große Rolle, denn die Entwicklungslinien sind die gleichen.

Was aber bedeutet das eigentlich für uns und unsere Social Media-Aktivitäten? Worauf müssen wir achten, wenn wir weiter das Web für unsere Marketingaktivitäten nutzen wollen? Ein kurzer Blogbeitrag von Rob Bibelhauser auf dem Edelman-Blog spricht da ein paar – in meinen Augen – wichtige Punkte an. In “Five Realities of Modern Digital Marketing” berichtet er vom Besuch einer Konferenz in Seattle und listet darin auf, was er für sich an Erkenntnissen mitgenommen hat:

1. “The Internet of Places”

Bibelhauser spricht von Apps, die es den UserInnen ermöglichen, vor Ort auf bestimmte Informationen zuzugreifen, die sich entweder auf diesen Ort oder das dort stattfindende Event beziehen. Universitäten, Museen oder Konferenzen hätten, so schreibt er, eine neue Plattform, um ihre Geschichte zu erzählen. Was ihm aber noch wichtiger erscheint:

“… brands that lack a physical retail space will find that events can serve as location-based distribution outlets.”

Orte erfahren dadurch eine enorme Aufwertung, was natürlich auch damit zu tun hat, dass wir es schon fast als selbstverständlich ansehen, vor Ort auf online zur Verfügung stehende Informationen oder Inhalte zugreifen zu können. Das heißt aber auch: Mit einer Website alleine ist es nicht mehr getan. Die Menschen vor Ort erwarten erstens, dass sie dort ohne Probleme online gehen können und zweitens, etwa mit Hilfe von iBeacon mit für sie relevanten Inhalten versorgt werden.

2. “Content is No Longer King”

Bibelhauser meint damit nicht, dass Inhalte nicht mehr wichtig sind, nein. Aber es gibt immer mehr Content, während die Zeit derer, für die er bestimmt ist, auf maximal 24 Stunden pro Tag beschränkt bleibt. Wir erleben es ja auf Facebook, wo wir Opfer unseres eigenen Erfolgs geworden sind und nun um die Aufmerksamkeit der UserInnen kämpfen müssen. Gute Inhalte sind zwar wichtig, aber wenn sie niemanden erreichen, war die ganze Mühe umsonst. Während Derek Halpern sein Augenmerk auf die Distribution legt und in seinem Blogbeitrag “The 80/20 Rule for Building a Blog Audience” fordert:

“(C)reate content 20% of the time. Spend the other 80% of the time promoting what you created”,

schreibt Colleen Dilenschneider in “Six Reasons why Content Is No Longer King“: “Content isn’t dead, but connectivity assuredly is king.” Wo auch immer wir den Schwerpunkt ansetzen, klar ist, dass es nicht reicht, Inhalte zu produzieren und darauf zu warten, dass sie konsumiert werden.

3. “Paying to Reach the Right Audience”

Ein Weg, die eigenen Inhalte sichtbarer zu machen, ist es, Geld in die Hand zu nehmen, damit die entsprechenden Zielgruppen auch wirklich erreicht werden.

“Without paid promotion, the value of your content is diminished from the start”,

meint Bibelhauser und ist davon überzeugt, dass wir auch die Daten, die wir auf diese Weise erhalten, dringend benötigen, um herauszufinden, ob wir für jede Zielgruppe die richtige Geschichte gefunden haben. Waren es früher nur die großen Unternehmen, die sich für die Daten der UserInnen interessiert haben, sind heute auch die “Kleinen” froh über die Daten, die sie so erhalten. Die Antwort, ob das Sammeln von Daten denn nötig sei, fällt bei Bibelhauser eindeutig aus: “The answer is yes.”

4. “Video Now the Dominant Player in Mobile”

Das ist der Punkt, an dem ich am meisten schlucken musste, dachte ich doch immer, Videos seien vor allem für die Smartphones eher uninteressant. Aber wenn es stimmt, dass die Hälfte des Traffics über die mobilen Geräte durch das Abspielen von Videos verursacht wird, dann muss ich mich wohl viel intensiver mit dem Thema Video beschäftigen.

5. “Authenticity is Evergreen”

Authentizität ist und bleibt wohl einer der wichtigsten Erfolgskriterien im digitalen Raum. Und was nach Bibelhauser noch dazu kommt:

“Brand trust flows from places that reflect reality and real life — things aren’t always perfect, and the brand promise must match the brand reality.”

In meinen Augen ist das ein ganz wichtiger Punkt, denn viele Kultureinrichtungen streben im Social Web danach, möglichst fehlerlos, möglichst perfekt dazustehen. Ich denke, so etwas kommt gar nicht so gut an, schließlich wissen wir, dass jede/r von uns mal Fehler macht und wir alle nicht perfekt sind.

Manche dieser Punkte sind recht neu, manche kennen wir schon lange. Aber mich hat beim Durchlesen des Beitrags von Rob Bibelhauser erstaunt, wie gut er den Beitrag von Frank Tentler ergänzt. Der Rahmen für unsere Aktivitäten erweitert sich ständig, das Social Web ist nur noch ein Teil davon. Denken wir hier weiter, können wir schon jetzt erahnen, dass der Begriff “social” irgendwann verschwinden wird, denn am Ende ist alles “social”. Das ist dann der Moment, wo der Begriff als Attribut überflüssig wird und wir uns sicher sein können, dass das Social Web bei uns angekommen ist. Aber bis dahin dauert es wohl noch eine Weile. ;-)

noise
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Die Wichtigkeit des Grundrauschens

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Bild: Noise“; von Karen Eliot (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

In meinem gestrigen Beitrag über das stARTcamp Wien habe ich das Fehlen von Leidenschaft kritisiert und von einer sachlich-nüchternen Atmosphäre gesprochen, in der es mehr Vorträge als Diskussionen gab. Das ist erst einmal nicht schlimm, zumal Barbara Royc in einem Kommentar geschrieben hat, dass es in den kleinen Räumen anders gewesen wäre. Manchen hat das Ausmaß an Gesprächen gereicht, anderen war es zu wenig. Fakt ist, dass ein Minimum an Austausch da sein sollte, weil wir sonst die Atmosphäre als steif empfinden und uns unter Umständen unwohl fühlen. Auf dem stARTcamp war das, denke ich, nicht der Fall, aber ich habe mir die Frage gestellt, wie das eigentlich im Social Web ist? Geht es uns da ähnlich? Empfinden wir es als unangenehm, wenn keine Kommunikation in Gang kommt?

Alex Mikula hat – auch in einem Kommentar – von der virtuellen Agora gesprochen und die Frage gestellt, ob wir nicht einen solchen virtuellen Raum einrichten sollten, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Etwa auf Google+, wie er meinte. Ich finde den Vorschlag gut, sehe aber gleichzeitig die Gefahr, dass die Kommunikation in einer solchen Gruppe oder Community schnell aufhört, wenn es niemanden gibt, der sich darum kümmert. Aber warum brauchen wir dazu eigentlich eine geschlossene Gruppe, einen geschützten Raum? Wir haben Blogs, wir haben Facebook und vor allem Twitter, wo wir ja bereits alle mehr oder weniger miteinander vernetzt sind und nur noch anfangen müssen, miteinander zu reden. Wäre das viel einfacher und wäre es nicht genau das, was das Social Web ausmacht? Die Gespräche, die sich mal um wichtige, mal um unwichtige Dinge drehen. Um den Kaffee, das Wetter, aber auch um Content Marketing und ähnliche Themen.

Mir ist dabei meine kleine Untersuchung aus dem letzten Sommer eingefallen, bei der ich mir die Twitter-Aktivitäten einiger österreichischer Museen angeschaut habe. Die Auswertung hat gezeigt, dass die Museen von sich aus fast nie das Gespräch mit anderen Twitterati suchen. Sie kommunizieren ihre ihnen wichtigen Inhalte, aber Gespräche finden nicht beziehungsweise kaum statt. Für mich gehören die aber unbedingt dazu. Beobachten Sie mal Gurus wie Brian Solis, Chris Brogan oder Gerd Leonhard. Natürlich erhalten Sie von denen jede Menge  Informationen. Aber gerade diese drei unterhalten sich auch ganz unkompliziert über scheinbar unwichtige Dinge. Aber diese Gespräche sind in meinen Augen gar nicht so unwichtig.

Nun mögen manche einwenden, dass das doch nur wieder viel Zeit koste. Ja, stimmt, aber Sie sparen die Zeit an anderer Stelle, denn Sie müssen nicht darum kämpfen, dass jemand ihre Tweets retweetet, das passiert dann vielleicht ganz von alleine. Aber bitte spekulieren Sie jetzt nicht darauf, dass jede direkte Ansprache automatisch zu einem Retweet führt. ;-) Ich als einzelner User habe es da sicher leichter als eine große Kultureinrichtung, bei der die einzelnen Postings vielleicht erst noch genehmigt werden müssen. Aber wir können den Theatern, Museen, etc. ja helfen, indem wir einfach das direkte Gespräch mit ihnen suchen, ihnen zum Beispiel Fragen stellen, sie direkt ansprechen. Versuchen wir es doch einfach mal, vielleicht gelingt es uns ja, über dieses Grundrauschen hinaus eine Atmosphäre zu erzeugen, in der dann auch Gespräche leichter stattfinden. Im Kommentarbereich von Blogs, auf Facebook und auf Twitter, online und offline. ;-)

#scvie
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stARTcamp Wien: “Social Media and the Death of Passion?”

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Eigentlich wollte ich diesen Beitrag über das stARTcamp Wien schon vor Tagen geschrieben haben, aber ich wusste nicht so recht, was ich schreiben sollte. Was daran lag, dass ich mir schwer tat, das stARTcamp einzuschätzen. Irgendetwas hat mir gefehlt und ich wusste nicht so recht, was es eigentlich war. Monika Meurer hat in ihrem Blogbeitrag “Das stARTcamp Vienna 2014” die Frage gestellt, ob es sich dabei überhaupt um ein Barcamp handelt? Listet man die Kriterien auf, die ein Barcamp ausmacht, dann kommt man nicht umhin, die Veranstaltung als solche zu bezeichnen, daran führt kein Weg vorbei.

Aber ihre Kritikpunkte, etwa, dass es keine Tweets über die Inhalte der einzelnen Sessions gab oder statt des Austauschs von Wissen, sprich Diskussionen, vor allem Frontalvorträge angeboten wurden, sind nicht ganz unberechtigt. Auf der anderen Seite möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie die Session gestaltet, insofern tue ich mir mit der Kritik auch wieder schwer. Auch was den Kritikpunkt betrifft, Barcamps sollten grundsätzlich kostenlos sein. Natürlich ist es toll, wenn ich etwas kostenlos anbieten kann. Auf der anderen Seite ist es aber leider auch so, dass Dinge, die kostenlos abgegeben werden, nicht die Wertschätzung erfahren, die sie eigentlich verdient hätten.

Aufgegangen ist mir der Knopf beim Lesen eines Artikels von Shellie Karabell. In “Big Data And The End of Passion” beschäftigt sie sich mit der Frage, was uns in unserer Arbeit eigentlich antreibt? Immer größere werdende Datenmengen, aus denen wir dann die hoffentlich richtigen Rückschlüsse ziehen, oder die Leidenschaft, ein Ziel erreichen zu wollen?

Leidenschaft? Vielleicht ist es das? Es herrschte keine Aufbruchstimmung beim stARTcamp, sondern eine eher sachlich-nüchterne Atmosphäre. Was aber auch verständlich ist. Wir müssen uns nicht mehr voller Leidenschaft in den Kampf werfen, um den Sinn und Zweck von Social Media zu erklären. Es gibt mittlerweile in (fast) allen mittleren und größeren Kulturbetrieben MitarbeiterInnen, die sich damit beschäftigen, fast alle haben zumindest eine Facebookseite. Social Media ist im Kunst- und Kulturbereich angekommen, jetzt geht es um die Frage, welche Ziele wir damit erreichen wollen und welche Wege wir dabei wählen.

#scvie

Aber nicht nur die Frage nach dem richtigen Weg blenden wir gerne aus, oft fehlt es auch an den Zielen. Ziele, Strategien, da geht es meist um Zahlen und um Daten, aus denen wir Rückschlüsse ziehen können, um uns dann über die passenden Instrumente zu unterhalten. Auf dem stARTcamp ging es oft um diese Instrumente, um Apps oder iBeacons, aber eben auch um die Frage, wie Kultureinrichtungen Twitter nutzen können oder um die richtige Social Media-Strategie. An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne auf entsprechende Blogbeiträge oder Folien verlinkt, aber die gab es dieses Jahr nur ganz vereinzelt. Auch da kann ich mich an der eigenen Nase fassen, denn ich hatte keine Folien. Eigentlich, um den gefürchteten Frontalvortrag zu vermeiden, aber so ohne Folie ist es auch nicht optimal. Für das nächste Mal gelobe ich Besserung.

Wäre er nicht verhindert gewesen, hätte uns Wolfgang Gumpelmaier im Essl-Museum eine schöne Geschichte erzählen können über das, was auf Barcamps alles möglich ist. Während er beim letzten stARTcamp Wien eine Session über Crowdfunding hielt, erzählte Teglasy Gergely in einer anderen Session über Zwirbler, den ersten Facebookroman der Welt.  Die beiden kamen ins Gespräch und herausgekommen ist eine gerade erfolgreich abgeschlossene Crowdfundingkampagne, um Zwirbler auch in Buchform und als Klopapier anbieten zu können. In dieser Kampagne steckte genau die Leidenschaft, die ich letzte Woche vermisst habe.

Natürlich sind die Daten wichtig, um sich weiter entwickeln zu können, um feststellen zu können, ob etwas funktioniert oder nicht. Um herauszufinden, wer sich wofür interessiert und dann die passenden Angebote zu entwickeln. Social Media braucht beides, Daten und Leidenschaft. Das eine ohne das andere, das wird nicht funktionieren. Vielleicht ist uns die Leidenschaft auf dem Weg zum Erfolg im Social Web etwas abhanden gekommen? Vielleicht ging es beim stARTcamp zu sehr um Daten und nicht um die Leidenschaft?

Vielleicht müssen wir die Leidenschaft wieder mehr in den Vordergrund stellen. Eine Strategie kann noch so gut und ausgetüftelt sein. Wenn es an Leidenschaft und am Spaß an der Kommunikation fehlt, dann ist der Erfolg in Gefahr. Und damit das nicht verloren geht, notiere ich mir das gleich als das Motto für das nächste stARTcamp Wien: “Social Media: mit Spaß und Leidenschaft” ;-)

 

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Vier Fragen – Influencer Marketing im Kunst- und Kulturbereich

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Wenn ein Theater ein neues Stück inszeniert oder die Werke einer KünstlerIn demnächst in einer Galerie zu sehen sind, dann werden sowohl die Inszenierung als auch die Ausstellung beworben und all die Menschen, mit denen man irgendwie in Kontakt steht, darüber informiert und eingeladen, sich Stück oder Ausstellung anzusehen. Allerdings ist der Kreis derer, die man dabei erreicht, beschränkt, egal, ob über die Website, die Facebookpräsenz oder den Newsletter. Aber es gibt natürlich auch Kanäle, über die ich Menschen erreiche, mit denen ich bis jetzt nicht in Verbindung stand, die gar nicht wissen, dass es mich und meine Arbeit gibt. Redaktionelle Beiträge sind da eine hervorragende Möglichkeit, oder auch Werbung.

Aber ich kann meine Zielgruppen natürlich auch über Dritte ansprechen. Es ist nicht wirklich neu, dass jemand anderen etwas empfiehlt, ob es sich dabei um ein Waschmittel oder eben auch um ein Kulturangebot handelt. Empfehlungen gab es schon immer, aber mit dem Aufkommen des Social Web wuchs das Interesse an denen, die einen hohen Bekanntheitsgrad genießen und denen viele Menschen vertrauen. Die Influencer haben sich zu einem wichtigen Marketinginstrument entwickelt, über das es mittlerweile auch unterschiedliche Theorien gibt.

Geoff Livingston: "The State of Influencer Theory" auf Flickr http://bit.ly/1pfXXId (CC BY-SA 2.0)

Geoff Livingston: “The State of Influencer Theory” auf Flickr http://bit.ly/1pfXXId (CC BY-SA 2.0)

Geoff Livingston hat diese Theorien schon vor drei Jahren zusammengefasst, herausgekommen ist nicht nur diese Grafik, sondern auch der Blogbeitrag “The state of influencer theory on the social Web“, in dem er die verschiedenen Modelle der letzten Jahre kurz auflistet. Er unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Ansätzen. Da sind auf der einen Seite

“a select few types of people who can move networks and organizations toward action”.

Also Menschen, die Malcom Gladwell in seinem 2000 erschienen Buch Tipping Point (Affiliate Link) den drei Typen Experte, Vermittler und Verkäufer zuordnet. Das andere Modell, für das vor allem Duncan Watts steht, behauptet,

“that viral events are the result of individuals within a community, those who rise up at the right moment or on the right topic”,

wie Livingston schreibt. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Tools wie Klout oder Kred zwar eine Hilfe sein können, aber es nicht damit getan ist, lediglich die UserInnen mit einem hohen Faktor herauszufiltern. Die Frage, welcher der beiden Theorieansätze der richtige ist, lässt sich nicht so leicht beantworten, denn für alle diese Ansätze gibt es empirisches Datenmaterial, die die Richtigkeit des jeweiligen Modells untermauern.

Vier Fragen, bevor Sie mit dem Influencer Marketing beginnen

An so einem Punkt geben viele wahrscheinlich auf und verlassen sich dann eben doch auf die oben genannten Tools. Aber es macht schon Sinn, dass sich Kultureinrichtungen und auch KünstlerInnen darüber Gedanken machen, wer für sie als Influencer in Frage kommt. Sie sind es, die mir dabei helfen, das Potenzial des Social Web voll auszuschöpfen. Daher macht es Sinn, sich irgendwann einmal die Zeit zu nehmen und mit dem Thema Influencer (Marketing) zu beschäftigen. Oft fehlen die Ressourcen, weshalb viele dann die Kurzform wählen. Man bittet die, die in den verschiedenen Netzwerken Sichtbarkeit haben darum, den Hinweis auf die Veranstaltung zu posten. Dass dabei nicht besonders viel herauskommt, wissen wir vermutlich alle oder ahnen es zumindest.

Wie kann ich das Thema aber sinnvoll angehen? Folgende Fragen sollten Sie beantworten, bevor Sie mit dem Influencer Marketing beginnen:

  1. Legen Sie fest, was Sie von “Ihren” Influencern eigentlich erwarten, welche Ziele erreicht werden sollen? Lebt jemand am anderen Ende der Welt, ist er eher keine große Hilfe, um den Ticketverkauf für die morgige Veranstaltung anzukurbeln. Aber vielleicht können Sie mit ihm oder mit ihr ein Interview führen, um überhaupt auf das Thema aufmerksam zu machen? Oder Sie schaffen es, jemanden für einen Gastbeitrag zu gewinnen, um die Zahl der Abonnenten des gewählten Formats zu erhöhen (z.B. Newsletter oder Blog). Vielleicht streben Sie aber auch eine Zusammenarbeit an, die dann schon in der Konzeptionsphase beginnen muss und so eng ist, dass der Influencer sehr wohl die Veranstaltung bewerben kann, weil es ja auch seine eigene ist.
  2. Influencer ist nicht gleich Influencer: Sie ahnen es schon, dass Sie nicht alle Influencer gleich behandeln können, da es gewaltige Unterschiede gibt. Wir können etwa zwischen Prominenten, Publishern, Fans und Freunden unterscheiden. Je prominenter jemand ist, desto größer ist seine/ihre Reichweite. Ob die breite Streuung Ihnen aber hilft und Sie damit Ihr Ziel erreichen, müssen Sie erst einmal herausfinden. Das ist bei den Fans und Freunden sicher anders. Sie verfügen meist nicht über eine große Reichweite, aber sie identifizieren sich mit Ihrem Angebot und wirken deshalb oft sehr viel überzeugender als irgendeine prominente Persönlichkeit.
    Für die PR und das Marketing am interessantesten sind die Publisher, bei denen es sich im Kunst- und Kulturbereich meist um BloggerInnen handelt, oder auch um Personen, die erfolgreich einen YouTube-Channel betreiben.
  3. Welche Inhalte bieten Sie Ihren Influencern an? Wer einfach nur einen Pressetext verschickt, hat ziemlich sicher schlechte Karten. Schicken Sie spezielles Infomaterial, laden Sie zu einem Google-Hangout ein, nutzen Sie Twitter für den Erstkontakt beziehungsweise später für ein Twitter-Interview oder laden Sie die Influencer zu einer Präsentation (oder, um bei unseren beiden Beispielen zu bleiben, in eine Probe oder zu einer eigenen Führung) ein.
  4. Oft steht dann am Ende die Suche nach den Influencern, denn nun haben Sie bereits die wichtigsten Fragen beantwortet, nämlich was Sie überhaupt erreichen möchten, wen Sie dafür ansprechen wollen und welche Inhalte und Formate Ihnen dafür zur Verfügung stehen? Nun beginnt die schwierige Suche nach den “Richtigen”. Sie können mit Schlagworten arbeiten, Blogverzeichnisse (z.B. Icerocket) durchforsten, auf Twitter nach Empfehlungen fragen und vieles mehr. Aber eine Liste für den Branchenüberblick gibt es leider nicht. Sehen Sie es als Vorteil: Gäbe es eine Liste, würden sie alle nutzen. So sind Sie (fast) alleine.
    Vielleicht kennen Sie aber Ihre Influencer schon, dann bleibt Ihnen mühsame Suche erspart. Aber vielleicht werfen Sie trotzdem einen Blick ins Social Web und schauen, ob es nicht weitere beziehungsweise neue Influencer gibt, die Sie kontaktieren können. Auch hier gilt: Die Arbeit ist nie zu Ende, hier schließt sich nur der Kreis, bevor es weiter geht.

Sie sehen schon, der Aufwand ist beträchtlich. Aber wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben, stehen die Chancen gut, dass Sie das Interesse der Influencer wecken können und sich daraus eine nachhaltige Zusammenarbeit entwickelt.

Weiter Blogposts:

 

 

 

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Das Essl Museum als Gastgeber des stARTcamp Wien: Immer offen für Experimente

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Ich habe lange überlegt, ob diese Überschrift auch wirklich für dieses Blogpost geeignet ist, denn sie könnte ja auch suggerieren, dass das stARTcamp ein Experiment ist. Im ersten Moment habe ich das verneint, aber es ist noch lange nicht selbstverständlich, dass Kultureinrichtungen Gastgeber eines stARTcamps sind und deshalb lasse ich erstens die Überschrift so stehen und bedanke mich zweitens noch einmal beim Essl Museum für die Einladung.

Auf die Überschrift bin ich aber eigentlich durch die Idee des Museums gekommen, eine Ausstellung mit Hilfe ihrer Facebookfans zu gestalten. Ein spannender Ansatz und deshalb freue ich mich natürlich besonders, dass das stARTcamp Wien dieses Jahr im Essl Museum vor den Toren Wiens stattfindet. Warum das Haus dieses Jahr Gastgeber des stARTcamps ist und welche Erwartungen damit verbunden sind, das habe ich Barbara Royc, die Marketingleiterin gefragt.

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Christian Henner-Fehr: Morgen ist es soweit, wir sprechen einen ganzen Tag lang über Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nutzt Du selbst eigentlich auch Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke und Plattformen? Oder reicht es Dir, Dich beruflich damit zu beschäftigen?

Barbara Royc: Ich nutze eigentlich seit Jahren verschiedenste Social Media-Kanäle und Blogs, interessanterweise bin ich aber gerade auf Facebook und Twitter vorwiegend beruflich unterwegs, obwohl ich dort private Accounts habe. Man darf nur leider nicht erwarten, dass ich dort viel von mir preisgebe, das erlaubt meine Zeit einfach nicht. Privat nutze ich derzeit eigentlich vorwiegend Social Bookmarking Tools, ich mag auch zum Beispiel Pinterest ganz gerne, um dort Ideen zu sammeln und zu verwalten. Ich probiere ständig verschiedenste Plattformen aus, weil mich interessiert wie sie funktionieren und was sie bieten können, aber bleibe privat selten wo hängen.

Christian Henner-Fehr: Sehr häufig wird im Zusammenhang mit Social Media vom Wunsch nach Vernetzung gesprochen. Ihr seid noch einen Schritt weiter gegangen und habt Eure Facebook-Fans eine ganze Ausstellung mitkuratieren lassen. Ist das die Richtung, die Kultureinrichtungen gehen müssen, wenn sie Erfolg haben möchten?

Barbara Royc: Ich denke, dass es zukünftig für Kultureinrichtungen noch wichtiger sein wird, ihre Besucher bzw. ihr Publikum zur Partizipation einzuladen. Ob dies nun über Social Media oder auf anderen Wegen passiert, ist glaube ich nicht so relevant. Tatsache ist, dass man über Social Media unkompliziert und rasch eine bestimme Zielgruppe erreicht. Social Media ist hier ein Kanal unter vielen, als Kultureinrichtungen gilt es den richtigen Kanal zu wählen. Am wichtigsten wird wohl aber sein, sich als Kultureinrichtung zu überlegen, auf welche Inhalte die Besucher einwirken können.

Christian Henner-Fehr: Beim stARTcamp werden Apps ein Thema sein. Welche Bedeutung misst Du ihnen im Kulturbereich bei? Brauchen wir sie wirklich oder kommen wir auch ohne sie aus?

Barbara Royc: Ich habe mich sehr lange mit dem Thema Apps für Museen beschäftigt, es war auch immer wieder im Gespräch für das Essl Museum. Schlußendlich haben wir uns aus mehreren Gründen dagegen entschieden. Ich denke aber, dass Apps im Kulturbereich schon wieder von interessanteren Möglichkeiten abgelöst werden – für den Nutzer hat eine App wesentlich mehr Hürden, als wenn die Kulturbetriebe den Nutzer gleich dort abholen, wo er sich aufhält.

Christian Henner-Fehr: Ein stARTcamp lebt von den Ideen und dem Input der TeilnehmerInnen. Welche Session wünschst Du Dir morgen?

Barbara Royc: Ein spannendes, praxisnahes Thema für mich ist, wie man in einem Kulturbetrieb eine Art „Content-Kultur“ etablieren kann. Nur wenn man aus den einzelnen Abteilungen auch die relevanten Inhalte bekommt, kann man als Social Media Redaktion gut agieren. In vielen Unternehmen muß erstmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden. Wir haben zum Beispiel bereits 2 Mal ein offenes Social Media Workshop für Mitarbeiter durchgeführt, bei dem wir unsere Aktivitäten vorgestellt haben. Oft muß man hier Basisarbeit leisten, also „Was ist Twitter überhaupt?“ Mich würde interessieren, wie es anderen Kultureinrichtungen damit geht und was sie so aus der Praxis erzählen können.

Christian Henner-Fehr: Diese Frage habe ich auch schon Michael Wuerges im letzten Jahr gestellt: Morgen geht es um das Thema Social Media. Angesprochen haben wir vor allem die Menschen, die sich damit im Bereich von Kunst und Kultur beschäftigen. Kannst Du Dir vorstellen, dieses Format auch auf Eure inhaltliche Arbeit zu übertragen und auf diese Weise Euer Publikum anzusprechen? Das könnte beispielsweise bei Eurer aktuellen Ausstellung über die Zukunft der Malerei eine ganz spannende Sache werden?

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Alfons Pressnitz, Stranded, 2014, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 150 x 140 cm, Foto & © Alfons Pressnitz

Barbara Royc: Ein Barcamp für eine Ausstellung? Ich habe ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, aber ich könnte mir das durchaus als Alternative zu einem Symposium bei einem sehr offenen Thema (wie es die Ausstellung Die Zukunft der Malerei aufwirft) vorstellen. Ich werde unserem Kurator Andreas Hoffer von dieser Idee erzählen…

Christian Henner-Fehr: Danke, dass wir dieses Jahr bei Euch zu Gast sein dürfen und danke natürlich auch für Deine Antworten. Ich freue mich auf ein stARTcamp mit vielen spannenden Themen an einem tollen Ort und wünsche Dir morgen viel Spaß.

Barbara Royc: Danke, Christian. Wir freuen uns sehr, Gastgeber des stARTcamps zu sein und ich hoffe natürlich, dass die Teilnehmer mit vielen neuen Ideen wieder nach Hause gehen.